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Marburg „Sie trauen sich wieder“
Marburg „Sie trauen sich wieder“
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08:00 07.07.2021
Weiße Tauben in einem Käfig mit der Aufschrift „Hochzeit“ stehen vor einem Rathaus, wo ein frisch vermähltes Brautpaar erwartet wird.
Weiße Tauben in einem Käfig mit der Aufschrift „Hochzeit“ stehen vor einem Rathaus, wo ein frisch vermähltes Brautpaar erwartet wird. Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa
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Marburg

Heute sind zwei Trauungen in Marburg geplant, denn das Datum 7.7. ist eine Kombination, die sich viele Paare für ihren schönsten Tag im Leben wünschen. Eine Schnapszahl als Hochzeitsdatum war in der Corona-Pandemie in den vergangenen eineinhalb Jahren allerdings eher zweitrangig. Seit sich die Situation wieder etwas entspannt hat, häufen sich aber wieder die Anfragen nach Trauungen. Noch immer schwingt allerdings viel Unsicherheit bei den Hochzeitsplanungen mit. Vielen Paaren sei noch unklar, was etwa in drei Monaten möglich sein wird, so die Auskunft der Stadt Marburg. Diejenigen, die auf Nummer sicher gehen wollen, legen sich gleich auf später fest: So liegen dem Standesamt Marburg bereits Anfragen für 2023 vor.

So manchem heiratswilligen Paar hat das Virus die Lust auf eine Hochzeit mit großer Feier verdorben. Doch jetzt gehen die Infektionszahlen immer weiter zurück, immer mehr Menschen sind geimpft und es gibt zunehmend Lockerungen. Heiraten nun auch wieder mehr Paare?

In der Stadt Kirchhain finden pro Jahr 85 Trauungen statt. Im Pandemie-Jahr 2020 waren es nur etwa zehn Eheschließungen weniger – sagt die Statistik. Die Stadt Marburg verzeichnet auf Jahressicht auch nicht viel weniger Trauungen als in den Jahren zuvor: 2020 waren es 385 Eheschließungen, 2019 waren es 399 und 2018 gab es 418 Eheschließungen in Marburg.

Anfangs waren nur die Brautpaare und Standesbeamten zur Eheschließung zugelassen. Später durften dann auch Eltern an der Zeremonie teilnehmen. Jetzt dürfen im Kirchhainer Standesamt wieder 23 Personen (Geimpfte und Genesene) – inklusive Standesbeamte und Brautpaar – zur Eheschließung kommen. In der unter Paaren beliebten Location „Heimatmuseum Großseelheim“ sind 15 Personen zugelassen. (In den Standesämtern bemisst sich die Anzahl der zulässigen Personen nach der Größe des Trauraums)

Nachfrage nach Hochzeiten steigt

Die positive Entwicklung der Infektionszahlen und die Tatsache, dass Gastronomie, Grillhütten und Bürgerhäuser wieder geöffnet haben, lässt die Nachfrage nach Hochzeiten deutlich ansteigen. Das bestätigt Standesbeamtin Gabriele Löchel-Vincon. „Der Juni, Juli und August sind gut ausgebucht“, sagt sie.

„Am meisten vermisse ich immer noch den direkten Blick auf die Paare – jetzt steht eine Plexiglasschutzscheibe zwischen uns – und dass wir beim Ja-Wort nicht aufstehen – das hat sonst die Besonderheit des Augenblicks noch einmal deutlich gemacht – und zuletzt, dass ich den Paaren nicht per Handschlag gratulieren kann“, sagt Stefan Krein, Leiter von Stadtbüro und Standesamt in Marburg.

Die Flaute während der Pandemie hat auch der freie Trauredner Parvis Rahbarnia (40) zu spüren bekommen. Seit gut einem Jahr hat er zwar seinen beruflichen Schwerpunkt auf Frankfurt/Main gelegt, aber der Pastor mit halber Stelle kommt noch immer regelmäßig in die Universitätsstadt an der Lahn. 2020 hat er registriert, dass viele Paare ihre geplanten Hochzeitsfeiern verschoben haben. Aber jetzt wagen sie es: „Sie trauen sich wieder.“

Rahbarnia geht davon aus, dass viele Paare das „Sommerloch“ jetzt nutzen, um mit Freunden und Familie ihre Hochzeit zu feiern, bevor im Herbst eventuell eine vierte Welle über den Landkreis hereinbricht.

Auch Frank Müsken, Vorsitzender des Fachverbands der hessischen Standesbeamtinnen und Standesbeamten und Leiter des Kasseler Standesamts, stellt fest, dass mit den fallenden Inzidenzen und der Möglichkeit, Gäste bei Trauungen zuzulassen, auch wieder die Anmeldezahlen steigen. Und er sagt: „Es gibt mehr Spontanität.“

Der Landkreis hat zum Thema: „Ja, ich will!“ die Kampagne „FairHeiraten“ ins Leben gerufen. Es gibt vier Rubriken „Ringe und Schmuck“, „Essen und Trinken“, „Blumen“ sowie „Kleidung und Hochzeitsmode“ – alles fair gehandelte Produkte und Dienstleistungen für eine Hochzeit. Die Broschüre kann online auf https://www.mein-marburg-biedenkopf.de heruntergeladen werden.  dpa

Von Silke Pfeifer-Sternke und unserer Agentur

06.07.2021
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