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Marburg Nachfrage lässt Immobilienpreise steigen
Marburg Nachfrage lässt Immobilienpreise steigen
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09:16 20.04.2022
Angesichts des knappen Angebots sind Grundstücke auch im ländlichen Raum – wie hier in Rauschenberg – heiß begehrt.
Angesichts des knappen Angebots sind Grundstücke auch im ländlichen Raum – wie hier in Rauschenberg – heiß begehrt. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Die Nachfrage nach Immobilien ist in Mittelhessen größer als das Angebot – und die Preise klettern immer weiter. Das ergibt sich aus den Immobilienmarktberichten, die am Gründonnerstag im Amt für Bodenmanagement Marburg vorgestellt wurden. „Zwar wurden 2021 etwas weniger Immobilientransaktionen registriert als im Vorjahr, doch mit deutlich höheren Preisen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Gutachterausschusses für die Landkreise Marburg-Biedenkopf, Gießen und Lahn-Dill, Lothar Dude-Georg. „Das Angebot ist zu gering, es kann die Nachfrage nicht abdecken.“

Deutlich zeige sich das bei den Ein- und Zweifamilienhäusern. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf (ohne Marburg) wurden im vergangenen Jahr 496 dieser Häuser verkauft, 10 Prozent weniger als im Vorjahr. Der mittlere Preis stieg dagegen um 18 Prozent auf 217. 000 Euro. In Marburg wurden 110 Ein- und Zweifamilienhäuser verkauft (minus 12 Prozent). „Das führt teilweise zu extremen Preissteigerungen“, sagte Marius Thielemann, Vorsitzender des unabhängigen Gutachterausschusses für die Stadt Marburg.

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In Marburg und Umgebung sind Wohnhäuser teuer

Die Universitätsstadt ist ein besonders teures Pflaster: Der Durchschnittspreis für ein Ein- oder Zweifamilienhaus lag in der Universitätsstadt im vergangenen Jahr bei 445. 000 Euro. Sogar in Gießen kostete ein durchschnittliches Eigenheim mit 395. 000 Euro weniger. Etwas günstiger wurden in Marburg Reihenhäuser (minus 3 Prozent auf 307. 000 Euro), deutlich teurer einzelstehende Einfamilienhäuser (plus 16 Prozent auf 499 .000 Euro). Innerhalb der Stadt gibt es enorme Preisunterschiede: In der Kernstadt kostete ein Eigenheim im Durchschnitt 601. 000 Euro (Vorjahr 492. 000 Euro). Michelbach (592. 000 Euro) und Wehrshausen (549. 000 Euro) sind demnach ebenfalls teuer, während ein Ein- oder Zweifamilienhaus in Cyriaxweimar nur 245 .000 Euro kostete. Zum Teil basieren diese Durchschnittswerte aber nur auf wenigen Verkäufen, zudem gibt es auch innerhalb der Stadtteile große Unterschiede. 

Eine Analyse der genauen Zahlen für den Immobilienmarkt in Marburg, lesen Sie hier: Nachfrage treibt Immobilienpreise in die Höhe

Immobilienmarktberichte

Die Gutachterausschüsse für Immobilienwerte sind eine Einrichtung des Landes Hessen. In ihnen sind ausschließlich Fachleute wie Architekten, Vermessungs- und Bauingenieure, Immobilienmakler, Finanzfachleute und Landwirte ehrenamtlich tätig. Ihr Auftrag ist es, Transparenz auf dem Immobilienmarkt zu schaffen. Für die Landkreise Gießen, Lahn-Dill und Marburg-Biedenkopf gibt es einen Gutachterausschuss, der allerdings nicht für die Städte Marburg und Gießen zuständig ist. Sie haben eigene Gutachterausschüsse.

Die Gutachterausschüsse werten Kaufverträge aus, ermitteln Bodenrichtwerte, erstellen Gutachten und veröffentlichen regionale Immobilienmarktberichte. Notare sind verpflichtet, den Ausschüssen die Daten über alle Eigentumsübergänge zur Verfügung zu stellen. Somit basieren die Immobilienmarktberichte tatsächlich auf nahezu allen Haus- und Grundstücksverkäufen.

Im Landkreis sind Ein- und Zweifamilienhäuser in den an Marburg angrenzenden Gemeinden Weimar (368 .000 Euro, plus 28 Prozent), Lahntal (327. 000 Euro, plus 22 Prozent) und Cölbe (307 .000 Euro, plus 46 Prozent) am teuersten. Am günstigsten waren Wohnhäuser in Münchhausen (108. 000 Euro, minus 13 Prozent), Steffenberg (127. 000 Euro, minus sieben Prozent) und Wohratal (154 .000 Euro, plus 19 Prozent). Doch in Münchhausen dürften die Preise bald steigen: „Münchhausen wird durch die Umgehung an Attraktivität gewinnen“, sagte Tobias Rhiel von der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses für die drei Landkreise.

Bauland ist auch in ländlichen Gemeinden begehrt

Auch Bauland ist in und um Marburg besonders teuer. In der Universitätsstadt wurden im vergangenen Jahr 18 Baugrundstücke für Wohn- und Mischbebauung verkauft, 2020 waren es noch 30 gewesen. Der Durchschnittspreis in den inneren Stadtteilen (Kernstadt, Cappel, Marbach, Ockershausen und Wehrda) stieg auf 460 Euro pro Quadratmeter (Vorjahr: 360 Euro). In den Außenstadtteilen fiel er hingegen von 150 auf 120 Euro. Im restlichen Landkreis stieg der Durchschnitts-Quadratmeterpreis von 72 auf 87 Euro. Auch bei den Baugrundstücken war Weimar (164 Euro pro Quadratmeter) am teuersten, gefolgt von Lahntal (158 Euro) und Ebsdorfergrund (130 Euro). Preiswert waren Baugrundstücke in Angelburg (32 Euro), Steffenberg (37 Euro) und Breidenbach (45 Euro). „Wenn ein Neubaugebiet aufgelegt wird, geht das im gesamten Zuständigkeitsbereich des Amtes weg wie warme Semmeln“, sagte Dude-Georg. „Selbst der ländliche Bereich ist für die Grundstückinteressenten sehr attraktiv“, sagte er. So wurden in Rauschenberg von 36 Bauplätzen ab November 2020 schon 30 verkauft – zum Preis von 75 Euro. In Marburg sind auch Eigentumswohnungen sehr gefragt: Die Zahl der verkauften Wohnungen stieg um 18 Prozent auf 296. Der Durchschnittspreis einer neu gebauten Wohnung stieg auf 4 511 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche (Vorjahr: 4 159 Euro), bei weiterverkauften Wohnungen auf 2 641 Euro (Vorjahr: 2 483 Euro). Im Landkreis kosteten wiederverkaufte Eigentumswohnungen im Schnitt pro Quadratmeter nur 1 610 Euro.

Baupreise steigen, „Betongold“ boomt

Zu den steigenden Preisen trägt nach Angaben der Experten auch ein Anstieg der Baupreise bei. Hinzu kommt, dass aufgrund der niedrigen Zinsen Immobilien als so genanntes „Betongold“ für Anleger interessant sind – allerdings vor allem in den Städten. Eine Immobilienblase gebe es in Stadt und Landkreis aber noch nicht, betonten Thielemann und Dude-Georg.

Die Immobilienmarktberichte für die Stadt Marburg sowie den Bereich des Amtes für Bodenmanagement sind online unter abrufbar.

Von Stefan Dietrich

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