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Marburg Sonnenstrom ist heiß begehrt
Marburg Sonnenstrom ist heiß begehrt
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09:59 04.08.2022
: Ein Arbeiter installiert auf einem Dach eine Solaranlage. Immer mehr Unternehmen und private Haushalte in Deutschland nutzen Sonnenenergie zur Stromerzeugung.
 Ein Arbeiter installiert auf einem Dach eine Solaranlage. Immer mehr Unternehmen und private Haushalte in Deutschland nutzen Sonnenenergie zur Stromerzeugung. Quelle: Rolf Haid/dpa
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Marburg

Die Gaskrise wird auch zu einer Stromkrise – rund 13 Prozent des Gases wird in Deutschland noch zu Strom umgewandelt, sechs Prozent stammen aus den letzten Kernkraftwerken, die in naher Zukunft wegfallen. Der Bund hat gerade den schnelleren Ausbau von Ökostrom aus Wind und Sonne beschlossen – 80 Prozent Erneuerbare Energien bis 2030.

Klimafreundliche Strom-Alternativen sind schon jetzt gefragt wie nie, die Energiekrise macht die Abhängigkeit von Energieimporten deutlich. Auch die Solarenergie erlebt seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine einen neuen Boom – viele Hauseigentümer überlegen nun, beim Heizen auf Sonnenenergie umzusteigen und damit von Gas auf Strom. Beim Umstieg braucht man im Moment aber viel Geduld. Denn Anbieter und Installateure sind völlig ausgebucht.

Anbieter müssen laufende Aufträger abarbeiten

„Die Nachfrage ist explodiert und war vorher schon sehr hoch“, berichtet Jojakim Sames, Geschäftsführer der Marburger Firma Sames Solar GmbH. Er werde von Anfragen praktisch überrollt, „wir haben im Moment einen Annahmestopp, das gab es noch nie“. Die laufenden Aufträge müssten erst einmal umgesetzt werden. Denn nicht immer sind alle Teile einer Photovoltaik-Anlage verfügbar, auch die Branche spürt die Lücken in den Lieferketten, außerdem den Nachwuchsmangel im Handwerk.

Sein Rat an alle Hausbesitzer, die eigentlich gerne auf Solarstrom umsteigen würden: „Man braucht leider ganz viel Geduld, bei allen Anbietern ist es gerade sehr schwierig“. Die Wartezeit liege locker bei einem halben Jahr, dann sei die Anlage aber noch nicht auf dem Dach. Bis die richtig läuft, könne aktuell ein ganzes Jahr vergehen.

Preise und Angebote vergleichen

Eine stark gestiegene Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen von privater wie kommunaler Seite verzeichnet auch der in Marburg ansässige Verein Sonneninitiative, der sich für die Förderung von Sonnenkraftwerken einsetzt und in Zusammenarbeit mit den Eigentümern größere PV-Anlagen auf kommunalen oder gewerblichen Flächen und Dächern baut. Auch der Verein rät Umsteigewilligen dazu, zwar „tätig zu werden aber die nötige Ruhe zu bewahren – da der Markt stark überhitzt ist, sind die Preise stark gestiegen. Schnäppchen lassen sich zur Zeit kaum machen“, sagt der Vorsitzende Christian Quast. Hinzu komme die aktuelle Anpassung des Erneuerbare-Energien-Gesetz, das ändere „die Spielregeln“.

Kreis fördert Solarstrom

Wie der Bund entschieden hat, sollen Ökostromanlagen künftig über den Bundeshaushalt subventioniert werden, die Förderung aber mit Vollendung des Kohleausstiegs auslaufen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hatte angekündigt, dass die Vergütungssätze für alle neuen Photovoltaik-Anlagen steigen, bis zu 13,4 Cent pro Kilowattstunde soll es nun für den Betrieb einer neuen Photovoltaik-Anlage geben.

Förderungen gibt es auch vom Landkreis: Sonnenkraftwerke auf Dächern und Balkonen werden mit 100 000 Euro aus seinem Corona-Zukunftspaket II gefördert. Die Sparkasse Marburg-Biedenkopf fördere die Solardach-Kampagne mit 15 000 Euro.

 Pro Kilowatt Peak (kWp) der Solaranlagen fördert der Landkreis 100 Euro, der maximale Förderungsbeitrag beträgt 500 Euro pro Anlage. Einen Bonus von 100 Euro gibt es bei einer Kombination aus Stromspeicher und neuer Dachsolaranlage.

Weitere Informationenund das Antragsformular stehen im Internet unter www.klimaschutz.marburg-biedenkopf.de.

Die aktuelle Lage kann zudem „schwarze Schafe“ der Branche zu Wucherpreisen verleiten. Eigentümer sollten daher vor einer endgültigen Entscheidung die Preise vergleichen, sich lieber zwei bis drei Angebote einholen. Ein Tipp: „Firmen, die nicht die Zeit haben, ein Angebot zu schreiben, werden auch keine Zeit finden, die Anlage zu montieren. Zahlen Sie den Kaufpreis erst vollständig, wenn die Anlage ans Netz angeschlossen wurde“, betont der Verein. Viel könne man auch in Eigenleistung übernehmen, nur für den Anschluss einer Solaranlage brauche es am Ende einen Elektrofachbetrieb. Für Mieter gebe es wiederum Balkonmodule als Alternative.

Lohnt sich eine Solaranlage? Antwortem auf: Solardachkataster unter www.energieland.hessen.de/solar-kataster

Von Ina Tannert

07:59 Uhr
03.08.2022