Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Nach tödlichem Unfall: Peta fordert Kutschenverbot
Marburg Nach tödlichem Unfall: Peta fordert Kutschenverbot
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 19.11.2021
Eine Kutsche mit Passagieren in Niedersachsen. Die Tierschutzorganisation Peta fordert den Landkreis auf, ein Kutschenverbot zu prüfen.
Eine Kutsche mit Passagieren in Niedersachsen. Die Tierschutzorganisation Peta fordert den Landkreis auf, ein Kutschenverbot zu prüfen. Quelle: Themenfoto: Philipp Schulze
Anzeige
Marburg

Vor zwei Wochen starb ein 59 Jahre alter Mann nach einem Unfall mit einer Pferdekutsche in Kirchhain. Nun kritisiert die Tierschutzorganisation Peta in einem Schreiben den Einsatz von Pferdekutschen, fordert ein Verbot und warnt vor weiteren Unfällen.

In der Brunnenstraße im Kirchhainer Ortsteil Stausebach war ein Mann am 5. November von einem Pferdefuhrwerk überrollt worden und später im Krankenhaus verstorben. Die Passagiere der von Pferden gezogenen Kutsche waren nach einer Fahrt mit dem Planwagen in der Brunnenstraße ausgestiegen. Dann gingen plötzlich die Tiere durch und liefen mit der Kutsche los.

Zwei Passanten hatten versucht, die Pferde zu stoppen, darunter der 59-Jährige, der dabei von dem Wagen überfahren wurde. Der andere Mann erlitt leichte Verletzungen. Aus welchem Grund die Tiere plötzlich anscheinend in Panik losliefen, ist weiterhin ungewiss. Wie die Polizei auf Nachfrage mitteilt, dauern die Ermittlungen an.

Erhöhtes Unfallrisiko

Die Tierschutzorganisation Peta Deutschland weist auf den tödlichen Unfall hin und regt in einer Pressemitteilung und in einem Schreiben an Landrätin Kirsten Fründt ein Verbot von Pferdefuhrwerken an. Darin heißt es: „Unserer Auffassung nach sind Unfälle mit Pferdekutschen grundsätzlich unnötig, weil die Fuhrwerke nur ungenügend den üblichen Sicherheitsanforderungen entsprechen und Pferde als schreckhafte Fluchttiere einem deutlich erhöhten Unfallrisiko ausgesetzt sind“, so schreibt die Organisation.

Peta spricht von mehreren Dutzend Pferdekutschenunfälle pro Jahr in Deutschland: Im Jahr 2020 seien bei insgesamt 32 Unfällen in Deutschland drei Menschen getötet und mindestens 45 verletzt worden, viele davon schwer. Darüber hinaus starb ein Pferd, zehn weitere Tiere seien verletzt worden.

Der mit Abstand häufigste Auslöser für Unfälle sei ein Erschrecken der Tiere. Zudem verfügten Kutschen nicht über sichere Bremssysteme, Airbags, Knautschzone oder Gurte. „Die Gefährte sind als Transportmittel daher ungeeignet. Beschränkungen sind nach unserer Auffassung auch rechtlich begründbar“, heißt es weiter.

Peta appelliert auch an den Kreis, die Möglichkeit eines Pferdekutschenverbotes zu prüfen. Ob die Verwaltung dahingehend Handlungsbedarf sieht, ist noch nicht klar. Wie die Pressestelle auf Nachfrage mitteilt, warte der Landkreis zunächst die polizeilichen Ermittlungen und deren Ergebnisse ab. „Erst dann kann der Sachverhalt auf der Basis gesicherte Informationen genauer betrachtet und bewertet werden“, teilt Kreis-Sprecher Stephan Schienbein mit.

Von Ina Tannert

18.11.2021
Marburg Hessisches Landestheater - Blick mitten hinein ins Finanzamt
18.11.2021
18.11.2021