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Marburg Verkehrsversuch im Norden strittig
Marburg Verkehrsversuch im Norden strittig
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00:18 25.06.2019
Karl van Elkan (von links) wurde als Kassierer verabschiedet. Christian Großmann, Michaela Richter und Matthias Schraub bilden den Vorstand des Werbekreises Nordstadt. Quelle: Till Conrad
Marburg

Christian Großmann, der Vorsitzende des Werbekreises, hatte auf der Jahreshauptversammlung des Werbekreises eine gute Nachricht parat: Die Weidenhäuser Brücke wird am 10. August wieder für den Verkehr freigegeben. Viele Händler erhoffen sich von der Freigabe, dass die Verkehrsbelastung in der Bahnhofstraße und der Elisabethstraße dadurch deutlich sinkt – statt zwei Zufahrten in die Innenstadt gibt es dann nämlich wieder drei Zufahrten.
Die Stadt will nach Wiedereröffnung der Weidenhäuser Brücke noch im Herbst ihren lange beschlossenen Verkehrsversuch beginnen:

  • In der westlichen Bahnhofstraße gibt es hinter der Kreuzung Rosenstraße/Robert-Koch-Straße/Bahnhofstraße nur noch eine Fahrspur Richtung Ketzerbach/Innenstadt. Der gewonnene Platz wird genutzt für zwei Radstreifen, davon einer entgegen der Einbahnstraßen-Regelung. Die Busspur wird deutlich verbreitert. Die Parkplätze auf der linken Straßenseite bleiben erhalten.
  • In der Elisabethstraße wird es künftig nur noch eine Fahrspur geben. Beidseitig wird jeweils ein Radstreifen angelegt, einer davon wiederum gegen die Einbahnstraßenrichtung.

Ob die Geschwindigkeit in der Elisabethstraße auf 30 Stundenkilometer reduziert werden kann, ist bis jetzt offen. Voraussetzung dafür sind Lärmmessungen. Nur wenn diese Messungen ergeben, dass die Lärmbelastung in der Elisabethstraße um mindestens 3 dB verringert werden kann, hat die von einigen Gewerbetreibenden geforderte Geschwindigkeitsbeschränkung eine Chance.

Weniger Verkehr von der Stadtautobahn in das Nordviertel wegen der Öffnung der Weidenhäuser Brücke, mehr Abfluss über die Robert-Koch-Straße, weil die Weiterfahrt durch westliche Bahnhofstraße und Elisabethstraße weniger attraktiv wird: Von diesem Konzept verspreche sich die Stadt eine deutliche Entlastung der Nordstadt, berichtete Christian Großmann, der den Werbekreis in der Verkehrs-AG der Stadt vertritt.

Verkehrsversuch zunächst ohne große bauliche Veränderungen

Der Verkehrsversuch soll zunächst ohne größere bauliche Veränderungen gestartet werden. Markierungsarbeiten in der Bahnhofstraße und der Elisabethstraße sollen ausreichen. Längst nicht alle Werbekreis-Mitglieder unterstützen den Versuch: Teka-Chef Bernd Brinkmann etwa kann nicht verstehen, warum man nicht abwartet, wie sich der Verkehr nach der Wiedereröffnung der Weidenhäuser Brücke entwickelt.

Er wies auf mögliche Schwachstellen im Detail, etwa den Radstreifen aus Richtung Elisabethstraße, der die Ausfahrt vom Teka-Parkplatz kreuzen wird. „Die Entscheidung, den Versuch jetzt übers Knie zu brechen, ist falsch“, sagte Brinkmann. Er erhält Unterstützung von der stellvertretenden Vorsitzenden Michaela Richter, die kritisiert: „Die gleiche politische Mehrheit, die seit Jahrzehnten die Nordstadt von der Innenstadt abkoppeln will, setzt jetzt diesen Verkehrsversuch durch.“

Vorsitzender Christian Großmann sprach sich dagegen dafür aus, den Verkehrsversuch „kritisch zu begleiten“ und an „kleinen Stellschrauben zu drehen“ – wie geschehen an der Kreuzung Bahnhofstraße/Rosenstraße, an der der Fußgänger­überweg um gut einen halben Meter nach hinten, also in die Rosenstraße hinein, verlegt wurde. Effekt: Der erste Rechtsabbieger kann auch bei Fußgängergrün in die Rosenstraße einbiegen und versperrt nicht, wie bisher, die Bahnhofstraße für alle nachfolgenden Pkw.

Jan Röllmann, Vorsitzender des Vereins Stadtmarketing, verwies noch auf einen weiteren Aspekt: „Wir müssen in Marburg vorsichtig sein, dass wir nicht irgendwann ein Fahrverbot für die Innenstadt auferlegt bekommen.“ Aus diesem Grunde habe das Parlament auch den „Green City“-Plan verabschiedet, der unter anderem eine entschlossene Förderung des Fahrradverkehrs vorsehe. „Die autogerechte Stadt wird es nicht mehr geben“, prophezeite Röllmann.

Nach mehr als 30 Jahren Vorstandstätigkeit wurde Kassierer Karl van Elkan, der „Vater“ des Weihnachtsmarkts an der Elisabethkirche, verabschiedet. Elkan kandidierte aus Altersgründen nicht mehr für das Amt.

von Till Conrad

Wahlen:

Vorsitzender: Christian Großmann
Stellvertretende Vorsitzende: Michaela Richter
Kassierer: Matthias Schraub