Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Wer hat ein Herz für die Hundewelpen?
Marburg Wer hat ein Herz für die Hundewelpen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 10.03.2022
Rita, Frances und Titus sind mittlerweile drei Monate alt und sehr neugierig.
Rita, Frances und Titus sind mittlerweile drei Monate alt und sehr neugierig. Quelle: Nadine Weigel
Anzeige
Marburg

Fröhlich flitzen sie durchs Außengehege. Rita, Frances und Titus machen Freudensprünge durchs Gras. Den drei kleinen Hunden macht die Freiheit offensichtlich großen Spaß. Kein Wunder. Hinter ihnen liegt ein echtes Martyrium.

Die Geschwister-Welpen wurden im Januar im Cappeler Feld gefunden. Ausgesetzt in einem jämmerlichen Zustand. Abgemagert, krank und erst sechs Wochen alt. Woher sie stammten – nicht bekannt. Die Polizei versuchte zu ermitteln – bislang vergebens. Dafür wurde den Mitarbeitenden im Tierheim Cappel schnell klar, dass sie die drei Welpen ziemlich lange auf Trab halten würden.

„Wir mussten feststellen, dass sie einen starken Parasitenbefall hatten und dann wurden sie leider auch noch positiv auf Parvovirose getestet“, erklärt Tierheimleiterin Maresi Wagner. Der Befund der hoch ansteckenden Hundeseuche hieß für die drei kleinen Racker nichts Gutes: Sie mussten in Quarantäne. Acht lange Wochen verbrachten Rita, Frances und Titus auf der Quarantänestation des Cappeler Tierheimes.

Das bedeutete für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen extremen Aufwand im Umgang mit den Tieren. Denn, um ihnen Essen zu bringen, ihren Raum zu reinigen oder sie einfach zu streicheln, mussten die Mitarbeitenden jedes Mal in einen Ganzkörperschutzanzug steigen sowie Mundschutz und Handschuhe anziehen, um bloß den gefährlichen Erreger nicht auf andere Tiere zu übertragen. „Die Isolationszeit der Welpen war zum einen sehr aufwendig für uns, zum anderen aber auch sehr teuer“, sagt Maresi Wagner. Allein die Kosten für die Medikamente bezifferten sich laut Tierheimleitung auf einen hohen dreistelligen Bereich.

Verzicht und Langeweile

Für die Welpen bedeutete die Isolation vor allem Verzicht und Langeweile – acht Wochen eingesperrt im Quarantäneraum. Zum Glück hatten sie sich. Und auch die Mitarbeitenden versuchten den fehlenden Auslauf durch ganz viel Liebe und Zuneigung zu kompensieren. „Das einzig Gute an der Isolation war, dass die Welpen jetzt sehr gut sozialisiert sind“, freut sich Wagner. Dennoch ist die Tierheimchefin heilfroh, dass die drei Welpen nun endlich raus dürfen. Den ersten Tag an der frischen Luft im Außengehege genießen die Hunde sichtlich. Neugierig und stürmisch erkunden sie jeden Quadratzentimeter ihres Welpenspielplatzes.

Ihre erfolgreiche Genesung bedeutet aber auch, dass Rita, Frances und Titus nun ausziehen dürfen und deshalb nun vermittelt werden können. Das Tierheim sucht aus diesem Grund für jeden Hund das passende Zuhause. „Die drei sind vom Wesen her sehr unterschiedlich“, erklärt Wagner. Vor allem die Junghündin Rita sei sehr agil und selbstbewusst. Generell geht Wagner davon aus, dass die Geschwister zum Teil der Rasse des Altdeutschen Hütehundes zuzuordnen sind. „Es ist ganz wichtig, dass sie jetzt sehr viel lernen und auch Erziehung bekommen“, weiß Maresi Wagner. Sie hofft, dass sich vor allem Interessenten melden, die ein ernst gemeintes Interesse an der arbeitsamen Hütehundrasse haben und nicht nur vom Niedlichkeitsfaktor und der tragischen Vorgeschichte der Welpen angezogen werden.

Generell komme es eher selten vor, dass das Tierheim Marburg sich um ausgesetzte Welpen kümmern müsse. Anders als bei Katzenkindern sei dies nicht an der Tagesordnung. „Was wir schon ab und zu mal haben, sind beschlagnahmte Welpen aus dem osteuropäischen Welpenhandel“, erklärt Wagner. Vor allem während der Corona-Pandemie war das Interesse an Welpen groß. Da heimische Züchter der großen Nachfrage nicht gewachsen waren, wurde dem illegalen Welpenhandel Tür und Tor geöffnet. Die Folge: ein florierender Welpenschmuggel und eine steigende Gefahr von Tollwut (die OP berichtete). Denn vor allem aus Ländern, die noch immer ein Problem mit Tollwut haben, wurden Welpen importiert – ohne schützende Impfung. Doch dieses Problem besteht bei Rita, Titus und Frances glücklicherweise nicht. Die drei Racker sind geimpft, gesund und suchen nun nach einem liebevollen Zuhause.

Wer mehr über die drei Welpen erfahren möchte, findet Infos auf: www.tierheim-marburg.de

Von Nadine Weigel