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Marburg Das Opfer ist auch der Täter
Marburg Das Opfer ist auch der Täter
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11:55 23.04.2019
Die Polizei hatte am Donnerstagvormittag die Postfiliale in der Marburger Gutenbergstraße geräumt. Nun stellte sich heraus, dass das Opfer einer Paketbombenexplosion auch der Täter ist. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Im Büro einer Firma im nördlichen Bereich der Marburger Kernstadt war es am Gründonnerstag, 18. April gegen 8.25 Uhr, zu einer Explosion gekommen. Der 34 Jahre alte Geschäftsführer des Unternehmens, der dabei 
nicht lebensbedrohliche Verletzungen erlitt, gab zunächst an, dass es beim Öffnen eines Pakets zu der Explosion gekommen sei. Er wurde zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus eingeliefert.
In der Folge wurde die Postfiliale in der Gutenbergstraße gesperrt, weil die Firma dort ein Postfach unterhält. Die Polizei fand bei ihrem Einsatz dort, allerdings nichts Verdächtiges und die Sperrung des Gebäudes wurde kurze Zeit später wieder aufgehoben.

Im Zuge der weiteren Ermittlungen zog die Polizei nach eigenen Angaben die Darstellung des Opfers in Zweifel. Der 34-Jährige hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach Straftaten zu seinem Nachteil bei der Polizei angezeigt. Staatsanwaltschaft und Polizei nahmen Ermittlungen wegen des Verdachts des Vortäuschens einer Straftat gegen den 34-Jährigen auf.

Während der polizeilichen Vernehmung räumte der Beschuldigte schließlich ein, eine Paketbombenattrappe gebaut zu haben, um einen Anschlagsversuch gegen sich vorzutäuschen. Dabei sei die Kartusche mit Feuerzeugbenzin im Paket versehentlich detoniert.  
Zudem räumte der 34-jährige Geschäftsmann ein, weitere bei der Polizei angezeigte Taten - unter anderem Raub, gefährliche Körperverletzung, Diebstahl und Sachbeschädigung - vorgetäuscht zu haben.

Als Grund dafür gab er laut Nicolai Wolf, Pressesprecher der Marburger Staatsanwaltschaft, persönliche und familiäre Probleme an. Da gegen den Beschuldigten keine Haftgründe vorlagen, sei er nach Abschluss der Ermittlungen auf freien Fuß gesetzt worden.