Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Endlich: Abfindung für Ex-Schlecker-Beschäftigte
Marburg Endlich: Abfindung für Ex-Schlecker-Beschäftigte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:45 22.06.2022
Eine Mitarbeiterin der Drogeriemarktkette Schlecker entfernte 2012 das Firmenlogo von der Eingangstür einer Filiale.
Eine Mitarbeiterin der Drogeriemarktkette Schlecker entfernte 2012 das Firmenlogo von der Eingangstür einer Filiale. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Anzeige
Marburg

Die gute Nachricht vorweg: Nach zehn Jahren erhalten rund 22 600 ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker endlich Geld, die weniger gute: Es gibt weniger, als viele erhofft haben. Helga Bandow aus Gladenbach erhielt am vergangenen Freitag ein Schreiben vom Insolvenzverwalter.

„Ich war völlig überrascht, noch einmal etwas von dem Fall zu hören“, sagt die Gladenbacherin. Sie erhält 250 Euro – bei Weitem nicht das, was damals über die Sammelklage eingefordert wurde. Es ist ein „unerwartetes Taschengeld“. „Uns wurde damals keine Hoffnung gemacht, noch irgendetwas zu bekommen. Als die Schließung vor der Tür stand, „waren wir stinksauer“.

21,3 Millionen Euro Abschlagszahlungen

Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz bereite derzeit Abschlagszahlungen in Höhe von rund 21,3 Millionen Euro vor, teilte sein Sprecher mit. Ein Teil davon gehe auch an Krankenkassen, Sozialversicherungen und die Bundesagentur für Arbeit. Zuvor hatten mehrere Medien über die Ankündigung berichtet. Bei den ehemaligen Beschäftigten soll das Geld demnach im Juli auf dem Konto landen. Es gehe unter anderem um Ansprüche der ehemaligen Beschäftigten aus Löhnen, Weihnachts- und Urlaubsgeld. Die Höhe entspreche etwas mehr als 15 Prozent der Ansprüche.

„Ich war gerade 60 Jahre alt geworden, als es passierte“, sagte die heute 70-jährige Bandow. 25 Jahre war sie bei Schlecker beschäftigt, zuletzt als stellvertretende Filialleiterin in Gladenbach. Die Schließung war für sie ein harter Schlag. Bei den ehemaligen Beschäftigten soll das Geld im Juli auf dem Konto landen. Die restlichen Ansprüche der Ex-Mitarbeiter bleiben bestehen. Es stehe aber erst zum Ende des Insolvenzverfahrens fest, ob und in welcher Höhe diese beglichen werden, sagte ein Sprecher.

Insolvenz wurde im Januar 2012 angemeldet

Schlecker, einst die größte Drogeriemarktkette Europas mit Sitz im baden-württembergischen Ehingen, hatte im Januar 2012 Insolvenz angemeldet.

Im Landkreis Marburg-Biedenkopf waren sechs Filialen der Drogeriekette betroffen: Ende März 2012 waren die Läden in der Marburger Universitätsstraße, die am Kurpark in Bad Endbach, die in der Marktstraße in Gladenbach sowie die Märkte in Schweinsberg, Dreihausen und Wetter dicht. Eine Rettung schlug fehl. Tausende Mitarbeiter – vorwiegend Frauen – verloren ihren Arbeitsplatz.

Von Silke Pfeifer-Sternke und Hartmut Berge

18:00 Uhr
17:55 Uhr
18:34 Uhr