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Marburg Wehrda plant Anti-Nazi-Kampf
Marburg Wehrda plant Anti-Nazi-Kampf
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14:39 01.11.2019
Von Nazi-Gegnern aufgehängt, von Unbekannten wohl kürzlich abmontiert: das Protest-Plakat am Lärchenweg. Foto: Thorsten Richter Quelle: Thorsten Richter
Wehrda

„Es geht darum, im Stadtteil irgendetwas zu machen, die Schmierereien – ob nun von einem Einzeltäter oder einer Gruppe – nicht einfach hinzunehmen. Wir müssen ­Zusammenhalt demonstrieren; am besten geht das, wenn wir aus diesen negativen Vorfällen etwas Positives machen“, sagt eine „Wehrda-ist-bunt“-Vertreterin bei der Ortsbeiratssitzung.

Als Vorbild soll Wehrda dabei der Ort Wunsiedel im Fichtel­gebirge dienen, wo jährlich ­Nazis demonstrieren. Der Aufmarsch wurde von ­einem Anti-Rechts-Bündnis­ als Spendenlauf inszeniert: Für jeden Meter, den die Nazis im Ort marschierten, wurden zehn Euro an ein Aussteigerprogramm gespendet. „Für jedes neue Hakenkreuz, für jede neue Nazi-Parole Geld an geeignete Stellen zu spenden, ist eine unserer Ideen“, so das Wehrdaer Bündnis, das am 19. November um 19 Uhr im Bürgerhaus zu einem Aktions-Planungs-Treffen zusammenkommen und alle Stadtteil-Vereine aktivieren will.

"Klare Signale sind wichtig"

Der Stellenwert eines sichtbaren Widerstands werde dadurch untermauert, dass das Protest-Plakat nahe des Feuerwehrhauses ­mittlerweile von Unbekannten abmontiert wurde. „Das ist unschön und bedenklich. Aber es zeigt, wie wichtig klare Signale gegen rechts sind.“

Ortsvorsteher Dirk Vaupel (CDU) – von Beruf Polizist – sagte, dass der Täter zwar weiterhin nicht ermittelt wurde, es sich bei den Hakenkreuzen aber auch durchaus um „gezielte Diskreditierungs-Aktionen“ aus der linken Szene handeln könne. Etwas, das bundesweit immer wieder vorkomme.

Stammt der gesuchte Täter etwa aus der linken Szene?

Für Mohammed Malmanesh (SPD) ist unterdessen die AfD „Wegbereiter dafür, dass das, was in den Köpfen ist, auch hier vor Ort Fuß fasst“. Wehrda bekomme mit den andauernden Hakenkreuz-Attacken „ein Signal, eine Warnung. Und dagegen müssen wir wiederum deutliche Zeichen setzen.“ Denn wenn die AfD nach der Kommunalwahl 2021 auch im Stadtparlament sitze, werde­ sich das politische Klima in der Stadt ändern und „nicht nur anders diskutiert, sondern schlimmstenfalls auch anders gehandelt, als wir das wollen“. Unter den 20 Gremiums-Gästen regte sich gegen Malmaneshs AfD-Kritik aber Widerstand: „Es ist falsch, alle AfD-Wähler über einen Kamm zu scheren. Es gibt auch als Nicht-Nazi viele Gründe, die Partei zu wählen“, sagte eine Besucherin.

von Björn Wisker