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Marburg Die Abschiebe-Angst kehrt zurück
Marburg Die Abschiebe-Angst kehrt zurück
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00:17 31.03.2019
Ein Pilot einer Air-Algérie-Maschine verhinderte Mitte Januar wohl aus Sorge um die Gesundheit der hochschwangeren Fatima Abidi die Abschiebung der Marburger Familie. Quelle: Archivfoto
Marburg

Doch nun muss die Familie wieder um ihren Aufenthalt in Marburg bangen, denn nur während der Mutterschutzzeiten – also acht Wochen nach der Geburt – darf laut der geltenden rechtlichen Regelung nicht abgeschoben werden. Heißt: Ende Mai würde die vorübergehende Duldung erlöschen.

Unterstützer der Familie wie Anna Radke, bei der das Ehepaar und ihre zwei Töchter seit der am Veto eines Flugzeug-Piloten gescheiterten Abschiebung Mitte Januar leben, kämpfen weiter für ein dauerhaftes Bleiberecht – auch angesichts der aktuellen Unruhen, dem Machtkampf zwischen Regierung und Militär in Algerien.

Das Auswärtige Amt hat seine Reisehinweise für Touristen entsprechend aktualisiert, da „gewaltsame Auseinandersetzungen“ möglich seien – und spricht speziell für die Heimatregion der Familie nahe der tunesischen Grenze seit längerem eine Teilreisewarnung aus.

Grund: Immer wieder vorkommende „Terroranschläge und Entführungen“. Nach OP-Informationen will auch der Ausländerbeirat für die Familie, die seit 2011 in der Stadt wohnt, aktiv werden und Mitte April mit Experten über Bleibe- und Arbeitsrechtsperspektiven sprechen.

Die Kürzung der Sozialhilfe, die seitens der Behörden nach der geplatzten Abschiebung verhängt wurde, ist auf Anweisung des Oberbürgermeisters zwar mittlerweile­ ­zurückgenommen worden – allerdings mit Abzügen von 
300 Euro.

Laut Behörde könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Reiseunfähigkeit von Fatima Abidi nur „vorgetäuscht“ war. Als „empörende Unterstellung“ bezeichnet das Radke mit Verweis auf die fachärztlichen Atteste.

von Björn Wisker