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Marburg Andreas Schulz will Nahles-Ablösung
Marburg Andreas Schulz will Nahles-Ablösung
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00:18 31.05.2019
Ein Wähler kreuzt einen Wahlzettel für die Briefwahl zum europäischen Parlament an.  Quelle: Sebastian Gollnow
Marburg

Davon mag Andrea Nahles vielleicht schon mal albgeträumt haben: Schulz fordert ihren Rückzug vom SPD-Vorsitz. Nun, es ist nicht „der Schulz aus Würselen, sondern „nur“ der Bürgermeister aus der Gemeinde Ebsdorfergrund, aber dafür um so entschlossener: Andreas Schulz fordert den hiesigen SPD-Bundestagsabgeordneten Sören Bartol auf, der SPD-Fraktions- und Parteivorsitzenden Andrea Nahles umgehend das Vertrauen zu entziehen.

Bartol sei als stellvertretender Fraktionsvorsitzender kein Hinterbänkler und müsse endlich zusammen mit anderen die Reißleine ziehen. „Bei solchen Wahlergebnissen könne auch er nicht mehr darauf vertrauen, bei der nächsten Wahl in den Deutschen Bundestag gewählt zu werden“, machte Schulz gestern deutlich.

Und weiter führt er aus: Andrea Nahles stehe für das schlechteste bundesweite SPD-Ergebnis in der Nachkriegsgeschichte. Nicht nur, dass sie die SPD bundesweit in die Bedeutungslosigkeit geführt hat, sie ist auch dabei, den kommunalpolitischen Boden zu zerschlagen, der das Fundament der Partei ist.

Ich spreche für viele Ehrenamtliche, die nicht länger den Kopf für die schlechte Parteiführung in Berlin hinhalten wollen. Wir werden in den Städten und Gemeinden mit abgestraft, obwohl wir hier eine gute Arbeit machen.“ Letzteres will eine SPD-Frau auf keinen Fall erleben: Kirsten Fründt. Sie bewirbt sich bekanntlich um eine Wiederwahl am 8. September. „Ich bin die Kandidatin der SPD, das ist richtig.

Aber als Landrätin hatte ich in den vergangenen sechs Jahren immer den Anspruch, Landrätin für alle Menschen im Landkreis zu sein“, sagt sie ­gegenüber dieser Zeitung.

Kirsten Fründt hat keine Angst

Und weiter: „Ich baue in meiner Bewerbung auf das, was ich hier umsetzen konnte. Vieles davon auch im direkten Dialog mit Bürgern, die eingeladen wurden, selbst mitzugestalten. Diesen Weg werde ich weitergehen, weil die Bürgerbeteiligung auch Kompetenzen mit sich bringt, die uns alle weiterbringen.“

Als SPD-Parteimitglied ist sie allerdings schon enttäuscht, dass die SPD offensichtlich nicht geschafft habe, wichtige Themen wie den Klimaschutz nach vorne zu bringen, wobei sie auch glaubt, dass die Vorschläge aus dem Umweltministerium zu oft und zu vehement vom Koalitionspartner CDU in Berlin blockiert wurden.

Was Sören Bartol von Schulz‘ Vorstoß hält, bleibt zunächst unklar. Gestern hatte er offenbar sehr viel zu tun. Er war nicht zu erreichen. Laut SPD-Geschäftsstelle ging dort kein Schreiben von Schulz an Bartol ein.

Wieder einmal erlebte die SPD im Landkreis Marburg-Biedenkopf ein Debakel. Gerade so schaffte sie es auf 20 Prozent. Dabei reichte es sogar in der „roten“ Gemeinde Ebsdorfergrund für nur 25 Prozent. Nach Wohratal mit 26 Prozent der Spitzenwert im Landkreis. Und ausgerechnet von dort kommt jetzt die beschriebene Forderung nach einer­ ­Erneuerung an der Spitze der Partei.

PS: Es lohnt sich auch mal ein genauerer Blick in die Reihen der „Sonstigen“. Da gab es gegenüber 2014 auch ein paar interessante Verschiebungen. Und das ist aufgrund der fehlenden Fünf-Prozent-Hürde durchaus auch wert, gesagt zu werden.

2 998 Menschen im Kreis entschieden sich, „Die Partei“ zu wählen, die Satirepartei rund um Martin Sonneborn, der angekündigt hatte, es dieses Mal durchaus ernster angehen zu wollen. Im Ganzen machen das immerhin 2,9 Prozent. Die Tierschutzpartei (1484), Die freien Wähler (1365) kamen deutlich über 1000 Kreuze und die ÖDP legte auch zu, blieb aber mit 956 Stimmen noch dreistellig.

Und die letzte Partei auf dem Wahlzettel – Volt – erhielt 809 Stimmen. Volt versteht sich als „die erste paneuropäische Partei, die grenzübergreifende Politik für ein föderales Europa machen will. Sie ist auch in Brüssel dabei. Die Freien Wähler und „Die Partei“ mit je zwei Sitzen, die ÖDP und Volt mit jeweils einem Sitz.

Dann noch ein Wort zur Wahlbeteiligung: Unter den fünf „Flops“ in Hessen sind gleich drei Kommunen aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf und zwei von ihnen bilden auch tatsächlich die Schlusslichter: Stadtallendorf (43,4) und Bad Endbach (43,9). Neustadt bringt es noch auf 45,7 Prozent und kann noch Gemünden mit 44,8 Prozent hinter sich lassen.

von Götz Schaub