Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Führerschein für Hundehalter gefordert
Marburg Führerschein für Hundehalter gefordert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:00 08.08.2019
Mehr Wissen für Hundehalter könnte Beißvorfälle verhindern, sagt Peta und fordert den Hundeführerschein. Quelle: Markus Hibbeler
Marburg

Wolfgang Penzler, Tierschützer aus Marburg, ist sich sicher: „Es ist wissenschaftlich belegt, dass kein Hund aufgrund seiner Rasse gesteigerte­ Aggression beziehungsweise Gefährlichkeit besitzt.“ Nach der Beißattacke von zwei Bulldoggen, bei der ein Australian Shepard und dessen Besitzer verletzt wurden (OP berichtete) fordern er und die Tierschutzorganisation Peta den Hundeführerschein für Hessen.

„Dieser Vorfall zeigt, dass ­viele Halter ihre Vierbeiner nicht richtig einschätzen können. Somit ist die wahre Ursache für Beißattacken bei ihnen zu suchen – nicht beim Tier. Dass die Bulldoggen ungehindert ihren Artgenossen und dessen Halter angreifen und schwer verletzen konnten, war fahrlässig und verantwortungslos“, sagt Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei Peta.

„Jeder Hund, der falsch gehalten oder behandelt wird, kann zu einer Gefahr für Mensch und Tier werden – unabhängig davon, ob er einer ‚Rasse‘ angehört oder ein Mix ist.“ Das sieht auch Wolfgang Penzler so. „Aggression gegenüber Artgenossen oder Menschen resultiert aus der Erziehung, der Haltung und der Aufzucht des Hundes“, so der Marburger Tierschützer. „Es ist an der Zeit, die wirkliche ­Ursache für gefährliche Hunde­ zu bekämpfen: verantwortungslose Hundehalter.“

Vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren

Für Peta ist der Hundeführerschein unerlässlich. Denn er sieht vor, dass künftige Halter bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, in dem sie das notwendige­ Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben.

Anschließend würde für Halter und Hund ein gemeinsames ­obligatorisches Praxisseminar in einer Hundeschule folgen. „Ein solcher Nachweis kann ­sicherstellen, dass Hundehalter sachkundig mit dem Tier umgehen und die Signale des Vierbeiners richtig deuten. Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter ist unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern“, so Jana Hoger.

In Niedersachsen gäbe es seit Einführung des Hundeführerscheins 2013 nachweislich weniger Beißvorfälle. In München und Mannheim werden Hundehalter sogar befristet von der Hundesteuer befreit, wenn sie einen Sachkundenachweis abgelegt haben.

von Katja Peters