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Marburg Nach 25 Millionen Portionen Mensa-Essen ist Schluss
Marburg Nach 25 Millionen Portionen Mensa-Essen ist Schluss
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10:00 03.11.2021
Edwin Henkel geht in den Ruhestand.
Edwin Henkel geht in den Ruhestand. Quelle: Foto: Manfred HItzeroth
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Marburg

Eine Ära geht zu Ende: Edwin Henkel, Küchenchef und „Mann der ersten Stunde“ der Mensa auf den Lahnbergen, geht wenige Wochen vor seinem 64. Geburtstag in den Ruhestand. Mehr als 40 Jahre hatte der gebürtige Hinterländer als „Gesicht der Mensa“ die Einrichtung des Studentenwerks nachdrücklich geprägt, davon die meiste Zeit als Küchenchef. Aus diesem Anlass steht der Mensa-Speiseplan in dieser Woche auch ganz unter dem Motto „Best of Henkel“.

Täglich gibt es daher in dieser Woche ein „Henkel Spezial“. Ob „Hinterländer Wildbraten“ mit Kartoffelklößen, Schweinegeschnetzeltes mit Apfelwein oder Zanderfilet „Frankfurter Art“ – der gebürtige Hinterländer kocht gern hessisch. Mit seinem „Woihinkelche in Rieslingsauce“ – einer Art hessischem Weinhähnchen – startete die „Henkel-Woche“ am Montag. Studentenwerksgeschäftsführer Dr. Uwe Grebe und Martin Baumgarten, Chef der Hochschulgastronomie des Studentenwerks, kamen auf die Lahnberge, um dem begeisterten Fußball-Fan Henkel persönlich zu seinem „Abpfiff“ zu gratulieren.

Erste Schritte 

Weil er mit 14 Jahren seine Kochlehre begonnen hat, blickt Edwin Henkel auf eine fast 50-jährige berufliche Laufbahn zurück. Und die begann für den Metzgersohn aus dem Biedenköpfer Ortsteil Weifenbach unterhalb, weil seine Koch-Leidenschaft schon in der zur Metzgerei gehörigen Gaststätte „Zum Oswald“ geweckt wurde, wo er sich einiges bei einem Koch abschaute. Außerdem musste er schon als Kind in der Metzgerei und in der Landwirtschaft mithelfen.

Nach der Lehre ging es für Edwin Henkel mit 17 Jahren in die große weite „Küchen-Welt“. Und die bedeutete in diesem Fall sechs Jahre als Koch im Sheraton-Hotel in München. Gleichzeitig legte Henkel ab Ende der 70er-Jahre in München auch den Grundstein für seine Fanleidenschaft, die dem FC Bayern München galt und gilt. Maßgeblich dazu beigetragen hat übrigens eine persönliche Bekanntschaft: Denn Rainer Künkel, der damals für die Bayern stürmte, stammt aus Henkels Heimatort. Und so schaffte es der Jungkoch sogar einmal, mit Künkel zusammen in die Kabine der Bayern zu gelangen, wo er sogar kurzzeitig auf dem Platz von Karlheinz Rummenigge sitzen durfte.

Edwin Henkels Leidenschaft für das runde Leder spiegelte sich in den vergangenen Jahren oft im Speiseplan der Mensa Lahnberge wider. Vor allem seine WM- und EM-Specials sind vielen Stammgästen noch in bester Erinnerung. So servierte Henkel anlässlich der WM-Partie 2006 Niederlande gegen die Elfenbeinküste das Menü „Matjesfilet ‚van Nistelrooy’ mit Dillkartoffeln und grünen Bohnen“ oder auch – zur Fanmeile der WM 2010 in Südafrika – „Gebackener Hähnchenspieß ,Donovan’ mit Bauchspeck und Meerrettich“ und „Gebackener Petersfisch ,Ronaldo’ mit Mandelreis und Salat“.

Übrigens ging es für Henkel im Anschluss an seiner Münchener Zeit nach Zwischenstationen bei den „Sheraton“-Hotels in Brüssel und am Frankfurter Flughafen dann doch wieder zurück in die Heimat. Als für die Mensa in Marburg ein Koch gesucht wurde, entschied sich Henkel für die vergleichsweise sicherere und bodenständige Karriere beim Studentenwerk und gegen ein Berufsleben in der internationalen Gastronomie.

Bereut hat er es nie. „Ich bin immer gerne zur Arbeit gefahren“, sagt er im Gespräch mit der OP. Gefreut hat er sich auch über die vielen positiven Rückmeldungen von Mensa-Gästen, die ihn manchmal sogar im Ski-Urlaub in Österreich erreicht hatben. Und auch viele Mediziner, die im nahe gelegenen Uni-Klinikum arbeiten, zählen zu den Stammgästen in der Mensa auf den Lahnbergen.

Rund 25 Millionen Essen gingen über die Theke

Immerhin rund 25 Millionen Essen gingen unter seiner Ägide über die Theke, hat er einmal ausgerechnet. Kochen war nicht nur sein Beruf, sondern es ist bis heute sein Hobby geblieben. Gerne kocht er an den Wochenenden zuhause Rustikales und Hausmannskost wie Gans mit Rotkohl und Klößen oder Kalbshaxe. Aber ein bisschen hat er auch aufgeschaut zu den Spitzenköchen der Welt wie Paul Bocuse oder Eckart Witzigmann, mit denen er jeweils schon einmal für ein Foto posiert hat.

Kurz vor dem Ablauf seines Berufslebens posierte Henkel für ein Abschiedsfoto für die OP noch einmal auf einem ganz besonderen Stein, der „nur einen Steinwurf“ entfernt vom Haupteingang der Mensa am Rande des Parkplatzes aufgestellt ist. Der als Begrenzung aufgestellte Steinbrocken, der fast wie ein kleiner Hinkelstein aussieht, wurde vor einigen Jahren von einem Hausmeister mit dem Schriftzug „Henkel-Gedächtnisstein“ versehen und heißt jetzt „Henkelstein“.

Künftig wird man den nie um einen lockeren Spruch verlegenen Koch aber etwas weniger rund um den Henkelstein sehen. Stattdessen hat er jetzt mehr Zeit für seine Fahrrad-Freunde und für sein Hobby-Kegeln.

Von Manfred Hitzeroth