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Marburg Nach 16 Jahren hört der Kanzler auf
Marburg Nach 16 Jahren hört der Kanzler auf
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14:58 24.04.2021
Dr. Friedhelm Nonne blickt auf seine Zeit als Uni-Kanzler zurück.
Dr. Friedhelm Nonne blickt auf seine Zeit als Uni-Kanzler zurück. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Als der Ministeriumsbeamte Dr. Friedhelm Nonne im Jahr 2005 zum Uni-Kanzler in Marburg gewählt wurde, titelte die OP damals „Nonne wird Kanzler“. 16 Jahre und zwei achtjährige Amtsperioden später räumt der Kanzler zum Ende seinen Stuhl im Büro im Uni-Verwaltungsgebäude in der Biegenstraße und übergibt die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Dr. Thoralf Held.

„Ich habe in den vergangenen 16 Jahren sehr viel gelernt. Man lernt immer etwas Neues“, zieht Nonne ein Fazit seiner Zeit an der Spitze der Marburger Universitätsverwaltung. Seinen Wechsel aus dem Wissenschaftsministerium in Wiesbaden an die Philipps-Universität habe er auf jeden Fall niemals bereut, sagte der mittlerweile 64-Jährige im Gespräch mit der OP. Sein Job sei stets dynamisch und vielfältig gewesen, betont Nonne.  Im Vergleich zur Ministeriums-Arbeit habe er an der Spitze der Uni-Verwaltung sehr viel mehr mit Menschen zu tun gehabt, vom Studierenden über den Verwaltungsangestellten bis hin zum Hausmeister.

Aus für Uni-Sommerfest schlug hohe Wellen

Als Kanzler war Nonne Chef der Hochschulverwaltung und andererseits auch als Mitglied des Präsidiums an vielen Entscheidungen mit beteiligt. Dabei gab es durchaus auch turbulente Phasen in der Zeit seit 2005 zu überstehen. So suchte einmal die damalige Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann bei einer offiziellen Uni-Veranstaltung in der Alten Aula das Weite, weil sie sich wegen Protesten gegen die Hochschulpolitik im aufmüpfigen Marburg nicht mehr sicher fühlte.

Und auch die vom Kanzler verkündete Entscheidung zum Aus für das traditionsreiche Uni-Sommerfest rund um das Uni-Hörsaalgebäude schlug hohe Wellen. „So wie das Fest zuvor funktioniert hatte, ging es leider nicht mehr“, bedauert Nonne. Weil beim Uni-Sommerfest auch der Charakter eines Festes für die ganze Universität verloren gegangen sei, habe man eine Alternative gesucht. Für den neuen Anlauf eines Sommerfestes am Landgrafenschloss habe man aber danach eine Reihe von positiven Rückmeldungen erhalten.

„Aber wir haben auch bei Kontroversen meistens Kompromisse gefunden, die akzeptiert wurden“, meint Nonne. Nicht immer ganz leicht war für den Kanzler mitunter der Umgang mit studentischen Protesten. Besonders in Erinnerung geblieben ist Nonne, dass es einmal im Zusammenhang mit Demonstrationen gegen Studiengebühren auch für mehrere Tage das Verwaltungsgebäude und der Präsidiumstrakt durch studentische Besetzer okkupiert waren. „Aber wir haben uns dann in Verhandlungen auf einen friedlichen Abzug der Besetzer geeinigt“, erinnert sich Nonne. Es sei insgesamt in seiner Amtszeit für ihn auch nur zwei Mal notwendig gewesen, die Polizei zu Hilfe zu holen. Dieses sei dann bei den Besetzungen der leer stehenden Uni-Augenklinik und zuvor der ebenfalls zwischenzeitlich nicht mehr von der Universität genutzten Uni-Frauenklinik geschehen. Zumindest sei es im Nachgang gelungen, die Anzeigen wieder zurückzunehmen und auf ein juristisches Nachspiel zu verzichten, freut sich der Kanzler.

Befragt nach Erfolgen in seiner Zeit als Kanzler verweist Nonne darauf, dass das Team im Kollegialorgan Uni-Präsidium stets gut zusammengearbeitet habe. Stolz sei er aber darauf, dazu beigetragen zu haben, dass die Marburger Universität trotz der nach wie vor schwierigen Finanzierungssituation und dem Nachholbedarf in den Sanierung der Bauten weiterhin eine leistungsstarke und attraktive Hochschule bleibe. Einen Strukturwandel in der Frauenförderung und die Schaffung der Rahmenbedingungen für eine familienfreundlichere Universität: auch diese Erfolge schreibt sich Nonne mit auf seine Fahnen.

Zum Ausgang seiner 16-jährigen Amtszeit kam mit der Corona-Pandemie noch einmal eine zusätzliche große Aufgabe auf ihn zu: das Krisenmanagement im Umgang mit den Anforderungen einer alle Lebensbereiche betreffenden Krankheit. „Das war für uns alle an der Universität eine große Herausforderung. Ich denke aber, dass wir die sehr gut gemeistert haben“, sagt der Kanzler. Bisher gebe es keinen Hinweis darauf, dass es an der Universität einen Infektionsherd gegeben habe. Um das zu verhindern, seien gute Sicherheitskonzepte erstellt worden. „Und zudem haben wir versucht, unter diesen Umständen noch Präsenzlehre zu ermöglichen, soweit es ging“, meint er.

Mit 64 Jahren ist für ihn jetzt Ende April endgültig Schluss im Kanzleramt, auch wenn er sich altersmäßig sogar noch einmal für eine weitere Amtszeit hätte bewerben können. „Aber es ist schon eine sehr beanspruchende Tätigkeit“, sagt er. „Die Anforderungen sind immer komplexer geworden“. Immer mehr Sicherheitsauflagen in vielen Bereichen und ein immer höheres Maß an persönlicher Verantwortung habe in den vergangenen Jahren auch ihn immer mehr belastet. Und deswegen habe er sich selbst für den beruflichen Abschied entschieden. „Ich kann jetzt machen, was ich will“, freut er sich. Das bedeute, einerseits mehr Zeit für die Familie zu haben und andererseits könne er sich verstärkt auch seinen Interessen rund um geschichtliche Themen widmen.

Von Manfred Hitzeroth