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Marburg Marburger Musikschule stößt an ihre Grenzen
Marburg Marburger Musikschule stößt an ihre Grenzen
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18:00 16.03.2022
Eugen Anderer, Leiter der Marburger Musikschule, und Dr. Katrin Hensel, Vorsitzende des Musikschulvereins, klagen über Platzmangel.
Eugen Anderer, Leiter der Marburger Musikschule, und Dr. Katrin Hensel, Vorsitzende des Musikschulvereins, klagen über Platzmangel. Quelle: Uwe Badouin
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Marburg

Es ist eng in der Marburger Musikschule. Zu eng. Der Raum in dem Gebäude am Schwanhof 68 reicht angesichts der stetig steigenden Schülerzahlen nicht mehr aus. Die Schule stößt an ihre Grenzen. Und es gibt Sanierungsbedarf.

Eugen Anderer, seit 1. Januar 2020 Leiter der Marburger Musikschule, und Dr. Katrin Hensel, Vorsitzende des Musikschulvereins, sind sich einig: Es muss etwas passieren. Nur was? Ein Anbau? Eine Aufstockung des Gebäudes? Alles denkbar aus ihrer Sicht, die beiden wissen aber auch: Es ist baulich und räumlich schwer umzusetzen. Eines betonen aber beide: Umziehen möchten sie nicht. „Der Standort nahe der Schulen in der Leopold-Lucas-Straße ist für uns eine Premiumlage. Wir fürchten um unseren Standort und damit um die Existenz der Musikschule“, sagen sie.

Ein Blick in die Geschichte der Musikschule: Die Marburger Musikschule wurde 1977 gegründet. Ihre Unterrichtsräume und die Verwaltung waren damals in der ganzen Stadt verteilt. Organisatorisch war dies eine extrem schwierige Situation. Die Stadt hatte dies Anfang der 1990er-Jahre erkannt. Es wurde der Beschluss gefasst, das ehemalige Offizierscasino in der Straße am Schwanhof zu sanieren.

Man schlug mit dem Projekt zwei Fliegen mit einer Klappe: Das kurz zuvor aus dem Marburger Schauspiel hervorgegangene Hessische Landestheater und die Musikschule teilten sich den Komplex. Perfekt. Das Theater hatte eine Heimat und die Musikschule ebenso.

Heute werden rund 2.000 Schüler unterrichtet

Inzwischen hat sich die Situation grundlegend verschärft, denn beide Institutionen sind in den vergangenen Jahren erheblich gewachsen. Beide haben größeren Raumbedarf. Hatte die Musikschule vor dem Umzug 1996 rund 700 Schülerinnen und Schüler, so stieg die Zahl nach dem Umzug schnell auf 1.200.

Heute hat die Schule rund 2.000 Schülerinnen und Schüler – nicht zuletzt aufgrund der vielen Kooperationen mit heimischen Kindergärten und Schulen. Musiklehrer der Marburger Musikschule unterrichten unter anderem an der Martin-Luther-Schule, dem Gymnasium Philippinum, der Elisabethschule, der Steinmühle, der Emil-von-Behring-Schule, sie sind involviert in Inklusionsprojekte und Sprachprojekte etwa an der Mosaikschule oder im Kindergarten Richtsberg, wo Sprachförderung mit Musik angeboten wird. Diese Kooperationen sind auch für die Schulen von enormer Bedeutung, weil sie vielerorts professionellen Musikunterricht erst ermöglichen.

63 Musiklehrer arbeiten an der Musikschule

63 Musiklehrerinnen und -lehrer beschäftigt die Musikschule – die meisten davon haben keine vollen Stellen. Werden irgendwo Musikerinnen und Musiker gesucht, etwa vom Landestheater für Musicals, dann ist die Musikschule erster Ansprechpartner. Dort wird von Profis (fast) jedes Instrument unterrichtet: „Bis auf Harfe“, schmunzelt Anderer.

Um die Probleme weiß auch Marburgs Oberbürgermeister und Kulturdezernent Dr. Thomas Spies (SPD): „Die Räume am Schwanhof werden aktuell weder dem Hessischen Landestheater noch der Musikschule auch nur annähernd gerecht. Beides sind weit über Marburg hinaus hoch anerkannte Kulturträger, die gute Arbeitsbedingungen und Verlässlichkeit verdienen“, teilte er mit. „Es ist unser Ziel, in den nächsten vier Jahren sowohl eine Festlegung auf einen Standort für einen Theaterneubau als auch für eine Verbesserung für die Musikschule gefunden zu haben.“ Um die Situation kurzfristig zu verbessern, beginne im Sommer die Planung eines zusätzlichen Lagerraums für das Theater. Die Umsetzung solle 2023 erfolgen. Spies ergänzte: „Sowohl das Hessische Landestheater als auch die Musikschule sind für den Kulturstandort Marburg absolut unverzichtbar.“

Von Uwe Badouin