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Marburg Musical „Hair“ wird um ein Jahr verschoben
Marburg Musical „Hair“ wird um ein Jahr verschoben
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12:00 19.05.2020
Simon Olubowale vom Ensemble des Hessischen Landestheaters hätte einen Hippie in „Hair“ gespielt.  Quelle: Jan Bosch
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Marburg

Die Virus-Pandemie hat die Pläne des Hessischen Landestheaters Marburg zerschossen. Seit Mitte März ist der Spielbetrieb wie an allen deutschen Theatern eingestellt. Das politische Musikstück „Ab jetzt zusammen!“ über den großen Bergarbeiterstreik und die Anfänge der Schwulen- und Lesbenbewegung in England war die letzte große Premiere. Seither sind alle Planungen über den Haufen geworfen. Die Premieren „Die Welt im Rücken“ nach dem Roman von Thomas Melle, die Komödie „Pollesch wäre das nicht passiert“ von Anah Filou, das zeitgenössische Stück – alle gestrichen. Weggebrochen sind auch alle Gastspiele und nicht zuletzt die Klassenzimmerstücke.

Wer nun gehofft hatte, Open-Air-Theater wäre möglich, nachdem das Land Hessen vor gut einer Woche Veranstaltungen bis 100 Personen freigegeben hatte, der wird enttäuscht: Das Hessische Landestheater Marburg hat auch das Kultmusical „Hair“ vorerst gestrichen. Man sieht: Das Hochfahren der Kulturveranstaltungen ist in Corona-Zeiten gar nicht einfach. Die Entscheidung, auch „Hair“ zu streichen, ist nur folgerichtig. „Bühnenbild und Kostüme waren fertig, aber wir konnten gar nicht proben“, erklären Eva Lange und Carola Unser. Zudem: „Hair“, ein Musical über die frühe Hippiebewegung in den USA, ist nun mal kein Stück für Distanz, sondern ein Stück für große Nähe, Umarmungen, Küsse, Tanz und Musik. Flower Power verträgt sich nicht mit den Corona-Distanzregeln, die auch für die Darstellerinnen und Darsteller gelten. „Eine „Hair“-Corona-Abstandsvariante ist unmöglich“, sagt Carola Unser. Für Zuschauer, die bereits Karten gekauft haben, gibt es auf Wunsch das Geld zurück. Aber man könne die Karten auch auf das nächste Jahr übertragen lassen. Letzteres wäre sicher eine willkommene Unterstützung für das Theater.

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Das Hessische Landestheater hat in den Anfängen der Corona-Zwangspause noch versucht, mit einem Corona-Online-Spielplan Öffentlichkeit herzustellen. Dann kam die Kurzarbeit. Die Intendantinnen, die Verwaltung und die Dramaturgie, die an kommenden Spielplänen arbeitet, sind geblieben. Den Theaterbetrieb kann man also nicht so schnell wieder hochfahren. Eva Lange und Carola Unser versuchen es dennoch.

„Es ist aber nicht so einfach“, sagt Eva Lange. „Die Probleme und Hürden sind sehr vielschichtig.“ Sie meint unter anderem die Abstandsregelungen für Zuschauer, Darsteller und Technik. „Wir wollen dem Publikum aber im Juni etwas anbieten“, sagen die beiden. Und sie denken dabei an die Schlossparkbühne, wo Abstandsregeln am ehesten einzuhalten wären.

Im Hauptsitz im Theater am Schwanhof sieht es dagegen eher düster aus. Die Räume sind viel zu klein und zu eng, um sich aus dem Weg zu gehen. Dies gilt für Zuschauer und die Schauspielerinnen und Schauspieler gleichermaßen. Maske, Frisuren, Makeup, Garderoben. Es gibt Fragezeichen über Fragezeichen. Aber auch für das Theater am Schwanhof gibt es erste, noch nicht spruchreife Überlegungen für Mini-Produktionen vor ganz kleinem Publikum „Wir prüfen, was gehen könnte“, sagen die Theaterchefinnen. Die Folgen: weniger Einnahmen, dafür mehr spielen.

Am ehesten einzuhalten wären die Abstandsregeln noch im Erwin-Piscator-Haus (EPH). Doch dort ist das Theater ein Gast von vielen. „da haben es die Staatstheater mit ihren großen Häusern leichter“, sagen Lange und Unser. Die beiden Theatermacherinnen glauben, „dass uns das Thema Corona noch lange beschäftigen wird – wir müssen mit der Situation umgehen und wollen unseren kulturellen Auftrag mehr denn je erfüllen.“

Eva Lange und Carola Unser haben Pech, denn Corona platzte mitten in ihre zweite Spielzeit. Die Berlin-Reise mit dem preisgekrönten Stück „Diese Mauer fasst sich selbst zusammen und der Stern hat gesprochen, der Stern hat auch etwas gesagt“ fällt ebenso aus wie die Einladung zu den Mülheimer Theatertagen. Beide waren und wären für das Renommee und die überregionale Wahrnehmung des kleinen Theaters ungemein wichtig. Und doch ist ihr Ausblick optimistisch: „Wir sind guter Hoffnung, dass wir immer mehr Normalität kriegen.“

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