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Marburg Müllgefäße am Richtsberg quellen über
Marburg Müllgefäße am Richtsberg quellen über
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20:00 23.08.2019
So wie hier in der Berliner Straße quellen die Müllgefäße an vielen Stellen des Richtsbergs über. Stadt und Wohnungsbaugesellschaften wollen nun nach OP-Informationen den tatsächlichen Bedarf feststellen.  Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Bereits im Frühjahr hatten sich Anwohner über die unhygienischen Zustände am Richtsberg beklagt – mit dem Ergebnis, dass der Müll abgeholt wurde. Das Problem ist damit aber nicht gelöst. Wöchentlich zeigt sich das gleiche Bild, beschwert sich eine Anwohnerin.

Nach OP-Informationen wollen sich DBM und die Wohnungsbaugesellschaften nun in internen Besprechungen ein Bild davon machen, wie hoch der tatsächliche Bedarf an Müllgefäßen ist. Denn dass die bisherigen nicht ausreichen, liegt auf der Hand. Wann es zu Entscheidungen und einer dauerhaften Verbesserung des jetzigen Zustands kommt, ist noch nicht abzusehen.

Unklar ist auch, ob dies Auswirkungen auf die Höhe der Müllgebühren für die Anwohner am Richtsberg hätte. Die Stadt Marburg erklärt auf ihrer Homepage, dass sie pro Person 8,19 Euro im Monat bei einer zweiwöchigen Leerung berechnet. Je nach Bewohnerzahl sind die Abfallgefäße von 120 Litern (für ein bis vier Personen) bis 1,1 Kubikmeter (ab 42 Personen) vorgesehen.

Schnelle Abhilfe könnte dann geschaffen werden, wenn der Müll, der nicht mehr in die Müllgefäße passt, als „wilder Müll“ angesehen und als solcher entsorgt wird. Es gibt Haushaltsmittel für die Entsorgung von Wildmüll, die aber nicht als eigener Posten im Haushalt ausgewiesen sind. Sie sind in dem Sachkonto „Dienstleistungen DBM“ enthalten.

„Die Haushaltsmittel, die je Haushaltsjahr erforderlich sind, variieren und lassen sich im Voraus nicht planen“, sagt die städtische Pressestelle. Kalkuliert wurde für 2019 auf Grund der Erfahrungen aus den vergangenen Jahren mit 25.000 Euro. „Allerdings könnten die tatsächlichen Ausgaben für dieses Jahr erheblich höher werden“, sagt die Pressestelle mit Verweis darauf, dass die vorgesehenen Mittel für dieses Jahr schon weitgehend aufgebraucht sind.

Unterdessen bittet der Ortsbeirat Richtsberg nach einer Ortsteil-Begehung gemeinsam mit dem DBM den Magistrat, rund um den Christa-Czempiel-Platz, dem „Mittelpunkt“ des Ortsteils, Aschenbecher an den Mülleimern zu installieren, neue Abfalleimer aufzustellen und größere Abfalleimer zu versetzen. Außerdem soll der unterirdische Abfallbehälter abgebaut werden und durch einen herkömmlichen Abfallcontainer ersetzt werden. Die unterirdische Variante habe sich nicht bewährt, sagt der Ortsbeirat.

Der im Mai gewählte Mieterbeirat für die etwa 400 Wohnungen, die die Wohnungsbaugesellschaft GWH am Richtsberg unterhält, hat sich derweil in dieser Woche mit einem Brief an Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU) gewandt. Schäfer ist zweiter stellvertretender Vorsitzender der Hessischen Landesbank, dem Eigentümer der GWH.

Der Beirat klagt über heftige Mietsteigerungen und eine Vernachlässigung des Wohnungsbestands. Er hat in Marburg eine lange Liste mit Mängeln und einen Forderungskatalog zusammengestellt.

Eigentlich wollte der Mieterbeirat diese Forderungen mit der Geschäftsführung des GWH besprechen. Auf eine Einladung des Gremiums reagierte die Geschäftsführung aber nicht – „wir haben noch nicht einmal eine Eingangsbestätigung erhalten“, sagt Beiratsmitglied Bettina Böttcher, die auch Mitglied im Ortsbeirat und im Stadtparlament ist. Der Beirat fordert nun von Schäfer, sich dafür einzusetzen, „dass die Mieterinnen und Mieter der GWH das Recht auf angemessenen und bezahlbaren Wohnraum erhalten und somit eine dauerhafte Sicherung sozialverträglicher Mieten umgesetzt wird.“

Die GWH hatte nach heftigen Mieterprotesten im Frühjahr eine Modernisierung der Heizungsanlagen am Richtsberg und zugleich den Bau von bereits zugesagten 120 Sozialwohnungen abgesagt.

von Till Conrad