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Marburg Motorräder aus Marburg für Queen-Eskorte
Marburg Motorräder aus Marburg für Queen-Eskorte
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11:00 15.01.2022
Die königliche Kolonne mit den beiden Polizei-Motorrädern samt den Fahrern Andreas Schwartz und Phillip Kaletsch aus Marburg ist bei den Dreharbeiten zum Film „Spencer“ vor dem Eingang des Schlosses in Nordkirchen angekommen.
Die königliche Kolonne mit den beiden Polizei-Motorrädern samt den Fahrern Andreas Schwartz und Phillip Kaletsch aus Marburg ist bei den Dreharbeiten zum Film „Spencer“ vor dem Eingang des Schlosses in Nordkirchen angekommen. Quelle: Foto: Polizeioldtimer Museum Marburg
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Marburg

Der Marburger Polizei-Motorsportclub ist bei Filmemachern ungemein begehrt, denn er beherbergt in seinem Polizeioldtimer-Museum viele historische Schätze. Werden für Filme mit historischem Hintergrund Autos oder Motorräder gebraucht, rufen Filmproduzenten gerne in Marburg an. Dies trifft auch auf die Filmemacher des Dramas „Spencer“ über Prinzessin Diana zu, das gestern bundesweit startete.

„Bereits im November 2020 kam eine erste Anfrage nach britischen Polizeimotorrädern“, berichtet Eberhard Dersch, Vorsitzender des Polizei-Motorsport-Clubs Marburg 1990 (PMC). Gesucht würden die Motorräder für eine internationale Filmproduktion, die in England spielen solle. Gedreht wurde aber in weiten Teilen in Deutschland – im Schloss Friedrichsdorf in Kronberg und im Schloss Nordkirchen im Münsterland. „Da britische Polizeimotorräder für diese Filmproduktion in Deutschland nicht zu finden waren, baten die Produzenten um zwei deutsche Polizeimaschinen, die für die Dreharbeiten auf das englische Polizeidesign umfoliert und technisch angepasst werden sollten“, so Dersch.

Der PMC wurde schnell fündig, schließlich unterhält der Verein ein ganz besonderes Museum: Das 1. Deutsche Polizeioldtimer Museum, das inzwischen mit mehr als 100 historischen Polizeifahrzeugen aus allen Nähten platzt. Zwei 650er BMW-Motorräder aus den 1980er Jahren stellte der PMC zur Verfügung. Und natürlich zwei Motorradfahrer der PMC-Kradstaffel, die bereit waren, in die Rolle englischer Motorradpolizisten zu schlüpfen: Andreas Schwartz und Phillip Kaletsch.

Gedreht werden sollte Mitte Februar 2021. „Der am 15. Februar geplante erste Drehtag musste abgesagt werden“, sagt Dersch. Der Grund: Es hatte kräftig geschneit, 40 Zentimeter Schnee machten die Außendreharbeiten unmöglich. Der Drehtermin wurde auf den 4. März 2021 verschoben. Bereits am Vortag transportierten die Marburger die beiden deutschen Polizeimotorräder zu einem Werbedesigner in der Nähe von Nordkirchen. Dort sollten sie in britische Polizeimotorräder umgestaltet werden. „Eine offensichtlich zuvor unterschätzte Fleißarbeit, denn die vielen Kleinteile und Verkleidungen einer minzgrünen deutschen Polizei-BMW in ein englisches Polizeimotorrad in Weiß mit orange umzugestalten, dauerte dann bis spät in die Nacht hinein“, erklärt der PMC-Vorsitzende.

Englisches Schmuddelwetter

Natürlich hat es geklappt, schließlich ist „Spencer“ eine ziemlich aufwendige Kinoproduktion mit einem Starensemble. Da überließen die Produzenten und Regisseur Pablo Larraín nichts dem Zufall. Aber auch der Ersatzdrehtag Anfang März hatte es in sich, so Dersch. „Pünktlich zum Drehbeginn um acht Uhr herrschte in Nordkirchen englisches Schmuddelwetter mit sechs Grad und Nieselregen, was auch den ganzen Tag anhielt“, erinnert sich der 63-Jährige. Auf dem Drehplan stand die Einfahrt von Queen Elisabeth II. mit ihrer Rolls-Royce-Fahrzeugkolonne vor das Schloss Nordkirchen, das das englische Landgut Sandringham darstellen sollte, wo die königliche Familie im Jahr 1991 Weihnachten feiern wollte. Die Spitze der königlichen Kolonne bildeten die beiden Polizei-Motorräder des PMC in jetzt frischem, englischem Design, gefahren von Andreas Schwartz und Phillip Kaletsch als englische Motorrad-Polizisten. Es dauerte einen ganzen Tag, bis diese eine kurze Szene abgedreht war. „Am Abend waren die beiden klatschnass“, sagt Dersch.

„Selbst zwei Jahrzehnte nach dem schicksalhaften Tod von Lady Diana fasziniert ihre Lebensgeschichte weiterhin die Menschen. Die Hauptrolle der Lady Diana ist mit der bekannten US-Schauspielerin Kristen Stewart erstklassig besetzt“, freut sich Dersch darüber, dass der Marburger Verein an so einer großen Produktion beteiligt war.

Es ist bei weitem nicht der erste Film, für den das Marburger Polizeioldtimer Museum Fahrzeuge bereitstellt. Dersch fällt spontan „Faking Hitler“, ein Film über die gefälschten Hitler-Tagebücher, ein, der derzeit auf RTL+ zu sehen ist. Oder „Goldjungs“ über die Herstatt-Pleite, „Der goldene Handschuh“ von Fatih Akin über den berüchtigten Hamburger Frauenmörder Fritz Honka, der im Hamburger Kiez-Milieu der 70er Jahre sielt. Oder „Die Wolf-Gang“, der in Marburg gedreht wurde, und der Kinderfilm „2 Ausrufezeichen“, um nur einige zu nennen. Denn jedem Filmproduzenten ist inzwischen klar: Wenn sie für Authentizität ein historisches Polizeifahrzeug suchen – vom Motorrad bis zum großen Wasserwerfer –, das wie neu aussieht, dann werden sie in Marburg fündig.

Das 1. Deutsche Polizeioldtimer Museum in Marburg öffnet übrigens erstmals nach langer Corona-bedingten Schließung wieder am 24. April.

Von Uwe Badouin