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Marburg Islam hat in Marburg seine Heimat gefunden
Marburg Islam hat in Marburg seine Heimat gefunden
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21:00 13.09.2020
Zur Eröffnung der Moschee bei St. Jost kamen 200 Gäste. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Feier unter den fünf Stelen, den Symbolen für die Säulen des Islam: Die Moschee bei St. Jost ist am Sonntag (13. September) mit rund 200 Gästen offiziell eingeweiht worden. „Einfach nur danke. Danke für das Vertrauen“ – das sagte Bilal El Zayat, Vorsitzender der Islamischen Gemeinde Marburg, als der offizielle Teil fast vorbei war. Er richtete seine Worte auf dem Moschee-Vorplatz nicht nur an die Unterstützer, Gönner und Gäste vor Ort, sondern an alle Stadtbewohner.

Sieben Jahre nach der Grundsteinlegung im Jahr 2013 hat die Islamische Gemeinde nun ein Gotteshaus und muss nicht mehr – wie es der katholische Dechant Dr. Franz Langstein sagte – „in einer religiösen Wüste leben“. Denn jahrzehntelang predigten und feierten die Marburger Muslime in Provisorien, der seit 1986 bestehende Gebetsraum im Marbacher Weg ist angesichts von rund 5 000 Muslimen, die in der Universitätsstadt wohnen, seit Langem zu klein. Das habe sich nun, so El Zayat, „endlich zum Guten geändert“.

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Verzicht auf Kuppel und Minarett

„Wir haben aber keine Moschee, sondern ein Zentrum, genauer: ein Begegnungszentrum gebaut. Das hat Marburg verdient“, sagte Dr. Hamdi Elfarra vom Bauausschuss der Gemeinde. Die Fassade mit viel Glas solle die Offenheit und Transparenz der Gemeinde darstellen. „Es ist eine Geste, eine deutsche Moschee“, wie Architekt Dr. Hussam Abdel-Hamid sagte.

Wie wichtig der Islamischen Gemeinde die Integration ins bürgerliche Marburg ist, zeigte schon die Rednerliste: 20 Wortbeiträge aus Politik, Religion und Wissenschaft beschworen vor allem das friedliche Zusammenleben aller Glaubensrichtungen in der Stadt.

„Ein einmaliger Ort ist hier entstanden“, sagte Amnon Orbach, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, unter andauerndem Beifall der Gäste. Orbach, wesentliche Figur im interreligiösen Dialog speziell zwischen Juden und Muslimen in Marburg, bezeichnete die Moschee-Eröffnung als „großen Tag“.

Die Türen für einen „Kennenlern- und Verständnis-Ort“ seien geöffnet, es liege an jedem Menschen egal welcher Konfession, die Offenheit zu suchen und zu leben. Für Probst Helmut Wöllenstein von der Evangelischen Kirche ist die Moschee „ein Wohnhaus für den Glauben“. Schon die Architektur, die „kein 1001-Nacht-Flair“ versprühe, auf Kuppel und Minarett verzichte, sende „eine Botschaft des Dialogs“.

Die Islamische Gemeinde trete für das Miteinander ein und sorge so für das „warme Nest, in dem Glauben in Marburg gelebt werden kann“. Etwas, das außerhalb der Stadtgrenzen keine Selbstverständlichkeit sei.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) hält das Bauwerk, das offiziell als Bildungs- und Kulturzentrum mit Moschee bezeichnet wird, für eine „große Bereicherung“. Das Gotteshaus sei ein „Teil des Dazugehörens“ für eine Glaubensgruppe, die oft – wie man aktuell am Beispiel des Flüchtlingslagers Moria auf Lesbos sehe – eben wegen ihrer Religiosität „nicht als Gleiche, als Gleichberechtigte behandelt wird“. So wie die Muslime in Marburg selbst, sei auch die Moschee baulich „kein Fremdkörper, sondern ein fester Bestandteil der Stadt“.

Bartol: „Der Islam gehört zu Marburg“

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sören Bartol sagte, die Gemeinde habe nun „den Platz, der ihnen zusteht“. In Anlehnung an das einst umstrittene Christian-Wulff-Zitat ergänzte er: „Der Islam gehört zu Marburg“, die „Vielfalt ist unsere Stärke“ – egal ob im Miteinander der Konfessionen und Konfessionslosen oder der Kulturen und Hautfarben.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Dirk Bamberger sieht in dem Bau, der zu Beginn in Teilen der Kommunalpolitik nicht unumstritten war, einen „Meilenstein für das Zusammenleben“ auch über Konfessionen hinweg.

Ähnlich äußerte sich der Linken-Landtagsabgeordnete Jan Schalauske: „Eben weil die Islamische Gemeinde immer, wenn es darauf ankommt, in vorderster Linie für das Zusammenstehen eintritt, genießt die Moschee breiten Rückhalt.“

von Björn Wisker

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