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Marburg Lob für Lehrer, Kritik am Ministerium
Marburg Lob für Lehrer, Kritik am Ministerium
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14:58 01.08.2020
Jannik Henseling hat mit einer Urkunde den Lehrern an der Mosaikschule gedankt. Quelle: Inka Henseling
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Marburg

Jannik Henseling ist Schüler der Mosaikschule und war vom ersten bis zum letzten Schultag vor den großen Ferien im Homeschooling zu Hause. „Er, und wir als Eltern natürlich auch, wollte mit einer Urkunde dem unermüdlichen und ausgesprochen hohen Engagement seiner Lehrer Dankeschön sagen“, schrieb Ina Henseling der OP.

„Es sind aber nicht nur Janniks Lehrer, sondern das komplette Lehrpersonal, die diese Schule zu etwas ganz Besonderem machen“, lobte sie das Engagement der Mosaikschule in diesen besonderen Zeiten.

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Marc Wiegand hingegen übte Kritik an der Marburger Förderschule. „Schüler wurden vom Unterricht ausgeschlossen, weil sie sich vermeintlich nicht an die Hygiene-und Abstandsregeln aufgrund ihrer Behinderung halten konnten“, ärgerte sich der Marburger.

„Diese betroffenen Schüler litten sehr unter der unverhältnismäßigen Umsetzung der Corona-Regeln, da nicht nur der Unterricht wegfiel, sondern auch weitere Fördermaßnahmen, wie beispielsweise die Logopädie.“

Zwei Klassen auf vier Räume verteilt

Die OP fragte bei Schulleiterin Susanne Geller nach. Die berief sich auf die Erlasse seitens des Kultusministeriums. „Mit den immer wieder erneuten Erlassen ist vonseiten des Ministeriums klar geregelt worden, welche Schüler den Präsenzunterricht besuchen durften und welche den Hausunterricht. Die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln war dafür die Grundlage. Die Aufnahme des Schulbetriebs war mit dem Staatlichen Schulamt und dem Gesundheitsamt in einer gemeinsamen Sitzung aufeinander verbindlich abgestimmt worden.“

Die räumliche Situation war in dieser Situation zusätzlich herausfordernd (die OP berichtete). „Wir haben versucht, zur Sicherheit und Orientierung unserer Schüler die Einteilung zum Präsenzunterricht klassenbezogen zu machen. Allerdings war das aufgrund der räumlichen Bedingungen nicht durchgängig möglich“, erklärte Susanne Geller. Es mussten zwei Klassen getrennt und auf vier Räume verteilt werden, „da sonst die Abstandsregeln nicht eingehalten werden konnten“.

Versuch von individuellen Lösungen

Zwei Schüler aus einer Mittelstufenklasse hatten nach Absprache mit den Eltern den Unterricht in der Berufsorientierungsstufe aufgenommen, da in ihrem Klassenraum nur ausreichend Platz für drei Kinder war. „Eine Vernetzung der getrennten Schüler fand allerdings auch in der Schule über die Klassen-Webcams statt“, betonte sie gegenüber der OP.

Immer freitags war Einzelunterricht für Schüler angeboten worden, die sich noch nicht an die Hygiene- und Abstandsregeln halten konnten. „Dadurch war es uns gelungen, noch drei weitere Schüler nach einer Übungsphase in den Präsenzunterricht aufzunehmen“, berichtete Susanne Geller.

„Wir haben versucht, immer individuelle Lösungen unter Wahrung des Sicherheitsaspekts zu finden. Für die Gruppe der Schüler, die zusätzlich ein besonderes gesundheitliches Risiko haben, gibt es die Zuschaltung über Webcam in den Unterricht.“ Doch auch für die Schulleitung der Mosaikschule war es nicht immer einfach.

Schulen schrieben gemeinsamen Brandbrief

„Das hessische Kultusministerium hatte anfänglich Förderschulen in der Planung gar nicht ausgewiesen.“ Als „bedauerlich und gesellschaftlich auch nicht akzeptabel“, fand Susanne Geller, „dass die Personengruppe, die am meisten Förderung benötigt, vom Ministerium einfach vernachlässigt wurde“.

Erst nach einem Brandbrief der verschiedenen Schulen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung und durch das Einschalten des Verbandes der Sonderpädagogen wurde in Wiesbaden reagiert.

Das wiederum dementiert das Kultusministerium: „Es gab keinen Zeitpunkt, zu dem die zum Teil besonderen Bedarfslagen der Schüler mit Anspruch auf sonderpädagogische Förderung unberücksichtigt blieben. Die Hygienepläne sind für alle Schulen gültig, besondere Schutzausrüstung wurde besonders zur Verfügung gestellt“, heißt es auf OP-Anfrage.

Und weiter: „Beispielsweise wurde die Notbetreuung frühzeitig geöffnet für Schüler, die aufgrund ihrer Entwicklung dieser bedürfen. Diese und andere Entscheidungen erfolgten nicht auf Anregung des Verbandes Sonderpädagogik Hessen.‎“

Mosaikschule

Die Mosaikschule ist eine selbstständige Förderschule der Stadt Marburg mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung mit einer Abteilung für körperlich motorische Entwicklung. Als staatliche Schule legt sie besonderen Wert auf fundierte Methoden und Förderungskonzepte.

Im vergangenen Jahr wurde sie für den Deutschen Schulpreis nominiert und gehörte damit 2019 zu den 15 besten deutschen Schulen. Novum für den Deutsch- und Mathematikunterricht ist das sogenannte „Förderband“. Hier werden die Schüler täglich am Vormittag klassenübergreifend unterrichtet. Damit will die Schule allen Schülern gerecht werden und eine noch individuellere Förderung gewährleisten.

Die Mosaikschule an der Großseelheimer Straße ist durch ihren digitalen Unterricht auf der einen Seite hochmodern, sie hat aber auf der anderen Seite mit einem akuten Raummangel zu kämpfen. Ebenso ist nicht überall die notwendige Barrierefreiheit gegeben. Hier steht die Schulleitung im ständigen Kontakt mit der Stadtverwaltung im Marburger Rathaus.

Von Katja Peters

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