Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Mit weniger Rauch geht’s auch
Marburg Mit weniger Rauch geht’s auch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:58 28.06.2019
Auf Balkonen sind Holzkohlegrills tabu, auf den Lahnwiesen sind sie erlaubt. Allerdings will die Stadt Einweggrills verbieten, wegen des hohen Müllaufkommens. Quelle: Tobias Hirsch/Archiv
Marburg

In den Rauchschwaden und Grilldünsten steckt viel Konfliktpotenzial.

Das weiß auch Younes Frank Ehrhardt, Geschäftsführer des Landesverbandes der hessischen Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer (Haus & Grund Hessen).

Er betont: „Gegrillt werden darf nur dann, wenn andere nicht belästigt werden.“ Das ­schließe grundsätzlich die Benutzung eines Holzkohlegrills auf dem Balkon aus, sagt er und macht auf die Brandgefahr aufmerksam.

Polizeisprecher kennt die Probleme

Darüber hinaus könnten Rauch und der Geruch von Grillgut über offene Fenster und Balkon­türen in andere Wohnungen eindringen. In der Folge seien andere Balkone nicht nutzbar und letztlich der Nachbar genötigt, alle Fenster und Türen geschlossen zu halten. Erlaubt sei auf Balkonen allenfalls ein Elektrogrill, aber auch da ­dürfe es nicht zur Beeinträchtigung der Nachbarschaft kommen, so der Landesgeschäftsführer.

Manche Städte und Gemeinden haben sich auf die grillfreudigen Mitbürger ohne eigenen Garten eingestellt. Sie bieten ­öffentliche Grillplätze an. Über das Thema Grillen könne man bestimmt ­seitenweise ­Berichte schreiben, aber die Ordnungshüter tangiere das Thema eigentlich eher am Rande, stelle also keinen Einsatzschwerpunkt dar, sagt Marburgs 
Polizeisprecher Martin Ahlich.

Selbstverständlich gebe es vereinzelte Einsätze aus verschiedenen Gründen. Die reichen nach seinen Worten von der Belästigung durch Rauch, was eher selten passiere, über etwas häufigere Belästigung durch Lärm bis hin zu Einsätzen wegen eventuell strafrechtlich relevanten Folgen.

Vorsicht mit der Grillasche

„So kann der unsachgemäße Umgang zu Sachbeschädigungen oder Körperverletzungen, etwa Verbrennungen, führen“, warnt Martin Ahlich und rät: „Man sollte stets darauf achtgeben, dass nur erlaubte Brennstoffe verwendet werden, da bei Verbrennen oder Schwelen anderer Stoffe, wie von Kunststoffen, krebserregende und giftige Stoffe entstehen können.“ Und große Gefahren berge das Verwenden von flüssigem Brennspiritus, sagt er.

Der Pressesprecher rät auch zur Vorsicht bei der Entsorgung der Grillasche. Sein Tipp: „Asche wirklich lange erkalten lassen und möglichst in einem Metall­eimer mit Deckel zwischenlagern.“ Selbst scheinbar erloschene Asche könne noch ausreichende Hitze erzeugen, um in einem allgemeinen Müllbehälter Feuer zu entfachen.

Blick in die Hausordnung

Nach dem Freiluftgrillen seien öfter die Grill-Hinterlassen­schaften zu beklagen, damit ­lägen Verstöße gegen Abfallbeseitigungsvorschriften vor, und die werden als Ordnungswidrigkeit oder Straftat geahndet. Je nach der betreffenden Stadt- oder Gemeindeverordnung kämen mögliche weitere Verstöße hinzu, sagt er.

„Dann gibt es vielfach Hausordnungen, die ein Grillen einschränken können, wobei bloße Verstöße gegen diese Hausordnung keine Angelegenheit der Polizei sind“, erklärt Ahlich. „Grundsätzlich kann man einen Nachbarschaftsstreit wegen des Grillens meines Erachtens durch gegenseitige ­Rücksichtnahme, Verständnis und ­vernünftiges Miteinanderreden vermeiden“, sagt der Pressesprecher. Er rät, sich im Zweifelsfall an Feuerwehr, Ordnungsamt oder Abfallbehörde der jeweiligen 
 Kommune zu wenden.

Marburgs Parlament berät über Einmalgrills

Und aus aktuellem Anlass warnt Martin Ahlich noch vor der allgemeinen Gefahr des Funkenflugs oder des Über­greifens des Feuers auf die ­
Umgebung, insbesondere bei längerer Trockenheit. „An deswegen ausgesprochene Verbote sollte man sich zur eigenen und zur Sicherheit aller strikt halten.“ Das gelte nicht nur für das Grillen, sondern für jegliches ­offene Feuer, betont der Polizeisprecher.

Am Freitag, 28. Juni, will Marburgs Stadtparlament eine neue Satzung über die Benutzung der öffentlichen Grünanlagen auf den Weg bringen. Darin ist geregelt, dass in den Grünanlagen unter anderem auch das Grillen untersagt ist. Ausgenommen davon ist das sogenannte Lahnvorland (Lahnwiesen). Dort darf in „geeigneten, hierfür vorgesehenen Geräten – mit Ausnahme von Einmalgrills“ – gegrillt werden.

Dreiwöchiges Verbot vor einem Jahr

Diese „Wegwerfgrills“ sind nicht nur wegen der erhöhten Feuergefahr verpönt: Werden sie nicht auf eine feuerfeste Unterlage gestellt, ist das Gras ­unter ihnen durch die Hitze unweigerlich verbrannt. Darüber hinaus lassen viele Nutzer die billigen Grills auf den Wiesen zurück. Nach der alten Satzung ist die Verwendung solcher Grills noch erlaubt. Die neue Satzung und damit einhergehend das Einmalgrill-Verbot tritt am Tage ihrer Veröffentlichung in Kraft.

Die Ordnungsämter behalten sich vor, in besonderen Situationen das Grillen zu verbieten: 
So erließ die Stadt Marburg im trockenen Sommer 2018 ein dreiwöchiges Verbot.

Nachbarn vorwarnen - oder einladen

Wie man Belästigungen rund ums Grillen weitgehend vermeiden kann, weiß Dominik Loos vom Hinterländer BBQ-Team.
Wer das klassische Grillen mit Holzkohle bevorzuge, der ­müsse sich damit abfinden, dass dies nicht ganz ohne Rauch vonstatten gehe, vor allem während 
der Anheizphase, sagt er.

Grillkohletest

Wer mit seinem Einkauf nicht die Umwelt gefährden will, hat es manchmal schwer. Ein Beispiel dafür ist Grillkohle. In 6 von 17 geprüften Holzkohle-
Säcken hat die Stiftung Warentest Holz aus den Tropen oder Subtropen gefunden.

Eines der Produkte trägt sogar fälschlicherweise ein Siegel für Holz aus nachhaltiger und heimischer Bewirtschaftung. Und: Auf insgesamt neun Säcken fehlte ein Hinweis auf Herkunft oder Art des Holzes, heißt es in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift.

Die Hersteller von Holz­kohle sind nicht verpflichtet, das Herkunftsland zu nennen. Für legale und nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern stehen vor allem zwei freiwillige Siegel: PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) und FSC (Forest Stewardship Council).     

Er rät zum Kauf von guten Grillbriketts und weist auf große Qualitätsunterschiede hin.

Wer nicht groß ausprobieren möchte, dem empfiehlt er die jüngste Grillkohle-Überprüfung in der Juni-Ausgabe der Stiftung Warentest (siehe Kasten).

Neben hochwertigen Grill­briketts sollte 
man auch eine möglichst rauchfreie Anzündhilfe verwenden.

Grillexperten arbeiten ­gerne mit Anzündkaminen, die mit Spiritusbrennern oder Kartuschenlötbrennern befeuert werden.

Feuchte Briketts brennen schlecht und rauchen stark, deshalb rät der Mornshäuser Kardiotechniker und Grillexperte, die Briketts trocken zu lagern. „Eingelegtes Grillgut sollte abgetupft werden, damit keine Flüssigkeit auf die Glut tropft.“

Beim indirekten Grillen gehe man diesem Problem gänzlich aus dem Weg. Das Mitglied des Hinterländer BBQ-Teams gibt einen weiteren Tipp: Auf ein rauchiges Grillspektakel könne man seine Nachbarn vorbereiten. „Am besten lädt man sie ein.“

von Hartmut Berge