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Marburg Moischt soll Carsharing-Angebot bekommen
Marburg Moischt soll Carsharing-Angebot bekommen
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08:59 24.04.2022
Gründungsmitglieder des Vereins „Moischt Mobil“ mit der Vorsitzenden, Ortsvorsteherin Margarete Hokamp (vorne, Mitte), der Zweiten Vorsitzenden Monika Stenzel (links), Kassierer Hendrik Nübel (hinten Mitte) und Schriftführerin Gabriele Becker (zweite von links).
Gründungsmitglieder des Vereins „Moischt Mobil“ mit der Vorsitzenden, Ortsvorsteherin Margarete Hokamp (vorne, Mitte), der Zweiten Vorsitzenden Monika Stenzel (links), Kassierer Hendrik Nübel (hinten Mitte) und Schriftführerin Gabriele Becker (zweite von links). Quelle: Stefan Dietrich
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Moischt

Mit einem neuen Verein und mit Unterstützung der Stadt Marburg wollen Bürgerinnen und Bürger von Moischt ein Carsharing-Angebot für ihren Stadtteil starten. „Ein kleiner Beitrag zum Klimaschutz, den wir mit vielen Nutzern ganz einfach leisten können“ – so wird das Projekt in einem Informationsblatt beschrieben. 14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gründungsversammlung am Dienstag vor Ostern trugen sich gleich in die Mitgliederliste von „Moischt Mobil“ ein.

Der Verein, der laut Satzung die Lebensbedingungen in Moischt zu Nachhaltigkeit und Naturnähe umgestalten soll, will zwei Autos plus Kindersitze anschaffen. Die Vereinsmitglieder, die einen Jahresbeitrag zahlen, können diese Autos dann für einen Stundentarif ausleihen – beispielsweise, um zum Einkaufen zu fahren.

Der Plan des Moischter Vereins orientiert sich unter anderem an dem Konzept, das das Schönstädter Carsharing-Projekt „Schöner Mobil“ schon seit 2014 umsetzt. Wie das in dem Cölber Ortsteil funktioniert, berichteten Herwig Hahn, Peter Seip und Carola Carius vom Verein „Gemeinsam unterwegs“ den Moischtern. Hahn sprach offen an, dass ein Carsharing-Angebot auf dem Dorf eine echte Herausforderung ist: „Das Interesse für alternative Mobilitätsformen ist auf dem Lande begrenzt“, sagte er. „Die Zielgruppe sind in erster Linie die Zweit- und Drittwagen – man wird es eher nicht schaffen, dass die Leute auf das erste Auto verzichten.“ Das ist auch der Grund, warum die Stadt Marburg in Moischt, Ginseldorf sowie Elnhausen mit Dagobertshausen Bürgerprojekte zum Carsharing fördert: Für kommerzielle Anbieter sind die Außenstadtteile wirtschaftlich uninteressant, erklärte Rose Michelsen von der Stadtverwaltung.

Es kommt auf die Mitglieder an

Der Schönstädter Verein besitzt zwei Elektroautos. 2016 wurden die beiden Renault Zoe 1 560 Stunden genutzt, 2021 waren es pandemiebedingt nur 1 400 Stunden. Die Einnahmen seien kostendeckend, reichten aber nicht für eine Neuanschaffung, sagte Hahn. Die Rechnung geht auch nur auf, weil der Verein genügend Mitglieder hat, deren Beiträge rund ein Drittel der Einnahmen ausmachen.

Die Elektroautos können an einer Ladesäule in Schönstadt innerhalb von 30 Minuten zu 80 Prozent aufgeladen werden. Das ältere Fahrzeug hat eine Reichweite von 100 bis 150 Kilometern, das neuere von 250 bis 300 Kilometern. Doch Reichweite und Ladezeiten seien kein großes Problem, obwohl es für die Nutzer keine Kilometerbegrenzung gibt: „Die meisten nutzen es für zwei Stunden“, sagte Hahn, „um in Marburg einzukaufen. Es ist aber auch schon mal jemand an den Edersee gefahren – es hat uns gewundert, dass der Akku so weit gereicht hat.“

Wer die Fahrzeuge nutzen will, muss sie über ein Internetportal oder mit einer App reservieren. Um die Verwaltung kümmert sich ein halbes Dutzend Ehrenamtlicher, für jedes Auto gibt es einen „Fahrzeug-Paten“, der die Verantwortung für Pflege und Technik übernimmt.

Stadt unterstützt Projekt für drei Jahre

Auch in Moischt gibt es schon ein Team für die praktischen Arbeiten, wie Ortsvorsteherin Margarete Hokamp, die zur Vereinsvorsitzenden gewählt wurde, berichtete. „Wir beschäftigen uns schon ein Jahr mit dem Thema“, sagte sie. „Im September haben wir eine Umfrage gemacht, die ergeben hat, dass es circa 30 Interessenten gibt, die Carsharing gerne nutzen würden.“ Deshalb habe sich Moischt für das Pilotprojekt „Bürger*innen Carsharing“ beworben. Die Stadt übernimmt in den Projekt-Stadtteilen in den ersten drei Jahren die Kosten für die Autoversicherung, für die Buchungsplattform und die Ladeinfrastruktur. „Wir haben natürlich ein Interesse, dass sich das nachher selbst trägt“, sagte Michelsen.

Der neue Verein, der Gemeinnützigkeit anstrebt, wird nun berechnen, wie das Projekt in Moischt finanzierbar ist. Wenn der Verein genug Mitglieder findet, könnten wie in Schönstadt zwei Autos angeschafft werden. Auch die Beiträge und Tarife könnten ähnlich sein wie dort. In Schönstadt kostet eine Einzelmitgliedschaft 60 Euro im Jahr, der Familienbeitrag beträgt 80 Euro. Der Stundenpreis beträgt 4,20 Euro, nachts zwischen 19 und 2 Uhr 2 Euro.

Interessierte können sich per E-Mail an Ortsvorsteherin Margarete Hokamp wenden: ov-moischt@marburg.de

Wahlen

In den Vorstand des neuen Vereins wurden gewählt:

Erste Vorsitzende: Margarete Hokamp

Zweite Vorsitzende: Monika Stenzel

Kassierer: Hendrik Nübel

Schriftführerin: Gabriele Becker

Außerdem wählte die Versammlung Kassenprüferin Kirsten Eckhardt und Kassenprüfer Gotthard Ludwig.

Von Stefan Dietrich