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Marburg „Moby Dick“ feiert digitale Premiere mit 360-Grad-Sound
Marburg „Moby Dick“ feiert digitale Premiere mit 360-Grad-Sound
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12:00 27.05.2021
Daniel Sempf leitet die Marburger Hörtheatrale.
Daniel Sempf leitet die Marburger Hörtheatrale.
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Marburg

Seit 2009 begeistert die Marburger Hörtheatrale ihre Fans in Marburg und längst auch überregional mit Hörtheaterstücken. Waren es anfangs meist Sherlock-Holmes-Krimis von Arthur Conan Doyle wie „Der Hund von Baskerville“, die stimmungsvoll mit Sound- und Lichteffekten live in Szene gesetzt wurden, so kamen bald auch andere Literatur-Genres dazu: Horror-Klassiker wie „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“, „Dracula“ oder „Frankenstein“ wurden ebenso in Szene gesetzt wie Kinderstücke und Dramen.

Jeder hat sich einen Klassiker vorgenommen

Jetzt hat sich das Team um den Hörtheatralen-Gründer Daniel Sempf einen Klassiker der Weltliteratur vorgenommen: Herman Melvilles 1851 erschienener 1000-Seiten-Schmöker „Moby Dick“. Der Roman bekam anfangs negative Kritiken und geriet fast in Vergessenheit. Heute aber gilt er als Meisterwerk.

Eigentlich wollte die Hörtheatrale die aufwendige Inszenierung vor Publikum aufführen – in Zeiten der Corona-Pandemie unmöglich. Am Samstag, 29. Mai, feiert „Moby Dick“ um 19.30 Uhr als „Livehörspiel im Stream mit 360-Grad-Sound“ Premiere. Dies teilte die Hörtheatrale mit.

Ausgestrahlt wird die Produktion als Stream auf der Homepage: www.diehoertheatrale.de.

Insgesamt sind sechs Termine vorgesehen – Karten gibt es auf der Homepage der Hörtheatrale. Neben Daniel Sempf, Ensemble-Mitglied des Hessischen Landestheaters, sind Thomas Streibig und Michael Köckritz zu sehen. Beide haben früher am Marburger Theater gespielt.

„Für das Gefühl, live dabei zu sein, gibt es erstmals einen 360-Grad-Sound. Stimmen hören sich an, als ob der Schauspieler hinter oder neben den Teilnehmenden steht, Moby Dick schwimmt akustisch nicht nur von links nach rechts, sondern er taucht auch von oben nach unten ab.

Spannendes Experiment auf dem Kopfhörer erleben

Ein spannendes Experiment, das auf dem Kopfhörer zu erleben ist. Natürlich gibt es auch eine Stereo-Version, die man ohne den Kopfhörer sehen kann“, erklärt Sempf. Immersiv nennt man diese besondere Technik, die vor allem aus der Virtual Reality bekannt ist. Worum geht’s in „Moby Dick“?: Ahab ist der Kapitän des Walfängers „Peqoud“. Seit er sein Bein im Kampf gegen den weißen Wal verloren hat, ist er besessen von Rache.

Er kennt nur noch ein Ziel. Er will den Wal erlegen. Doch Moby Dick lernt, wie er sich verteidigen kann und schlägt zurück. Erzählt wird die Geschichte in Ich-Form von dem Matrosen Ismael.

In dem Roman geht es aber um mehr – um „die Abgründe des Menschen, seine Sucht nach Macht über die Natur und die Manipulierbarkeit des Menschen“, so Sempf. Der Roman stelle auch die Frage nach der Verantwortung des Individuums gegenüber Willkür und Hass.

„Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir diese Produktion auch live zeigen werden. Aber auf Grund der Pandemie und der zum Schutz der Bevölkerung verhängten Maßnahmen, die auch den darstellenden Kunstbetrieb massiv getroffen hat, haben wir uns entschieden, eine digitale Video-Produktion zu veröffentlichen“, erklärt der Regisseur Sempf.

Sempf hat auch die Textfassung der Hörspielinszenierung geschrieben und die Sounds entwickelt. So sei ein Stück entstanden, dass aus vielen einzelnen Szenen mit einzelnen Schauspielern bestehe, die dann in einen gemeinsamen Kontext gebracht worden seien.

Unterstützt wurde die Produktion durch den Fachdienst Kultur der Universitätsstadt Marburg und die Hessische Kulturstiftung.

Premiere ist am Samstag, 29. Mai, um 19.30 Uhr. Weitere Streams sind am 30. Mai, 3., 4., 5. und 6. Juni jeweils ab 19.30 Uhr auf der Seite www.die hoertheatrale.de abrufbar. Dort gibt es auch die Karten.

Von Uwe Badouin