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Marburg Hoch auf die Lahnberge per Rad, aber wie?
Marburg Hoch auf die Lahnberge per Rad, aber wie?
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15:58 20.06.2021
Beim Thema Mobilität wird auch die Lahnberge-Anbindung – hier Panoramastraße – erörtert.
Beim Thema Mobilität wird auch die Lahnberge-Anbindung – hier Panoramastraße – erörtert. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

„Mobilität ist das Thema der Zukunft“, sagt Schaker Hussein (SPD), der Vorsitzende eines neuen Parlaments-Ausschusses, den man auch Zukunftsausschuss nennen könnte. Denn es soll darin um das vielbeschworene Trend-Thema Mobilität und als weiteres Zukunftsthema die digitale Transformation gehen – zudem noch um Tourismus. Die Initiative zu diesem mittlerweile siebten Ausschuss des Parlaments kam nach den Wahlen von den Grünen, der Beschluss dazu wurde einstimmig vom Stadtparlament gefasst.

Zwar umfasst Mobilität auch alle Themen aus dem Bereich Straßenverkehr, die bis zum Ende der letzten Legislaturperiode noch im Umwelt- und Verkehrsausschuss behandelt wurden. „Wir wollen aber nicht der neue Verkehrsausschuss sein“, betonte Hussein zu Beginn der ersten Sitzung. Er hofft, dass der neue Ausschuss konstruktiv zusammenarbeitet und dass dort beim Thema Verkehr nicht die Verkehrsträger gegeneinander ausgespielt werden.

Die Verkehrswege

Bei Mobilität gehe es zwar auch um die Verkehrswege, aber es könnte auch zum Beispiel die Aufstellung von Bänken ein Thema werden, meinte Lukas Ramsaier (Grüne), der für eine weite Auslegung des Begriffs Mobilität plädierte. Stefanie Wittich (Marburger Linke) wies darauf hin, dass man für das richtige Ausnutzen der physischen Mobilität auch immer Geld, Zeit und Wissen benötige, also soziale Mobilität. Maik Schöniger (Klimaliste Marburg) will vor allem den Radverkehr in Marburg attraktiver machen. „Wir müssen den vorhandenen Platz in der Stadt sinnvoller nutzen“, meinte er.

Eine Verbesserung der Möglichkeiten für die Radfahrer in Marburg war dann auch das Thema in dem ersten Antrag einer Fraktion im neuen Ausschuss. Es ging um eine weitere fahrradfreundliche Gestaltung der Wege auf die Lahnberge zum Uni-Klinikum und den naturwissenschaftlichen Gebäuden. Die SPD-Fraktion setzte sich in dem Antrag für die Einrichtung von zwei Radspuren entlang der bis jetzt dreispurig ausgebauten Panoramastraße ein, die vom Waldtal hoch Richtung Klinikum führt.

Die Marburger Verkehrspolitik

Die Lahnberge-Anbindung ist ein Dauerbrenner der Marburger Verkehrspolitik. So war unter anderem schon einmal eine Seilbahn als Transportmittel im Gespräch, die der ehemalige Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) ohne Erfolg favorisierte. Man könne die Erreichbarkeit der Lahnberge nicht als „Insellösung“ behandeln, sondern benötige ein Generalkonzept, meinte jetzt Lukas Ramsaier, der einen dahingehenden Änderungsantrag formuliert hatte.

Die große Bedeutung der Verkehrsanbindung der Uni- und Klinik-Standorte auf den Lahnbergen zeige sich schon an der großen Anzahl der gut ausgelasteten Busse, die dort täglich hochfahren, sagte Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU). Immer wichtiger werde angesichts der großen Zahl der dort Beschäftigten und der Studierenden auch im Zeitalter der E-Bikes die sichere Erschließung des Areals „Campus Lahnberge“ und des Klinikums für den Radverkehr.

Zusammenarbeit mit „Hessen Mobil“

Der Ausbau der Radspuren entlang der Großseelheimer Straße und dann in Zusammenarbeit mit „Hessen Mobil“ bis hin zur Klinik Sonnenblick sei jetzt immerhin schon erfolgt, betonte Stötzel. Bei der zweiten Etappe, der Einrichtung von Radwegen bis hin zum Fernheizwerk gebe es aber noch Abstimmungsbedarf mit „Hessen Mobil“ und der Universität. Noch ist nicht klar, ob die „Umweltspur“ durch den Campus nur den Bussen vorbehalten bleibt oder auch von Radfahrern genutzt werden darf.

Für die Strecke auf der Panoramastraße ab dem Fernheizwerk bis hinunter ins Waldtal, wo sich auch das Studentendorf befindet, gibt es allerdings jetzt ein Problem. Für Radwege mit ausreichendem Sicherheitsabstand entlang der dreispurigen Landesstraße sei schlicht kein ausreichender Platz vorhanden, erklärte Stötzel. Denn die Straße werde auf der einen Seite von einer Stützmauer und auf der anderen Seite von einem Hang begrenzt.

Keine Fahrspur weniger

Eine komplette Fahrspur für den Autoverkehr wegzunehmen, sei von den für die Landesstraße Verantwortlichen von „Hessen Mobil“ jedoch abgelehnt worden. Der Grund: Es ist eine der Hauptstrecken für die Rettungsfahrzeuge, die hoch zum Klinikum fahren. Wenn dann bergauf eine der beiden Fahrspuren wegfallen würde, könnte ein Krankenwagen beispielsweise einen langsam fahrenden Lastwagen nicht mehr überholen.

Nicht so leicht zu realisieren seien auch Alternativrouten durch den Wald, so beispielsweise die Strecke am Ende des Ginseldorfer Wegs. Denn das Konzept von „Hessen Forst“ laute aktuell, Waldwege nicht mehr zu asphaltieren.

Alternative für die Panoramastraße

Lukas Ramsaier brachte eine andere Alternative für die Panoramastraße ins Spiel: eine gemeinsame Radspur für den Bergauf- und den Bergabverkehr, deutlich abgetrennt mit Pollern von den Auto-Fahrspuren. Doch wenn dann ein Radfahrer sehr schnell den Weg hinunterfahre, sei das dann doch zu riskant für die nach oben fahrenden Radler, warf Stefanie Wittich ein.

Einig waren sich alle Ausschuss-Mitglieder, dass sich in Sachen Radverkehr-Anbindung auf die Lahnberge etwas tun müsse. Sie einigten sich auf die Forderung, ein Gesamtkonzept zu erarbeiten

Von Manfred Hitzeroth

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