Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Mobilität zum und im neuen Quartier bewegt
Marburg Mobilität zum und im neuen Quartier bewegt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:58 08.09.2021
Professor Franz Pesch erläutert den Zuhörern der Präsentation des Sieger-Entwurfs für das Wohnquartier Hasenkopf das Vorgehen der Jury.
Professor Franz Pesch erläutert den Zuhörern der Präsentation des Sieger-Entwurfs für das Wohnquartier Hasenkopf das Vorgehen der Jury. Quelle: Gianfranco Fain
Anzeige
Marburg

Rund 25 interessierte Bürger im Erwin-Piscator-Haus sowie unzählige im Online-Stream verfolgten die Präsentation des Gewinners des städtebaulichen Wettbewerbs um die Wohnquartiersentwicklung Hasenkopf. Dies übernahm Maximilian Stechele vom Büro lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh aus München, nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und den Erläuterungen von Manuela Klug, Fachdienstleiterin Stadtplanung und Denkmalschutz, zum Ablauf der Bürgerbeteiligung sowie von Professor Franz Pesch, der die Jury leitete.

Im Anschluss an die Vorträge beantworteten die Vertreter Fragen der Zuhörer, zum Beispiel wie die Ausgaben für Gutachten gerechtfertigt würden, die entstanden, bevor es einen Bauplan gibt. Einige Gutachten seien nötig gewesen, um die Bedingungen festzulegen, die ein neues Quartier auf dem Hasenkopf erfüllen müsse, erklärte der Oberbürgermeister. Weitere, wie zum Beispiel ein Klimagutachten, würden noch folgen.

Quartier ist in 300 Meter zu durchqueren

Im Anschluss wollte ein Zuhörer wissen, wie das neue Quartier hinsichtlich der Folgen des Klimawandels aufgestellt werde, worauf Spies auf ein zu erstellendes Mobilitätskonzept verwies und auf die Tatsache, dass der Entwurf des Münchener Büros die geringste Fläche beanspruche, mit einer minimalen Parkfläche sowie einer geplanten Fahrzeugdichte von 0,5 pro Wohneinheit auskomme.

Wie die maximal zurückliegende Strecke im Quartier von der Bushaltestelle aus sei, beantwortete Stechele mit „nicht mehr als 300 Metern“, was auch für den Fußweg vom automatisierten Parkhaus gilt, da es sich in der Nähe der Haltestelle befindet. Dass das Quartier nicht für Autobesitzer und Fußlahme gebaut werde, verneinte Professor Pesch. Ein zukunftsorientiertes Mobilitätskonzept stelle private Fahrzeuge und den Öffentlichen Personennahverkehr gleich, ebenso die zurückzulegenden Wege.

Befahrbar zum Be- und Entladen

Die Wohnstraßen seien befahrbar, um sie zum Be- und Entladen nutzen zu können. Dadurch hätten 95 Prozent der Bewohner die gleichen Mobilitätsmöglichkeiten. Später sagte Spies, dass noch eine neue Rad-Anbindung ans Wohnquartier gebaut werde, damit dieses auch mit E-Bikes erreicht werden könne. Zum Vorwurf, wie man es angesichts des ausgerufenen Klimanotstandes wagen könne, noch mehr Fläche zu versiegeln, sagte Manuela Klug, dass der Klimanotstand nicht einen Baustopp bedeute.

Die Stadt müsse Platz für Wohnraum schaffen und da in der Stadt dieser schon verdichtet worden sei, könne dies nur im Außenbereich erfolgen. Für den Hasenkopf werde im Zuge der Bauleitplanung eine Umweltprüfung ergeben, wie die Eingriffe ausgeglichen werden können. Stechele wiederum antwortete, dass die Energie nach aktuellem Standard realisiert werde und Passivhäuser vorstellbar seien. Es würden auch alle Wohnungen über Balkone oder Terrassen verfügen. Gemeinschaftsräume seien in jedem Gebäude, aber zusätzlich auch größere fürs Quartier möglich.

Entwurf sieht Grünflächen vor

Zur Chance, selbst zu bauen, sagte Manuela Klug, dass im Quartier neben sozialem und gefördertem Wohnungsbau auch frei finanzierte Gebäude möglich sind, aber keine Einfamilienhäuser entstehen würden. Es sei auch nicht geplant, das Quartier auf die volle zur Verfügung stehende Fläche zu erweitern. Dieser Entwurf ermögliche 330 Wohneinheiten auf der Hälfte der vorgegebenen Fläche, ergänzte Spies, und zwischen den kompakten Gebäuden gebe es zudem viel Grün.

Da noch nicht alle benötigten Flächen im Besitz der Stadt sind, sprachen Zuhörer auch die Frage nach möglichen Enteignungen aus. Die Stadtentwicklungsgesellschaft verhandle noch mit Grundstückseigentümern, die Stadt sei aber schon im Besitz eines relevanten Anteils der für den ersten und zweiten Bauabschnitt benötigten Fläche. Zudem gebe es die Möglichkeit der Umlegung, also des Grundstückstausches.

Keine Enteignungen

Deswegen werde es keine Enteignungen geben, das Projekt aber auch nicht an fehlender Fläche scheitern. Spies glaubt nicht, dass die Stadtverordnetenversammlung nach zwei Beschlüssen für den Hasenkopf nun den Bebauungsplan nicht umsetzt. Schließlich benötige man dieses neue Quartier mit seinen 900 Bewohner auch, um die Infrastruktur des Stadtteils Stadtwald aufrechtzuerhalten und um preiswerten Wohnraum anzubieten.

Von Gianfranco Fain

08.09.2021
Marburg Polizeibericht - Mietfahrrad zerstört
08.09.2021