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Marburg Mitten in der Trauer um Kirsten Fründt spendet die Sonne Trost
Marburg Mitten in der Trauer um Kirsten Fründt spendet die Sonne Trost
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21:11 06.02.2022
Auch der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow sprach während der Trauerfeier.
Auch der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow sprach während der Trauerfeier. Quelle: GEORG_KRONENBERG
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Marburg

Wenn es so etwas gibt wie ein Zeichen des Himmels, dann war es die Sonne, die am Samstagnachmittag (5. Februar) so stark wie schon seit Tagen nicht mehr durch die Fenster der Lutherischen Pfarrkirche auf die Menschen fiel, die sich dort zusammengefunden hatten, um Abschied zu nehmen von Kirsten Fründt. Die Landrätin des Kreises Marburg-Biedenkopf war am 19. Januar im Alter von 54 Jahren ihrer schweren Krebserkrankung erlegen.

„Ansteckend, motivierend und mitreißend“

Da aufgrund der Corona-Pandemie nur wenige geladene Gäste Platz in der Kirche fanden, wurde die Trauerfeier als Livestream übertragen. Pfarrer Ulrich Biskamp sprach wohl allen Menschen aus der Seele, die Kirsten Fründt gekannt hatten, als er zur Begrüßung der Trauergemeinde sagte: „Viele können diesen Tod immer noch nicht fassen – dafür stand Kirsten Fründt viel zu sehr mitten im Leben.“

Diese Fassungslosigkeit zog sich denn auch durch die Beiträge aller, die am Samstag das Wort ergriffen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser räumte ein: „Es fällt mir unendlich schwer, mich in diesen Tagen an Kirsten zu erinnern, zurückzuschauen und nicht gemeinsam mit ihr nach vorn.“ Als ansteckend, motivierend und mitreißend beschrieb Faeser ihre Parteifreundin und die Ministerin sagte: „Dass das Herz unserer Demokratie in der Kommunalpolitik schlägt – dort, wo man ganz unmittelbar füreinander und für andere Verantwortung übernimmt – , das verkörperte sie durch und durch.“ Das Land Hessen, der Kreis Marburg-Biedenkopf und die Stadt Marburg haben Kirsten Fründt sehr viel zu verdanken, so die Bundesministerin: „Es ist bewegend zu sehen, wie bewusst das vielen Menschen in der Region ist.“ Fründt hinterlasse eine große Lücke, aber auch ein Vermächtnis, schloss Nancy Faeser: „Sie hat uns vorgelebt, was es heißt, die Gesellschaft zusammenzuhalten.“

Der hessische Innenminister Peter Beuth charakterisierte die Landrätin als „herausragende Vollblutpolitikerin“, die Fairness geschätzt und Klartext geredet habe – „gelegentlich auch provokativ und konfrontativ, um den Kommunen Gehör zu verschaffen“. Beuth würdigte die großen Veränderungen, die die SPD-Politikerin als Landrätin angestoßen habe.

Aufgrund der Corona-Pandemie konnte nur wenige geladene Gäste an der Trauerfeier direkt teilnehmen (Quelle: GEORG_KRONENBERG)

Fründts vielleicht engster Mitstreiter an der Spitze der Kreisverwaltung zeigte sich ebenfalls „traurig und fassungslos“ – der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow erinnerte an drei „Leitmotive“, die das Wirken der Landrätin bestimmt hätten. Da sei zum einen eine „Kultur der Nahbarkeit“ gewesen: „Sie war eine von uns und nicht nur die Chefin, sondern die Kollegin.“ Daneben habe Fründt eine „Kultur der Nachhaltigkeit“ gepflegt – in umwelt-, sozial- und finanzpolitischen Belangen gleichermaßen. Schließlich sprach Zachow von einer „Kultur der Kollegialität und sagte abschließend: „Wir halten die Erinnerung dadurch wach, dass wir diese drei Leitmotive auch in Zukunft leben.“

Kreistagsvorsitzender Detlef Ruffert sagte, er habe durch die Landrätin erkannt, dass man „mit einem herzlichen Wesen und einem Lachen“ viele Probleme lösen könne. Alles habe seine Zeit, zitierte Ruffert sinngemäß aus der Bibel und sagte: „Machen wir ernst damit und nehmen wir uns die Zeit der Trauer um Kirsten Fründt.“

Als Präsident des Hessischen Landkreistages sprach Wolfgang Schuster. Fründts Amtskollege aus dem Lahn-Dill-Kreis attestierte ihr „Spaß, Freude und Verantwortungsgefühl“ und folgerte mit Blick auf die Lebensleistung der Verstorbenen: „Wenn man eine Arbeit gern macht, macht man sie auch gut.“

Kirsten Fründt und die Musik

Dass die Musik eine große Rolle im Leben Kirsten Fründts spielte, zeigte die von dem HR-Journalisten Jochen Schmidt moderierte Trauerfeier. Das Bläserensemble der Musikabteilung des VfL Marburg steuerte vier zuvor in der Kirche aufgenommene Kompositionen von Robert von Beringen bei. In dieser Gruppe hatte Fründt selbst Querflöte gespielt – auf ihrem Stuhl lagen während der Aufnahmen Blumen und das Instrument der Verstorbenen. Auch bei ihrer Arbeit ging es so musikalisch zu, dass die Kreisverwaltung Marburg-Biedenkopf ein eigenes Ensemble hat – das „Amtsgebläse“ verabschiedete sich mit „Irischen Segenswünschen“ von der Landrätin. Der Pfarrchor der Partnergemeinde Lüsen grüßte mit „Tråg mi, Wind“ aus Südtirol.  Die weitere musikalische Gestaltung lag in den Händen von Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum und der Konzertorganistin Ka Young Lee.

Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies schließlich erinnerte sich daran, dass er Kirsten Fründt schon lange vor ihrer politischen Laufbahn kennengelernt habe: „Unsere Kinder – beide inzwischen längst erwachsen – gingen zusammen in den Kindergarten und die Grundschule.“ Ihr Engagement, aber auch ihre Offenherzigkeit seien von jeher offensichtlich gewesen, meinte Marburgs OB und schilderte Fründt als einen „Menschen, der Menschen bewegt“. Weiter erinnerte sich Spies: „Gern denke ich an eine starke Frau, das Herz am rechten Fleck, an einen liebenswerten Menschen. So will ich sie in Erinnerung behalten: Immer fröhlich, immer fleißig, voller Energie und ein Vorbild für uns alle.“

Und Spies schloss mit einem Satz, der wohl jedem in diesen Tagen beim Gedenken an Kirsten Fründt durch den Kopf geht: „Kiki, du fehlst.“

Von Carsten Beckmann