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Marburg Alte Industrie neu präsentiert
Marburg Alte Industrie neu präsentiert
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21:14 13.10.2020
Vertreter des LEADER-Kooperationsprojekts „Neue Wege, neue Medien: Industriekultur in Mittelhessen“ trafen sich im Güterbahnhof Fronhausen. Projektmanager Kay Hörster (vorne rechts) zeigt die neue App des Projekts. Quelle: Ina Tannert
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Fronhausen

Alte Industriebauten haben für viele Menschen als Denkmäler der Ökonomie vergangener Zeiten einen besonderen Reiz. Das bietet wiederum Potential für touristische Angebote und die Reaktivierung alter Bauten durch neue Nutzung. Nur finden muss der interessierte Besucher die alten oder auch neuen Bauwerke in ganz Mittelhessen, an denen viele sicher häufig vorbeifahren, ohne sich dessen Hintergrund bewusst zu sein. Dabei hilft nun die neue App „Industriekultur Mittelhessen“, die Informationen über 150 Standorte bündelt und die jeweiligen regionalen Angebote aufzeigt. Per Smartphone-Wegweiser können sich Besucher nun auch eine individuelle Route zu ihren Favoriten nach eigenen Schwerpunkten erstellen.

Entstanden ist die App über das Kooperationsprojekt „Neue Wege, neue Medien: Industriekultur in Mittelhessen“, für das sich alle sieben LEADER-Regionen mit weiteren lokalen Akteuren zusammengeschlossen haben. In den vergangenen zwei Jahren wurden unter Federführung des ausführenden Vereins Mittelhessen zahlreiche Industriestandorte erfasst, gesammelt und mit Informationen und Besucher-Tipps online aufbereitet.

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Die Ergebnisse des zweijährigen Projekts stellten die Beteiligten zuletzt im Güterbahnhof Fronhausen vor, einer der Orte, der auf diesem Weg beworben wird. Das Ziel: Die reiche Industriegeschichte der Region modern und als Marke präsentieren, das Bewusstsein dafür schärfen, Touristen anlocken und Impulse für die wirtschaftliche Nutzung setzen. „Industriekultur gehört zu Mittelhessen – wir machen den Produktionsstandort sichtbar und erlebbar“, sagte Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich in Funktion als Vorsitzender des Vereins Mittelhessen.

300 Industrie-Denkmäler ausgewählt

Die Arbeitsgruppe der Initiative hat dazu 300 Orte ausgesucht, die auf der Online-Datenbank (industriekultur-mittelhessen.de) vorgestellt werden. Über die App lassen sich 150 davon ansteuern und näher beleuchten. Es gibt natürlich weitaus mehr – an die 1 500 Industrieobjekte mit „noch guter Substanz“ habe es in Mittelhessen, berichtete der wissenschaftliche Leiter Dr. Otto Volk, der die Initiative überhaupt erst initiiert hatte. Die Industriekultur beschränke sich dabei aber nicht nur auf Historisches, angefangen bei der Frühen Neuzeit, sondern umfasst auch neue Bauten, betonte Volk.

Die Bandbreite ist groß, von vielen historischen Bahnhofsgebäuden, wie dem in Cölbe, das zum Rathaus wurde, über alte Zigarrenfabriken, wie in Lohra, aktiven Steinbrüchen bis zur alten Wollweberei. Ebenfalls in der langen Liste auf tauchen das Fernheizwerk der Marburger Philipps-Universität oder die ehemalige Strumpffabrik in Neustadt und zahlreiche alte Eisenbahnviadukte – etwa das in Angelburg-Frechenhausen oder in Bad Endbach. Viele der in der Sammlung gebündelten geschichtsträchtigen Standorte werden heute durch neue Nutzung und neue Schwerpunkte erhalten und so vor dem Verfall bewahrt, etwa als Teil der lokalen Gastronomie mit besonderem Ambiente, als Museum, Behörde oder Freizeit-Einrichtung.

Neben App und Homepage wurden über das Projekt auch zielgruppengerechte Flyer erstellt, die, nach Schwerpunkten unterteilt, verschiedene Orte kurz beschreiben und wie diese erreicht werden können, zu Fuß, per Rad oder auf dem Wasser. Mit den Flyern durch die Lande wandern und seine Favoriten erkunden, lässt sich indes nicht, es gibt keine Karte. Dafür seien es einfach zu viele Orte, um sie in ein Faltblatt zu packen. Ohne App geht es also nicht.

28 Standorte erhalten Schilder

Finanziert wurde das rund 100 000 Euro teure Projekt über EU-Mittel, die Kofinanzierung von rund 50 000 Euro übernahmen die Landkreise Marburg-Biedenkopf, Gießen, Lahn-Dill, Vogelsbergkreis und die Städte Marburg, Gießen, Wetzlar und Limburg zusammen mit dem IHK-Verbund Mittelhessen und dem Verein Mittelhessen.

Um auch von außen auf die kulturelle Bedeutung der Gebäude aufmerksam zu machen, erhielten 28 ausgewählte Industrie-Orte über das Projekt Hinweisschilder. Darunter etwa der Güterbahnhof in Fronhausen oder das Rathaus in Cölbe. Zwar wieder analog, aber auch mit QR-Code versehen, so dass sich Passanten auf die Schnelle weitere Informationen über das Bauwerk Industriekultur „to go“ mitnehmen können. 

Von Ina Tannert

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