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Marburg Eintauchen in eine andere Welt
Marburg Eintauchen in eine andere Welt
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19:35 12.09.2021
Impressionen vom Mittelaltermarkt mit dem Kreuzritter Wulfric von Erfesfurt und dem Wikinger Thorstein.
Impressionen vom Mittelaltermarkt mit dem Kreuzritter Wulfric von Erfesfurt und dem Wikinger Thorstein. Quelle: Uwe Badouin
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Marburg

„Wir sind froh, nach zwei langen Jahren endlich wieder einen Markt zu haben“, sagt Chantal Seidel. Die 22-Jährige gehört zu der Marburger Söldnergruppe Lupa Alba. Direkt am Eingang zum Mittelaltermarkt im Schlosspark haben sie gemeinsam mit ihren Freunden von der Korbacher Gruppe Strack Duer ihr Lager aufgeschlagen.

Seit 2008 gibt es Lupa Alba und Chantal Seidel ist dabei, seit sie ein Kind war. Ihr Vater Michael (55) hat sie mit dem Mittelaltervirus infiziert. Michael Seidel hat einen Künstlernamen. Auf dem Gelände im Schlosspark heißt er Michel du Moulin du Monastere. Er ist Anführer der Normannen-Gruppe.

Lupa Alba und Strack Duer sind bei Weitem nicht die Einzigen, die nach der langen Pandemiepause den Marburger Mittelaltermark herbeigesehnt haben. Sechs Gruppen – vor allem aus Hessen – haben dort ihre Lager aufgeschlagen. Ihnen gemeinsam ist das Interesse an einer Zeit zwischen 500 und 1500, die oft als dunkles Mittelalter bezeichnet wird. Viele suchen sich bestimmte Zeiten aus, versuchen nach Möglichkeit zumindest in diesen kleinen Auszeiten sich so zu kleiden und so zu leben wie die Menschen in dieser Zeit. Lupa Alba etwa hat die Normannen der Zeit zwischen 1150 und 1200 gewählt.

Die Kleider werden selbst genäht, Rüstungen, Zelte und Waffen entweder selbst hergestellt oder gekauft. Chantal Seidel etwa schläft in einem einfachen, aber stabilen Zelt auf einem selbst gebauten Bett, auf der eine Decke aus Kaninchenfell legt. „Da schläft man super“, sagt sie.

Was reizt sie daran, in diese, uns Menschen des 21. Jahrhundert doch sehr fremde, Welt des Mittelalters einzutauchen? „Mal aus dem Alltag auszusteigen, fern von Handy und Auto, das Zusammenleben in den Zeltlagern“ fasziniere sie, erzählt sie, während ihr Bruder wenige Meter entfernt in einer Eisenpfanne Brot über offenem Feuer backt. Tomaten, Paprika und Kartoffeln sind übrigens tabu, die gab es damals in Europa noch nicht. Getrunken wird Wasser, Met, Wein und Saft.

Wenige Meter weiter ist der Stand von Jos vom Eichsfeld aus Duderstadt. Dort können Interessierte unter anderem mit einer Armbrust schießen oder sich in sein Teufelswerk wagen, in dem Fallbeile schwingen. Dirk Weber (50) gehört zu seiner Gruppe. „Für mich ist das ein Weg zurück in die Vergangenheit“, sagt er. „Bei solchen Treffen entkomme ich für einige Tage der Überflutung durch die modernen Medien. Man ist aufs Minimum beschränkt und trotzdem glücklich.“

Glücklich wirken auch Wulfric von Erfesfurt und Thorstein, zwei große, bärtige Männer, die Seite an Seite über den Markt schlendern. Beide tragen fantastische Kostüme: Wulfric ist auf Mittelalter-Events ein Kreuzritter und Thorstein ein Wikinger und beide würden wohl auch damals so durchgehen.

Marktstände versorgen Besucher mit Met, Wein und Schwertern

Einen Marktbetrieb gibt es natürlich auch: Stände mit Met, Wein und eine Hanf Bäckerey, Stände, in denen man Holzschwerter für Kinder und richtig scharfe Schwerter und Messer für Erwachsene kaufen kann. Die Händlerinnen und Händler leben davon. „Sie hatten eine schwere Zeit“, sagt Manfred Herbold (61). Er ist mit einem Freund aus Kassel für einen Tag angereist – als Merowinger aus der Zeit Karls des Großen. Beide Mittelalterfans sind froh, dass es den Markt wieder gibt. „Der Marburger Markt hat eine gute Mischung, hier wird auch für Kinder sehr viel angeboten“, sagt Herbold. So wie er und sein Freund sind am Samstag und Sonntag hunderte Besucher eingetaucht in diese Welt des Mittelalters und hatten ihren Spaß.

Ganz auf die Annehmlichkeiten unserer Tage mag Manfred Herbold aber nicht verzichten. „Ganz ehrlich – nach zwei, drei Tagen Mittelalter freue ich mich doch auf ein warmes Bad oder eine warme Dusche zu Hause“, sagt er lachend.

Von Uwe Badouin

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