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Marburg Warnstreik am Universitätsklinikum Marburg
Marburg Warnstreik am Universitätsklinikum Marburg
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20:58 08.12.2020
Streik am UKGM in Marburg: Mitarbeiter übergeben Wunschzettel an die Geschäftsführung.
Streik am UKGM in Marburg: Mitarbeiter übergeben Wunschzettel an die Geschäftsführung. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Tosender Applaus für die Geschäftsführung und ein Auftritt des Weihnachtsmannes: Mit einer ironisch gemeinten Aktion haben Beschäftigte des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM) sowie Vertreter der Gewerkschaft Verdi gestern ihren Forderungen Nachdruck verliehen.

Zum Auftakt ihres zweitägigen Warnstreiks am Marburger Standort des UKGM, der an diesem Mittwoch fortgesetzt wird, übergaben sie der Geschäftsführung Hunderte Wunschzettel. „Die Beschäftigten haben ganz viele Wünsche, die der Weihnachtsmann nicht alleine erfüllen kann“, sagte Radiologie-Assistentin Ina Trampe. „Es geht nicht nur um mehr Urlaubstage und Geld, sondern auch um Respekt.“

Die Gewerkschaft Verdi fordert für die Beschäftigten unter anderem Corona-Prämien sowie eine bessere Eingruppierung bestimmter Berufe. Dabei geht es unter anderem um Physiotherapeuten, Medizinisch-Technische Laborassistenten, Medizinisch-Technische Assistenten für Funktionsdiagnostik sowie Beschäftigte im Patiententransport, wie Verdi-Fachsekretär Fabian Dzewas-Rehm der OP sagte. Seit zwei Jahren verhandle Verdi mit dem Klinikum darüber. „Deshalb ist es gerade in der Pandemie wichtig, zu zeigen: Ohne die Betriebswirtschaftler würde das Uni-Klinikum auch laufen, aber ohne euch nicht“, rief Dzewas-Rehm den Streikenden zu.

Der Ärztliche Geschäftsführer Prof. Dr. Harald Renz hatte im Vorfeld kritisiert, durch den Warnstreik in der Corona-Pandemie werde die Patientenversorgung „unnötigerweise gefährdet“. Verdi-Vertreter widersprachen dieser Aussage. „Wir kennen unsere Verantwortung. Durch den Warnstreik wird kein Patient gefährdet“, betonte Peter Ducke, freigestellter Betriebsrat, im Gespräch mit der OP. Es gebe Notdienst-Vereinbarungen, zudem würden Intensivstationen und Bereiche, in denen besonders Corona-Patienten behandelt werden, nicht bestreikt.

Ducke schätzte, dass an der Kundgebung am Dienstagmorgen mehr als 200 Beschäftigte teilnahmen. UKGM-Sprecher Thomas Steiner sagte aber auf Anfrage der OP, Auswirkungen des Streiks seien im Klinikum nicht spürbar gewesen.

Warnstreik geht weiter, neue Gespräche im Januar

Bei der Kundgebung vor einem Eingang des Klinikums kritisierten Radiologie-Assistentin Ina Trampe, OP-Krankenpfleger Frank Eggers und der DGB-Kreisvorsitzende Pit Metz die Privatisierung des Klinikums und den Verkauf an Asklepios. „Gesundheit ist keine Ware, mit Gesundheit darf man so keine Profite machen“, sagte Trampe. Mirja Blöhmer vom Landesvorstand des Vaskulitis e. V., eines Vereins von Gefäßrheuma-Patienten, dankte den Krankenhaus-Mitarbeitern für ihre Arbeit und überreichte eine Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen an die UKGM-Geschäftsführung. Verdi-Sekretärin Saskia Teepe richtete solidarische Grüße der Beschäftigten der Asklepios-Klinik in Lich aus. Robert Horn, IG-Metall-Vertrauensmann bei Bosch in Lollar, und Orry Mittenmayer von der Gewerkschaft NGG, bekundeten ebenfalls ihre Solidarität. Die marxistisch orientierte Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend hatte am Krankenhaus ein Transparent mit der Aufschrift „Gesundheit statt Profite“ aufgehängt.

Für die Geschäftsführung nahmen Dr. Gunther K. Weiß, Prof. Dr. Harald Renz und Dr. Sylvia Heinis die Forderungen der Beschäftigten entgegen. Weiß gab sich gesprächsbereit: „Ich bedanke mich für den Einsatz, den Sie jeden Tag bringen“, würdigte er die Arbeit der Beschäftigten.

Im Januar sollten die Tarifgespräche fortgesetzt werden, versprach er. Das UKGM sei aber Teil eines neuen, großen Unternehmens und durch die Corona-Pandemie in einer schwierigen Lage.

An diesem Mittwoch wollen die Streikenden vor die Marburger Büros von CDU und Grünen ziehen. Die schwarz-grüne Landesregierung habe bei der Situation im Klinikum eine Schlüsselrolle, sagte Verdi-Fachsekretär Dzewas-Rehm.

Von Stefan Dietrich

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