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Marburg Traumjob Erzieherin
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12:00 15.07.2022
Sarah Allig (von links), Kita-Leiterin Bettina Witt-Weber und ihre Stellvertreterin Katrin Möller.
Sarah Allig (von links), Kita-Leiterin Bettina Witt-Weber und ihre Stellvertreterin Katrin Möller. Quelle: Andreas Schmidt
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Niederweimar

Es ist eine Erfolgsgeschichte: Seit mehr als einem Jahrzehnt bieten der Bildungsträger „Arbeit und Bildung“ und die Käthe-Kollwitz-Schule in Kooperation eine Umschulung zu Erziehern an. Am 15. August startet bereits der 13. Jahrgang. „Das Besondere ist, dass die dreijährige Ausbildung in Teilzeit stattfindet“, sagt Sarah Allig vom Bildungsträger. So lasse sie sich gut in Lebenssituationen der Umschüler integrieren. Hinzu kommt noch das Anerkennungsjahr. „Und dann sind die Teilnehmenden staatlich anerkannte Erzieher.“

Dass man mit dieser Umschulung weit kommen kann, zeigt Katrin Möller: Mit 33 Jahren absolvierte sie die Umschulung. Das war vor zehn Jahren – mittlerweile ist sie stellvertretende Leiterin der Evangelischen Kita „Abenteuerland“ in Niederweimar. Warum hat sie die Umschulung absolviert?

„Ich habe in Marburg Diplom-Geografie studiert, habe danach in Frankfurt gearbeitet“, erzählt sie. Aufgrund der Familienplanung habe sie den Beruf jedoch aufgegeben, „denn das war mit einem Kleinkind nicht möglich“. Sie fand zwar einen Job in der Region, bekam kurz darauf jedoch noch Zwillinge – und stand berufsmäßig wieder auf der Straße.

„lch habe mir gedacht, dass ich jetzt etwas mit Hand und Fuß mache“, erzählt Katrin Möller. Denn eigentlich hatte sie seinerzeit Diplom-Pädagogik studieren wollen. „Doch der Numerus clausus lag damals bei 1,4 – den hatte ich nicht.“ Also absolvierte sie das Studium zur Diplom-Geografin, „weil ich in die Entwicklungshilfe gehen wollte“. Das habe nicht geklappt. „Also bin ich zur Arbeitsagentur gegangen und habe gezielt nach einer Umschulung zur Erzieherin gefragt.“ Mit Menschen habe sie von jeher gerne arbeiten wollen, „ich bin sehr empathisch“. Mittlerweile sagt Katrin Möller: „Es ist meine Berufung, Erzieherin zu sein. Ich finde es toll, Kinder bei ihrer Entwicklung zu begleiten, sie zu unterstützen und zu fördern.“

Erstmal als Entwicklungshelferin nach Afrika

Aber warum hat sie diesen Berufsweg nicht direkt nach der Schule eingeschlagen? „Das hatte ich nach dem Abitur nicht auf dem Schirm, dass ich ja direkt eine Ausbildung hätte machen können“, sagt sie in der Retrospektive. „Außerdem habe ich mich als Entwicklungshelferin in Afrika gesehen“, sagt sie lachend.

Die Umschulung in Teilzeit sei für sie „der absolut richtige Weg“ gewesen, erzählt sie. „Meine Zwillinge waren damals gerade ein Jahr alt. In Vollzeit wäre die Umschulung da nicht möglich gewesen.“

Der Weg führte Katrin Möller übrigens direkt nach Niederweimar: Dort absolvierte sie während der Umschulung bereits eines ihrer Praktika, „und dann habe ich auch mein Anerkennungsjahr hier gemacht“. Doch war es ihr wichtig, alle Bereiche kennenzulernen. „Deshalb habe ich auch jeweils ein Praktikum in der Grundschule und in der Krippe absolviert.“ Danach stand fest: Im Kindergarten will sie arbeiten.

Der Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern ist weiterhin sehr groß. Kita-Leiterin Bettina Witt-Weber verdeutlicht: „Wir sprechen schon seit zwei Jahrzehnten vom Erziehermangel.“

Stellenwert in der Gesellschaft ist viel zu niedrig

Denn bei dem Thema gehe es nicht nur um Erziehermangel in Kitas, „sondern zum Beispiel auch in der betreuten Grundschule oder bei den Krippenplätzen, die immens ausgebaut werden müssen“.

Sowohl sie als auch Katrin Möller und Sarah Allig ärgert, dass sie in der Gesellschaft „immer nur als Kindergärtnerinnen oder die Spieletanten“ wahrgenommen würden. „Ich habe einen akademischen Abschluss und werde häufig gefragt, ob mir mein Beruf denn reicht“, erzählt Katrin Möller. „Nein, es reicht mir nicht nur – es macht mich absolut glücklich und zufrieden, als Erzieherin mit Menschen zu arbeiten“, beantwortet sie die Frage gleich selbst. „Ich finde, der Stellenwert von Erzieherinnen und Erziehern ist viel zu niedrig in der Gesellschaft angesehen.“

Bettina Witt-Weber fügt hinzu: „Ich glaube, die Arbeit an sich mit den vielen kleinen Bausteinen, die wir mit den Kindern erarbeiten, wie wir sie fördern – die gesamte Bandbreite dessen, was wir täglich für die kleinsten Mitglieder unserer Gesellschaft leisten, ist vielen überhaupt nicht klar.“ Denn die Kinder würden „schon ab dem ersten Lebensjahr bis hin zum Schulanfang begleitet – sie verbringen die meiste Zeit der Woche mit uns. Das wird nicht von allen wertgeschätzt“.

Die Umschulung

Wer die Umschulung in Teilzeitform erfolgreich abgeschlossen hat, ist „Staatlich anerkannte/r Erzieher/in“.

Im ersten Ausbildungsjahr findet modularer Unterricht bei „Arbeit und Bildung“ statt, im zweiten und dritten Ausbildungsjahr werden die Teilnehmenden an der Fachschule für Sozialpädagogik (Käthe-Kollwitz-Schule) unterrichtet und von „Arbeit und Bildung“ weiterhin begleitet, unterstützt und im Praktikumsplatz betreut.

Der nächste Kurs beginnt am 15. August. Infos gibt es bei Sarah Allig, Telefon 0 64 21 / 1 86 94 32, E-Mail: allig@arbeit-und-bildung.de und bei Laura Gasse, Telefon 0 64 21 / 1 86 91 58, E-Mail: gasse@arbeit-und-bildung.de

Von Andreas Schmidt