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Marburg Mit Wasserstoff soll die Energiewende gelingen
Marburg Mit Wasserstoff soll die Energiewende gelingen
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08:00 05.10.2021
Eine Wasserstoff-Tankstelle könnte im Landkreis schon bald Realität werden – als eines der konkreten „HyStarter“-Projekte.
Eine Wasserstoff-Tankstelle könnte im Landkreis schon bald Realität werden – als eines der konkreten „HyStarter“-Projekte. Quelle: Martin Schutt
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Marburg

Landkreis und Stadt wurden vor rund zwei Jahren vom Bundesverkehrsministerium als „HyStarter“-Region ausgewählt – als eine von neun Modellregionen in Deutschland und die einzige in Hessen. Heike Wagner vom Fachdienst Ländlicher Raum des Landkreises erläutert, dass man sich in den vergangenen beiden Jahren mit rund 60 Akteuren aus Unternehmen, Wissenschaft und Verwaltung vernetzt habe, „wir haben im Prinzip eine Art Werkstatt gegründet, um zu schauen, wie man in der Wasserstoff-Produktion ebenso wie in der Anwendung hier für die Region Potenziale heben kann“.

Entstanden sei unter anderem ein Technologiekonzept, das am heutigen Dienstag, 5. Oktober, ab 14 Uhr im Saal 6 des Cineplex-Kinos vorgestellt wird.

„Wasserstoff ist ein wesentlicher Baustein der Energiewende“, verdeutlicht Wagner. 2030 wollen der Landkreis und die Stadt Marburg klimaneutral sein. „Es geht also darum, wie wir Wasserstoff als Baustein bei uns in der Region einsetzen können“, sagt sie.

Fabian Kauffmann von den Stadtwerken Marburg erläutert, dass das kommunale Unternehmen ein „ureigenes Interesse“ an dem Thema Wasserstoff hätte. „Wir müssen technologieoffen denken“, erläutert er. Zwar setze man beispielsweise beim Thema Busflotte künftig auf Oberleitungsbusse. „Aber man kann ja das eine tun, ohne das andere zu unterlassen – also Wasserstoff durchaus mitdenken“, so Kauffmann. Denn es stehe fest: „Es gibt nicht das eine Allheilmittel oder den Königsweg, um die Energiewende zu erreichen – es ist vielmehr das Zusammenspiel von vielen Rädchen und dezentralen Bausteinen. Daher denken wir Wasserstoff als Element natürlich mit“, so Kauffmann.

Sei Wasserstoff vor der Teilnahme des Kreises an dem Projekt eher stiefmütterlich behandelt worden, so gebe es jetzt konkrete Ansatzpunkte. Denkbar sei beispielsweise, künftig bis zu 20 Prozent Wasserstoff dem in der Biogas-Anlage Cyriaxweimar produzierten Gas zuzusetzen – das habe dann einen bedeutend höheren Brennwert.

Doch wo soll der Wasserstoff herkommen? Da könnten unter anderem Photovoltaik-Anlagen, die aus der EEG-Förderung fallen, zum Einsatz kommen: Statt einer ins Unwirtschaftliche gesunkenen Einspeisevergütung könnten die Anlagen per Elektrolyse Wasserstoff herstellen. Aber: Auch Biogas-Anlagen, die aus der Förderung fallen, könnten profitieren – denn auch aus Biogas kann der sogenannte „blaue Wasserstoff“ hergestellt werden, Potenzial gebe es für rund 3 200 Tonnen im Jahr.

Arbeit beginnt nun erst richtig

Fabian Kauffmann verdeutlicht jedoch: „Am Ende von ,HyStarter‘ werden wir nicht ein technisches Gerät vorweisen können, das als Ergebnis des Projekts hier im Landkreis steht und mit dem wir Wasserstoff produzieren.“ Das sei aber auch nicht Zielsetzung des Projekts gewesen. Vielmehr wollte man „aus dem Tal der Ahnungslosen heraustreten“ – das sei durchaus gelungen, so Kauffmann. Man habe Ideen zur Nutzung oder Produktion von Wasserstoff identifiziert – in einem nächsten Schritt gelte es, diese zu konkretisieren und umzusetzen. Für das Folgeprogramm „HyExpert" habe man sich beworben, sei aber nicht zum Zuge gekommen. Man könne sich aber noch für „HyPerformer“ bewerben. Die Arbeit „war auf keinen Fall für die Katz“, so Heike Wagner.

Stefan Franke, Klimaschutzmanager des Kreises, sieht auch, dass die Arbeit nun erst richtig beginnt: „Wir wollen ein Wasserstoff-Netzwerk Mittelhessen auf den Weg bringen“, sagt er – und zwar gemeinsam mit den Landkreisen Gießen und Lahn-Dill. Für ihn steht fest: „Es ist wesentlich mehr möglich, wenn wir die Akteure zusammenbringen.“ Und: „Wasserstoff ist auch ein Thema für den ländlichen Raum.“ Denn dort – in der Fläche – könne der Energielieferant gut produziert werden, so ein Ergebnis des Projekts.

Relativ konkret werden könnte bereits eine Wasserstoff-Tankstelle, die von mit Wasserstoff betriebenen Lastwagen genutzt werden könnte. Und entstanden ist bereits ein Pixie-Comicbuch, das (nicht nur) Kindern erläutert, wo die Vorteile des Energieträgers liegen – und wie er hergestellt wird.

"Farbenlehre" für Wasserstoff

Je nachdem, aus was Wasserstoff gewonnen wird und woher der Strom kommt, gibt es unterschiedliche Namen.
Grüner Wasserstoff entsteht mit erneuerbaren Energien aus Wasser.

Grauer Wasserstoff dagegen wird aus fossiler Energie hergestellt, etwa aus Erdgas. Bei der Produktion einer Tonne Wasserstoff entstehen rund 10 Tonnen CO2 – kein guter Deal für das Klima.

Als blau wird Wasserstoff bezeichnet, wenn das CO2 gespeichert wird, also nicht in die Atmosphäre gelangt. Die Methoden dafür sind umstritten.

Türkiser Wasserstoff wird aus Methan gewonnen.

Von Andreas Schmidt

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