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Marburg Mit Schirm, Charme und Melone
Marburg Mit Schirm, Charme und Melone
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19:16 20.08.2021
Poetisch und artistisch zugleich: Die Wassernixe Linda Sander.
Poetisch und artistisch zugleich: Die Wassernixe Linda Sander. Quelle: Fotos: Thorsten Richter
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Marburg

Heute ist wohl – wettermäßig zumindest – der beste Tag der Woche, um das neue Varieté-Programm der Waggonhalle zu bestaunen. Vorab: Es ist wunderschön. Bei der Premiere am Donnerstagabend vor 150 Zuschauerinnen und Zuschauern Open Air vor der Waggonhalle lautete das Motto noch: Mit Schirm, Charme und Melone. Schirme hatte das Publikum dabei, denn bis kurz vor der Premiere nieselte und regnete es über Marburg.

Charme hatten alle Stars, die der Marburger Zauberer Juno als Gastgeber zu seinem 44. ZAC-Varieté-Programm seit dem Jahr 2000 eingeladen hatte. Und – nicht nur – mit einer Melone riss der Schweizer Star-Jongleur Kris Kremo die Zuschauerinnen und Zuschauer am Schluss zu Begeisterungsstürmen hin.

ZAC steht für Zauberkunst, Artistik und „Caninchen“ klärte die Moderatorin Michelle Spillner gleich zu Beginn auf – und versetzte zum Vergnügen des Publikums kurzerhand ihr weißes Hand-Kuschel-Kaninchen in tiefe Hypnose. Michelle Spillner führte mit viel Witz durch ein Programm, das den Zuschauerinnen und Zuschauern mehr als einmal ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Was will man mehr in dunklen Pandemie-Zeiten.

Dem Publikum machte sie auch gleich klar, was von ihm erwartet wird: In anderen Städten rissen sich die Zuschauer in der Regel vor Begeisterung die Kleider vom Leib und wälzten sich vor Freude vor der Bühne am Boden. Aber das Marburger Publikum sei ja bekannt und berüchtigt für seine geradezu extatischen Reaktionen. Also: Bühne frei und legt los, so ihre Aufforderung. Sie warte.

Starjongleur Kris Kremo begeistert das Publikum

Den Zuschauern war es dafür dann doch ein wenig zu kalt und zu nass am Premierenabend. Eine Besucherin hatte nicht nur Schirm, Decken, dicke Jacken, sondern auch noch eine Wärmflasche mitgebracht. Sie sei an der Ostsee aufgewachsen, kenne schlechtes Wetter und wisse, wie man sich dagegen wappne, sagte sie lachend. Den Schirm brauchte sie später dann doch nicht, denn pünktlich zum Start des Programms hörte der Dauerregen des Sommers 2021 auf, tief im Westen war sogar ein Hauch Abendsonne zu erahnen.

Neben Moderatorin Michelle Spillner, die noch einen mitreißenden und urkomischen Auftritt als zaubernde und trinkfeste Weinkönigin hat, treten noch bis zum 29. August Gastgeber Juno, die italienische Hula-Hoop-Artistin Marianna de Sanctis, die Artistin Linda Sander und – wie schon erwähnt – der Schweizer Gentleman-Jongleur Kris Kremo auf.

Kris Kremo ist in Varieté-Kreisen eine Jongleur-Legende. Seine Weltkarriere als Solo-Jongleur startete er 1975 im Zirkus Krone in München, er arbeitete viele Jahre im Lido in Paris, zwölf Jahre in Las Vegas im Stardust-Hotel und trat mehrfach beim Internationalen Circus Festival in Monte Carlo auf. Viel mehr geht in dieser Branche nicht.

69 Jahre alt ist er inzwischen – doch sein Alter sieht der Zuschauer kaum und sein Handwerk beherrscht er nach wie vor wie kaum ein Zweiter. Er jongliert mit Hüten, mit Bällen, mit Quadern. Und dies mit einer würdevollen Eleganz, für die ihn das Publikum weltweit liebt. Und wenn ein Kunststück mal nicht klappt, dann macht er es eben so lange, bis der Zylinder-Rand auf der Zigarre landet, die er im Mund hat. Großartig.

Wunderbar chaotisch: Marianna de Sanctis

Juno präsentiert mit großer Fingerfertigkeit kleine verblüffende Tricks mit Karten oder mit Schnüren, die zu Tüchern werden, die sich in Bälle verwandeln, die wieder zu Tüchern werden. Nicht nachmachen sollte man den Trick mit den Schnüren zwischen beiden Ohren. Verblüffend.

Chaotisch, schräg, witzig – diese Attribute fallen dem Betrachter zu Marianna de Sanctis ein angesichts ihres temporeichen Kampfes mit den Hula-Hoop-Reifen. Bei ihr kreisen die Reifen nicht um die Hüfte, sie sind einfach überall – sogar in ihren langen Haaren.

Ebenso poetisch wie artistisch ist schließlich der Auftritt von Linda Sander, die ihre Handstandartistik als Wassernixe auf und in einer großen, gläsernen und bunt angestrahlten Wasserschüssel neben der Bühne präsentiert. Auch sie ist regelmäßig Gast in den großen deutschen Varietés. Gekonnt begleitet werden die Artistinnen und Artisten live von den Marburger Jazzrobots.

Weitere Vorstellungen sind am heutigen Samstag ab 20 Uhr, am Sonntag ab 18 Uhr sowie kommende Woche von Mittwoch bis Samstag ab 20 Uhr und am Sonntag ab 18 Uhr. Der Eintritt kostet im Vorverkauf 20 Euro (plus Gebühr), an der Abendkasse 25 Euro, Kinder bis 13 Jahren zahlen im Vorverkauf 10,50 Euro (plus Gebühr). Karten gibt es unter www.waggonhalle.de

Von Uwe Badouin