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Marburg Mit Maske als Marktverkäufer: Ganz schön heiß
Marburg Mit Maske als Marktverkäufer: Ganz schön heiß
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09:30 17.06.2021
Am Obst- und Gemüsestand reicht Verkäuferin Melanie Nauber ihrer Kundin Lia Pabst einen Topf mit Basilikum.
Am Obst- und Gemüsestand reicht Verkäuferin Melanie Nauber ihrer Kundin Lia Pabst einen Topf mit Basilikum. Quelle: Foto: Manfred Hitzeroth
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Marburg

Mittwochvormittag an einem warmen Sommertag mitten im Juni in der Frankfurter Straße im Marburger Südviertel: Vor dem „Café Lotte“ genießen im Außenbereich zahlreiche Gäste vor einem Capuccino oder einer Kleinigkeit die wiedergewonnene Freiheit ohne Mund-Nasen-Schutz. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sieht es ganz anders aus: Im gesamten Bereich des regelmäßig mittwochs und samstags stattfindenden Wochenmarkts herrscht in den Marktstunden Maskenpflicht für Kunden und Verkäufer.

Die Marktstände haben viel größere Abstände voneinander als vor der Pandemie, und auf der gesamten Länge sieht man Menschen mit Maskenschutz, die mit ihren Einkaufskörben oder Tüten von Stand zu Stand schlendern und dann ihre Einkäufe erledigen.

An einem Blumenstand ist Maria Raab im Einsatz. Sie schneidet gerade einen Blumenstrauß für eine Kundin zurecht. „Man hat sich mittlerweile daran gewöhnt“, sagt die Verkäuferin auf die Frage der OP, wie sie mit der Maskenpflicht zurechtkommt. Das bestätigt auch die Kundin. Diese meint aber, dass vor allem die Verkäufer an den Marktständen bedauernswert seien, denn sie müssten die Masken mehrere Stunden am Stück tragen.

Sie sei am Markttag am Stand von sechs Uhr morgens bis zwei Uhr mittags im Einsatz, bestätigt Maria Raab. Das sei auch unter den von der Sonne schützenden Schirmen ganz schön anstrengend. Zudem seien die Kunden, die eben auch eine Maske tragen müssen, manchmal kaum zu verstehen.

Die Maskenpflicht stelle schon eine Belastung für alle Verkäufer dar, sagt auch Patric Nauber, Chef am Stand vom „Früchtehaus Hannelore Nauber“, der einige Meter weiter seinen Platz hat. An dem großen Stand wird vorwiegend Obst und Gemüse verkauft. Es sind mehrere Verkäufer gleichzeitig im Einsatz, und der Abstand zwischen den Verkäufern und Kunden beträgt schätzungsweise meistens rund zwei Meter. Am Ende eines langen Markttages könne man schon heiser werden, weil man wegen des Masken-Schallschutzes noch lauter als sonst reden müsse, erzählt Melanie Nauber, die Frau des Chefs.

Dass jetzt über die Abschaffung der Maskenpflicht im Freien bundesweit debattiert wird, freut Patric Nauber vor allem aus Gründen der Praktikabilität. „Je schneller das weg ist, desto einfacher haben wir es“, erklärt er. Allerdings müsse man natürlich immer auf die Inzidenzzahlen schauen, schränkt er ein. Patric Nauber schätzt, dass sich rund 95 Prozent der Kunden am Wochenmarkt im Südviertel an die Maskenpflicht halten. Und das bestätigt sich auch durch eine Sichtprobe der OP am gestrigen Mittwoch.

Eine von denen, die sich bewusst nicht daran halten wollen, ist Sina Troeltsch. Sie steht maskenlos am Stand der Seelbacher Ziegenkäserei und unterhält sich mit Manuel Schwenzfeier. „Ich finde die Maskenpflicht im Freien generell überflüssig und eine Zumutung“, sagt Troeltsch. Schließlich hätten beispielsweise Aerosolforscher und andere Wissenschaftler nachgewiesen, dass die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Freien nicht notwendig sei für die Bekämpfung der Pandemie. Und so will sie die Maske eben auch nicht beim Einkaufen auf dem Wochenmarkt aufziehen.

Prinzipiell sieht das Schwenzfeier zwar ähnlich. Aus seiner Sicht sei es vor allem entscheidend, den richtigen Abstand zu wahren. An die Maskenpflicht auf dem Wochenmarkt hätten sich trotz aller Widrigkeiten die allermeisten Menschen trotzdem gewöhnt, auch wenn er es persönlich „superanstrengend“ finde.

Die Maskenpflicht, die an speziellen besonders bevölkerten Orten im Freien immer noch als Bestandteil der Corona-Schutzmaßnahmen gilt, ist bundesweit derzeit umstritten und steht auf der Kippe. Es gibt Befürworter wie den SPD-Politiker Karl Lauterbach, aber auch immer mehr Gegner.

Und wie sehen die Vorgaben für die Marburger Wochenmärkte aus? „Die Maskenpflicht auf den Wochenmärkten gilt noch unverändert – vorerst bis zum 30. Juni, dem Datum des Ablaufs der aktuellen Verordnung“, erläutert dazu Birgit Heimrich, Leiterin der Pressestelle der Stadt Marburg, auf Anfrage der OP.

Die Maskenpflicht werde nach wie vor kontrolliert – samstags zusätzlich unterstützt von zwei Mitarbeitern einer Securityfirma, die im Wechsel die Wochenmärkte auf dem Firmaneiplatz und in der Frankfurter Straße kontrollieren. „Die Mitarbeiter des Ordnungsamts berichten von einer guten Umsetzung der Maskenpflicht auf den Wochenmärkten“, so Heimrich.

Von Manfred Hitzeroth

16.06.2021
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