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Marburg Mit Live-Musik gegen den Corona-Blues
Marburg Mit Live-Musik gegen den Corona-Blues
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22:32 01.05.2020
Livekonzert mit Robert Oberbeck und Philipp Kalabis in der Druckerei der Oberhessischen Presse am 30.04.2020 Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Auch wenn Musiker seit bald drei Jahrzehnten im Geschäft sind, erleben sie gelegentlich noch etwas Neues. So auch dem Marburger Singer/Songwriter Robert Oberbeck. Der Vollblut-Musiker ist es in Marburg gewohnt, auch vor großem Publikum aufzutreten – aber mit seinem Partner Philipp Kalabis ganz allein auf einer Bühne, die in der Druckerei der Oberhessischen Presse aufgebaut war, das war für ihn ein „Abenteuer“, sagt Robert Oberbeck am Tag danach.

Vila Vita, flashlight, die Oberhessische Presse und mr/media hatten das ungewöhnliche Konzert organisiert und live gestreamt – als Auftakt einer Veranstaltungsreihe, die ein wenig Licht bringen soll in den grauen Corona-Alltag der Menschen, ein wenig Freude in schweren Zeiten.

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Oberbeck stellte vor allem Songs aus seinem neuen Album „Soul bullett“ vor. Die Nähe zu Bruce Springsteen kann er nicht verleugnen, will es auch gar nicht, und wer im heimischen Wohnzimmer beim Mittanzen die Augen schließt, wenn der Marburger einen Song von Springsteen spielt, der kann kaum einen Unterschied feststellen.

Oberbeck kann aber auch die leisen Töne, etwa in seinem Song von Anna und Theo Kreuz. Schüler der Gesamtschule Heskem hatten einst das Schicksal des Sinti-Geschwisterpaares in einem Projekt erforscht, das von den Nationalsozialisten ermordet wurde, und Robert Oberbeck hat es vertont und in sein Programm für den Auftritt in der Druckerei der Oberhessischen Presse eingebaut. Oberbeck kann auch Lokalkolorit – sein Song über den Richtsberg wurde vom „Publikum“ mehrfach nachgefragt.

Auch Kommentare aus anderen Ländern

Das „Publikum“ bestand in diesem Fall in erster Linie aus Zuhörern, die sich das Konzert über den Facebook-Kanal der Oberhessischen Presse oder über www.op-marburg.de streamten und während des Auftritts die Möglichkeit hatten, live zu kommentieren. Mehrere 100 Kommentare – darunter sogar aus Uruguay, Norwegen, England oder Israel – gab es auf diese Art und Weise, einen Teil gab OP-Redakteurin Nadine Weigel aus dem „Off“ an die Musiker weiter. „Das war ein ganz neues Ding für uns", sagte Oberbeck der OP gestern, der sich voll des Lobes über die Veranstaltung äußerte. „Ich hoffe, dass die Menschen so etwas wertschätzen“, fügte er hinzu. Er erinnerte im OP-Gespräch an das Los nicht nur von Musikern, die in Corona-Zeiten keine Auftritte vor Publikum absolvieren können, sondern auch von Kulturzentren oder Mitarbeitern von Firmen wie flashlight Veranstaltungstechnik, die wegen der Pandemie wenig Arbeit und entsprechend wenig Einnahmen haben.

Wertschätzung jedenfalls haben die Zuhörer des Konzerts online deutlich zurückgemeldet. „Zuuugaabe“ wär in den letzten zehn Minuten die am meisten gepostete Reaktion – das tat gut, gab Oberbeck anschließend zu, und selbstverständlich erfüllte er mit seinem Partner Philipp Kalabis diesen Wunsch. Ein Nutzer sprach anderen aus dem Herzen, als er in seinem Post schwärmte: „So schön war der Tanz in den Mai noch nie.“

Und dann gab es doch noch eine Offline-Reaktion: Ein Paar, das den Stream daheim verfolgt hatte, war so begeistet, dass sie kurzerhand zur Druckerei kamen, um sich live - mit Abstand - für das tolle Konzert zu bedanken.

Von Till Conrad

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