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Marburg Mini-Wiesen an Bushaltestellen
Marburg Mini-Wiesen an Bushaltestellen
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17:58 12.09.2019
Während in Utrecht mehr als 300 Bushaltestellen-Dächer mit Mini-Wiesen ausgestattet sind, gibt es in Marburg bislang insgesamt 2.783 Quadratmeter begrünte Dachfläche. Das soll in den nächsten Jahren deutlich mehr werden. Quelle: dpa/Archiv
Marburg

Klimarettung in kleinen Schritten: Eine niederländische Stadt hat es vorgemacht und findet in Klimanotstands-Zeiten nun einige Nachahmer. 

Vorbehaltlich der Kosten sollen demnach in Marburg die Dächer der Wartehäuschen an den vorhandenen wie künftig entstehenden Bushaltestellen begrünt werden.

Damit könne ein „wichtiger Beitrag zur Förderung der Biodiversität und zur Minderung der Folgen des Klimawandels“ geleistet werden, heißt es von SPD, BfM und CDU. So könne man gegen das Artensterben aktiv werden, ohne dass die begrünten Dachflächen besonders pflegeintensiv wären.

Gründächer auf elf kommunalen Gebäude

Das gelte prinzipiell für alle Dachflächen auf Gebäuden, Turn- oder Lagerhallen, weshalb Stadt und städtische Gesellschaften – also etwa Stadtwerke und Gewobau – „alle Flächen prüfen sollen, die für eine Begrünung infrage kommen, und hier auch eine Begrünung vornehmen“.

Bisher gibt es auf elf kommunalen Gebäuden – etwa auf einer Garage in der Sudetenstraße – 13 Gründächer. Größe: 2.783 Quadratmeter. Wie viele private Dachbegrünungen es gibt, ist nicht erfasst.

Das bestehende Förderprogramm für private Immobilieneigentümer soll zudem vereinfacht werden, indem Fristen für Antragstellung und Ausführung entfallen und Eigenleistungen bezuschusst werden könnten. Ziel ist, eine größere­ Zahl von begrünten Dachflächen im privaten Bereich zu erreichen.

Gründach-Kataster

„Im Gegensatz zu reinen Ziegel-, Kies- oder Metalldächern, die sich stärker energetisch aufladen, reflektieren­ Pflanzen Sonnenstrahlen kaum – ein gut nutzbarer Synergieeffekt“, erklärt Professorin Martina Klärle (Frankfurt), die das Marburger Gründach-Kataster vor mehr als drei Jahren entwickelt hat.

Es war zudem seinerzeit das erste „intelligente“ Gründach-Kataster Deutschlands. So funktioniert es: Immobilienbesitzer können auf der Internet-Seite www.marburg.­de einen Link anklicken und gelangen so zu einer Karte.

Dort können sie ­ihre Straße auswählen und ­sehen anhand der Farbe, welche Dächer sich gut oder weniger gut begrünen lassen. Das hängt vor allem von der Dachneigung ab. Flachdächer und Dächer mit maximal zehn Grad Neigung sind am besten geeignet.     

In diesem Jahr stehen 
15.000 Euro für Gründachzuschüsse im Haushalt zur Verfügung (OP berichtete).

Bezuschusst werden bis zu 50 Prozent der förderfähigen Kosten – dazu zählen etwa Substrat, Pflanzmaterial oder Drainage.

Vorbild für die begrünten Haltestellen ist – das hatte Linken-Landeschef Jan Schalauske zuletzt angeregt – das niederländische Utrecht, in dem 320 Wartehallen mit Bewuchs versehen sind – samt regelmäßig nötige Bewässerung.

Da die Dächer der Bushaltestellen nicht so hoch wie viele andere Flachdächer sind, herrschen durch wenig Wind und gute Sonneneinstrahlung laut Utrechter Stadtverwaltung „beste Voraussetzungen, um ­Insekten zusätzliche Nahrungsquellen zu geben“.

Die Mini-Wiesen filtern zudem Feinstaub aus der Luft und dienen als ­
Regenwasserspeicher, weshalb sie seltener gegossen werden müssen und sorgen an heißen Tagen für eine gewisse Abkühlung.

Stötzel: Tauglichkeit der Idee wird geprüft

Mit Leipzig gibt es mittlerweile den ersten deutschen Nachahmer, dort werden seit einem Monat 500 Bushaltestellen begrünt. In Düsseldorf, München und Teilen Nordrhein-Westfalens machen sich Kommunen auf denselben Weg.

Marburgs Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) verweist auf bereits laufende Probe-Pflanzungen auf städtischen Kleinbauten, deren Resultate „bislang erfolgreich“ seien. Ob die Bushaltestellen tatsächlich zur Begrünung taugen, werde geprüft.

Das Vorhaben würde sich in eine Serie von Klimaschutz-Schritten einreihen, die zuletzt gefasst wurden. So fasste das Stadtparlament auf FDP-Initiative jüngst den Beschluss, künftig bei Straßenbauarbeiten auf hellen ­Asphalt zu setzen.

von Björn Wisker