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Marburg Mineralogisches Museum bleibt weiter dicht
Marburg Mineralogisches Museum bleibt weiter dicht
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18:00 02.12.2021
Das Mineralogisches Museum in Marburg bleibt auch weiterhin geschlossen.
Das Mineralogisches Museum in Marburg bleibt auch weiterhin geschlossen. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Doch eine mögliche Öffnung des Museums ist auf der Prioritätenskala weiter nach hinten gerutscht. Bis 2024, also noch mindestens zwei weitere Jahre, wird das Museum definitiv dicht bleiben, erfuhr die OP jetzt bei einer Anfrage im Uni-Präsidium.

Eine Variante mit einem Aufzug als Anbau an dem denkmalgeschützten Bau war schon vor einem Jahr ausgeschlossen worden. Und für die Kosten von rund 700 000 Euro, die für den Einbau eines zweiten Fluchtwegs nötig wären, fehlt der Marburger Universität derzeit das Geld. Deswegen sind die von der Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause prinzipiell in Auftrag gegebenen Detailplanungen für den Einbau eines zweiten Treppenhauses in den hinteren Gebäudetrakt derzeit erst einmal auf Eis gelegt worden. „Es gibt nichts Neues zu verkünden“, erläuterte Uni-Kanzler Dr. Thoralf Held auf OP-Anfrage kurz vor dem zweiten Jahrestag der Schließung des Mineralogischen Museums.

Kurzfristig keine Lösung

Nach einer offiziellen Gefahrenverhütungsschau war Marburger Brandschützern im November 2019 aufgefallen, dass in dem historischen Bau ein zweiter Fluchtweg fehlt. Im Fall eines Brands könnten Besucher nur über die Wendeltreppe ins Freie fliehen. Bis zu einer Nachrüstung muss das Museum geschlossen bleiben.

Held hat im Präsidium jetzt von Krause die Verantwortung für das universitäre Bauwesen übernommen. Kurzfristig sehe er keine Lösung für das Mineralogische Museum, betonte er im Gespräch mit der OP. Mittelfristig könne es sein, dass die Planung in zwei bis vier Jahren abgeschlossen werden könne.

Auf Nachfrage der OP zu einem möglichen Zeitplan sagte der Uni-Kanzler, dass frühestens im Jahr 2024 mit einer Wiedereröffnung des Museums gerechnet werden könnte. Erst müsse aber die Finanzierung sichergestellt werden. Erst dann könne auch die konkrete bauliche Planung abgeschlossen werden.

Die dafür benötigte Bausumme von zunächst 500 000 Euro beruhe auf Schätzungen aus dem vergangenen Jahr. Bei der aktuellen Baukostensteigerung kämen aber wohl noch einmal rund 10 bis 15 Prozent hinzu, womit die Summe auf bis zu 700 000 Euro steigen würde.

Aktuell fehlt der Uni-Leitung vor allem das bereits zugesagte Landesgeld aus dem „Gute Zukunft“-Sicherungsgesetz des Landes Hessen. Darin waren für die Universität Marburg 18 Millionen für die energetische Modernisierung von technischen Gebäuden vorgesehen gewesen. Nachdem das Gesetz wegen der Nichtbeteiligung des Landesparlaments für verfassungswidrig erklärt worden sei, seien erstmal alle Maßnahmen gestoppt worden, betont der Kanzler.

Für die bereits in Auftrag gegebenen Vorhaben müsse nun das Geld aus den restlichen Etats der Universität bereitgestellt werden. Beim Thema Bauen hätten zudem die für Forschung und Lehre essenziellen Projekte Vorrang, betonte Held.

Prioritäten setzen

„Das ist eine sehr unbefriedigende Situation für die Universität“, gestand der neue Uni-Kanzler ein. Er warb aber um Verständnis dafür, dass die Hochschule in der schwierigen Lage Prioritäten setzen müsse. Es bleibe das Ziel der Hochschulleitung, das Mineralogische Museum wieder zu öffnen. Parallel solle ein Konservator, der ab dem 1. Januar 2022 eingestellt sei, ein Gesamtkonzept entwickeln, wie man die Highlights aller Sammlungen der Universität zusammen präsentieren könne. Seit März 2020 ist der Geowissenschaftler Dr. Sebastian Müller Nachfolger des langjährigen Museumsleiters Dr. Peter Masberg. Müller bleibt weiterhin ein Direktor, der sein Museum nicht öffnen darf. „Das ist enttäuschend. Es kommt aber nicht überraschend“, sagte Müller auf OP-Anfrage. Er vermisst nach wie vor einen konkreten Zeitplan für die Wiedereröffnung des Museums. Es vergehe momentan kaum ein Tag, an dem nicht Anrufer nachfragen würden, wann das beliebte Museum wieder öffne.

Nicht sehr begeistert reagiert auch Volker Duda, Vorsitzender des Freundeskreises des Mineralogischen Museums: Angesichts des Umfangs der Sammlung sowie der Bedeutung für die Wissenschaft und der Beliebtheit bei Besuchern fordert Duda mehr Engagement für die Museumsbelange bei der Uni-Leitung.

Und er bringt den schon seit längerem leerstehenden Schäferbau – den historischen Bau vor der neuen Uni-Bibliothek – als mögliches Ausweichquartier ins Spiel. Dort könne man in einem angemessenen Ambiente zumindest einen Teil der Sammlung von Mineralien und Gesteinen präsentieren, regt Duda an.

Von Manfred Hitzeroth