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Marburg Museum bis auf Weiteres geschlossen
Marburg Museum bis auf Weiteres geschlossen
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19:58 14.01.2020
Das Mineralogische Museum (rechts) der Universität am Firmaneiplatz ist ein denkmalgeschütztes Gebäude. Aus Brandschutzgründen bleibt es derzeit bis auf Weiteres geschlossen. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Für alle Freunde des Mineralogischen Museums war es kurz vor dem Jahreswechsel eine überraschende Nachricht, dass das Mineralogische Museum am Pilgrimstein kurzfristig geschlossen wurde. Laut einer Pressemitteilung der Universität war der ausschlaggebende Punkt das Ergebnis einer Gefahrenverhütungsschau.

„So eine Schau wird in regelmäßigen Abständen durchgeführt“, erläuterte Andreas Brauer vom Fachdienst Brandschutz der Stadt Marburg die Vorgehensweise. Normalerweise gibt es dabei einen Abstand von fünf bis sieben Jahren.

Den Brandschützern war bei der Begehung im Museum aufgefallen, dass ein zweiter Rettungsweg fehlt, der im Brandfall ­eine Flucht ermöglicht. Die Museumsräume in den einzelnen Stockwerken sind nämlich nur über eine Wendeltreppe erreichbar. Die vergitterten Fenster des Museums sind zudem zu klein, als dass sie als Rettungswege genutzt werden können.

Uni-Präsidentin sucht Kompromiss

„Das ist jetzt ein baurechtliches Problem“, machte Brauer deutlich. Er sagte auch, dass die Entscheidung über eine zwischenzeitliche Schließung Angelegenheit der zuständigen Aufsichtsbehörde – in diesem Fall der bei der Stadt Marburg angesiedelten Bauaufsicht – gewesen sei.
Auch bereits vor der Begehung war dem Präsidium der Universität das prinzipielle Problem zwar bekannt. Jetzt hat sich die Sachlage allerdings entscheidend geändert.

„Wir wissen das jetzt offiziell“, sagte die Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause. Die bereits zuvor laufenden Gespräche mit der Denkmalpflege seien­ nun intensiviert worden, um ­eine kompromissfähige Lösung für die Schaffung eines zweiten Rettungswegs in dem denkmalgeschützten Bau zu schaffen.

Bau dient seit 1977 der Mineralogie

Aber auch im zeitlich schnellsten Fall werde es wohl keine schnelle Lösung des Problems geben. So werde das Mineralogische Museum kaum noch in diesem Jahr geöffnet werden können, machte die Präsidentin deutlich. Dennoch arbeite­ die Uni-Leitung derzeit mit den Denkmalschützern daran, aus mehreren Alternativen die beste Lösung für einen zweiten Fluchtweg zu erarbeiten.

Es ­gehe bei der Suche nach einer Lösung vor allem auch um die Frage, wie groß dabei der potenzielle Verlust an mittelalterlicher Bausubstanz sei. 1515 in der Nordwestecke des großen Gutshofes des Deutschordens erbaut, diente das Gebäude beinahe 300 Jahre als Kornspeicher und Backhaus und danach als Abstell-Lager. Seit 1977 wird der Bau als Mineralogisches Museum genutzt.

Sicherheit der Museumsbesucher geht vor

Wichtig sei, dass die Frage des optimalen Brandschutzes in dem Haus jetzt endlich angegangen werde, meint die Präsidentin. Das findet auch Bernd Höhmann, der Vorsitzende des Beirats der Balzer-Stiftung, die sich in der Vergangenheit um die Mitfinanzierung des Mineralogischen Museums verdient gemacht hat.

Höhmann erinnerte im Gespräch mit der OP daran, dass das Kunstmuseum der Universität in der Sanierungsphase sogar vier Jahre lang geschlossen gewesen sei. Jede mehrere Monate dauernde Schließung sei für Freunde des Mineralogischen Museums zwar bedauerlich, aber die Sicherheit der Museumsbesucher gehe vor.

Derweil läuft das Besetzungsverfahren für die Nachfolge von Professor Peter Masberg, dem zum Jahreswechsel pensionierten langjährigen Leiter des ­Mineralogischen Museums, auf Hochtouren. Falls ein neuer Leiter gefunden wird, wird er allerdings seine Museumsaufgaben zunächst einmal nicht im Licht der Öffentlichkeit ausüben können.

von Manfred Hitzeroth