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Marburg Kaufpreise schießen in die Höhe, Mieten steigen moderat
Marburg Kaufpreise schießen in die Höhe, Mieten steigen moderat
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20:58 30.05.2021
Neben Weiden- und Ockershausen einer der begehrtesten und teuersten Stadtteile: der Ortenberg.
Neben Weiden- und Ockershausen einer der begehrtesten und teuersten Stadtteile: der Ortenberg. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Der Traum von der eigenen Wohnung, vom eigenen Haus in Marburg lebt – und die Preise dafür steigen weiter an. Im Corona-Jahr 2020 hat es in der Universitätsstadt 672 Immobiliengeschäfte gegeben. Das liegt auf dem Niveau der Vorjahre. Besonders begehrt sind demnach weiterhin Eigentumswohnungen, 251 wechselten laut Bericht im vergangenen Jahr den Besitzer. Vor allem für Bestandsbauten gilt: Die Wertsteigerung ist hoch. Denn deren Quadratmeterpreis ist im Vergleich zum Jahr 2019 von 2 200 auf rund 2 500 Euro gestiegen. Bei Neubau-Verkäufen ist dieser um 150 auf 4 150 Euro geklettert.

Besonders in Cappel war es 2020 laut Immo-Bericht teuer, liegt der Durchschnittspreis – vor allem wegen Neubau-Vermarktungen – bei 4 230 Euro und somit deutlich über dem Kernstadt-Mittelwert von 3 175 Euro. Am günstigsten: Unterer Richtsberg mit 1 200 Euro. Gesamtwert aller Wohneigentumswechsel: 53 Millionen Euro.

Häuser und Bauland

Im Durchschnitt werden auch für alle Häuser im Stadtgebiet Rekordsummen fällig. Für ein Doppel- oder Reihenhaus wurden zuletzt im Schnitt 100 000 Euro mehr fällig also noch 2017. Der Mittelwert für ein freistehendes Haus liegt bei 429 000 Euro, weitere fünf Prozent mehr als 2019. Die Grundstückspreise für Wohn- und Mischflächen, also für baureife Flächen, haben sich in Cappel, Ockershausen, Marbach und Wehrda um 20 auf 360 Euro, in den Außenstadtteilen um 22 auf 150 Euro pro Quadratmeter gesteigert.

Ob Eigentumswohnungen, Häuser oder Bauland: „Der Trend zur Wertsteigerung geht nicht nur weiter, er verstärkt sich und schließt mehr Gebiete in der Stadt ein“, sagt Marius Thielemann, Vorsitzender des Gutachterausschusses in Marburg. Attraktiv zum Wohnen oder als Anlage – das gelte sowieso für die Kernstadt und seit längerem für die unmittelbar angrenzenden Stadtteile. Doch jüngst legten auch die Preise in Außenstadtteilen, speziell in den Dorfkernen zu. „Absolut außergewöhnlich“, nennt Thielemann den dort ermittelten Wohnbaugrundstückswert von plus 16 Prozent und verweist auf gänzlich gegenläufige Entwicklungen in anderen ländlich geprägten Gegenden.

Speziell im Haus-Preissegment bis zu 200 000 Euro – also jenem, das die meisten Normalverdiener noch am ehesten mit Krediten finanzieren können – verzeichne man im Zeitraum recht weniger Jahre „sehr hohe Verkaufspreis-Steigerungen“, sagt Thielemann. Ein Faktor von 1,5 sei keine Seltenheit. Die Bereitschaft, noch deutlicher und in allen Preissegmenten über Wert zu zahlen, sei in Marburg aber „in den extremen Ausprägungen weniger sichtbar“ als in Gießen, wo der zuständige Gutachterausschuss von „Überbezahlung als Regelfall“ spricht.

Durchschnittliche Kaufpreise nach Stadtteil: Kernstadt 492 000 Euro, im Vorjahr 104 000 Euro niedriger. Marbach 401 000 Euro, 53 000 niedriger als in 2019. In Cappel (364 000 Euro) und Wehrda (353 000 Euro) blieb das Niveau gleich, in Ockershausen gab es kaum Verkäufe, das dortige Verkaufssummen-Mittel lag bei 294 000 Euro. In den Außenstadtteilen wechselten 49 Wohnhäuser den Besitzer, vor allem in Michelbach, Moischt und Bauerbach, wo überall die 300 000-Euro-Marke deutlich überschritten wurde.

Eine finanzielle Unsicherheit durch die Corona-Pandemie sieht Thielemann zumindest in den 2020er-Zahlen für Marburg nicht. Der Befund sei vielmehr, dass die Nachfrage speziell in attraktiven Lagen viel höher sei als das Angebot und es weiterhin eine „Verlagerung ins direkte Umland“ gebe. Vor allem Familien wanderten in Nachbarkommunen ab, speziell in das direkt an die Stadt grenzende Weimar, wo Baugrundstücke und Eigenheime deutlich teurer geworden sind, mittlerweile die Schwelle von 4 000 Euro pro Quadratmeter geknackt ist (ein OP-Bericht zu Immobilienwerten im Landkreis folgt).

Mieten und Renditen

Während die Kaufpreise also deutlich steigen, ist der Anstieg der Mietpreise in den vergangenen drei Jahren moderater ausgefallen, liegt bei rund zwei Prozent. Am deutlichsten war der Anstieg mit fünf Prozent nahe dem Südbahnhof, im Hansenhausviertel. Am teuersten ist das Preisniveau laut Thielemann in Weidenhausen, Südviertel und am Ortenberg mit im Mittel bis zu 12 Euro plus.

Dass das Mietniveau zumindest bei Studenten-Apartments nach Jahren des Aufwärtstrends konstant zu bleiben scheint, deutete sich bereits in den vergangen zwei, drei Jahren an (die OP berichtete). Der Immobilienmarktbericht speist sich aus Daten aller Kaufverträge, die binnen eines Jahres abgeschlossen wurden.

Von Björn Wisker

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