In Marburg gibt es kaum noch Platz für neue Bauflächen für Wohnhäuser. Gleichzeitig steigt aber auch aufgrund der hohen Zahl von Studierenden die Anzahl der Single-Haushalte. Eine Lösung könnte eine neu Wohnidee aus den USA sein: Es sind Micro-Apartments, bei denen auf einer Fläche von rund 20 Quadratmetern alles in einem ist, wobei dann beispielsweise das Bett im Wandschrank verschwindet und die Herdplatte in der Schublade.Wäre es nicht eine Möglichkeit, beispielsweise mithilfe der Erweiterung von Gebäuden durch zusätzliche Stockwerke durch die Schaffung von Micro-Apartments in Marburg zusätzlichen Wohnraum auf engstem Raum zu schaffen?
Für den von den Vertretern der Rathaus-Koalition aus SPD, CDU und BfM eingebrachten Antrag gab es eine eindeutige Mehrheit. Dagegen sprach sich im Bauausschuss nur die „Marburger Linke“ aus, was zu einer angeregten und kontroversen Diskussion führte. Ausgehend von der Wohnungsmarktanalyse war die Idee für den Antrag entstanden, erläuterte Shaker Hussein (SPD). „Wir wollen moderne Wohnformen prüfen und das in einer sozial ausgewogenen Form“, sagte Hussein. Deswegen solle der Magistrat unter anderem auch bei der stadteigenen gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Gewobau sowie dem Studentenwerk nachforschen, ob die Idee der Schaffung von „Micro-Apartments“ auf Interesse stoße und realisierbar sei. „Es geht uns darum, den Wohnungsmarkt zu ergänzen“, betonte Hussein.
Keine Entlastung für den Wohnungsmarkt?
Auf einhellige Ablehnung stieß der Antrag bei den Linken. „Ich möchte nicht, dass das geprüft wird. Ich lehne diese Art von Wohnformen ab“, sagte Tanja Bauder-Wöhr (Marburger Linke). In den „Micro-Apartments“ werde das soziale Miteinander nicht mehr gepflegt, meinte ihre Fraktionskollegin Renate Bastian. In diesen „Schuhkartons“ gehe es um Segegration statt Integration. So sei diese Wohnform auf keinen Fall ein Modell für studentische Wohnformen. Zudem seien die Micro-Apartments eher Zweit-Wohnungen für Geschäftsleute oder eine Kapitalanlage. Sie stellten jedoch keine Entlastung des Wohnungsmarktes dar. „Ich könnte nicht befürworten, dass die Gewobau in diesen Markt einsteigt“, sagte Bastian.
Diese Bedenken teilte Christoph Ditschler (FDP) nicht. „Es könnte schon ein Bedarf für Micro Apartments in Marburg bestehen“, meinte Ditschler.Man müsse jetzt aber auch nicht befürchten, dass plötzlich in Marburg eine riesige neue Siedlung entstehe, in der man nur noch in Micro-Apartments wohne. Auf Anregung von Dr. Michael Weber (Piratenpartei), der dem Antrag beitrat, soll der Magistrat auch die Marktchancen für „Tiny Houses“ prüfen. Das sind Mini-Häuser, oft in Modulbauweise errichtet.
von Manfred Hitzeroth