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Marburg "Satirisches Feuer" gegen Lobbyismus
Marburg "Satirisches Feuer" gegen Lobbyismus
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10:00 29.03.2019
Michael Frowin tritt mit seinem Programm „Der Kanzlerchauffeur...bremst für Deutschland“ im KFZ auf. Quelle: Bernd Brundert
Marburg

Michael Frowin ist der „Chauffeur der Bundeskanzlerin“. Am 30. März steht er im KFZ auf der Bühne. Der OP gab er während einer Fahrtpause ein Telefon-Interview.
OP: Guten Tag Herr Frowin. Wie würden Sie Ihre Verbindung zu Marburg als gebürtiger Marburger beschreiben?
Michael Frowin: (lacht) Ich hatte eine sehr gute Zeit in Marburg. Ich habe eine Schule besucht, von der ich bis heute profitiere. Dort hat das Theaterspielen angefangen. Es gibt auch immer noch Verbindungen aus der Schulzeit mit Menschen, mit denen ich heute noch beruflich zu tun habe. Darum habe ich sehr positive Erinnerungen an Marburg. Und meine Eltern leben auch noch da. Ich freue mich, regelmäßig da zu sein.
OP: Als Kunstfigur sind Sie Kanzlerchauffeur. Wie sind Sie auf die Idee zu diesem Charakter gekommen?
Frowin: Es gibt seit 2010 die Fernsehsendung „Kanzleramt, Pforte D“, die ich zusammen mit Lothar Bölck im Mitteldeutschen Rundfunk (mdr) mache. Hierfür ist auch die Figur entstanden. Es brauchte einen Gegenpart zum Ostpförtner. Und einen, der mit Informationen von außen kommt. Da ist der Kanzlerchauffeur perfekt: Er hat das Ohr ganz nah an der Kanzlerin.
OP: Würden Sie auch einen anderen Kanzler oder eine andere Kanzlerin durch die Gegend fahren, wenn Frau Merkel nun doch vorzeitig zurücktreten würde?
Frowin: Selbstverständlich. Der Kanzlerchauffeur ist absolut käuflich und ihm ist es ganz egal, wer unter ihm Kanzler ist.

Einer von hier

Name: Michael Frowin

Geboren: 1969 in Marburg an der Lahn

Schule: Gymnasium Philippinum

Was macht er jetzt? Er ist deutscher Schauspieler, Kabarettist, Regisseur, Autor, Theaterleiter und Librettist. Regelmäßig ist er in der ­Satiresendung „Kanzleramt, Pforte D“ zu sehen.

Kommt er noch vorbei? „Meine Familie lebt in Marburg. Ich freu mich, regelmäßig da zu sein.“

O-Ton: „So zynisch wie das Kabarett, ist die Wirklichkeit alle Male. Das Kabarett kann gar nicht so zynisch sein, wie es Wirklichkeit und Politik sind.“     

OP: Was macht denn die Frau Merkel jetzt gerade so bei Ihnen im Auto?
Frowin: Gerade ist sie ja nicht in meinem Wagen, sonst könnten wir ja gar nicht telefonieren, das geht natürlich nicht gleichzeitig. Da muss ich dann schon zusehen, dass sie gerade eine Kartoffelsuppe kocht oder einen Pflaumenkuchen backt …
OP: Ihr Programm behandelt unter anderem unerwartete oder auch ungewollte Überraschungen. Was hat Sie zuletzt so richtig überrascht?
Frowin: Ich mach den Job jetzt schon so lange, und es überrascht mich immer wieder, wie wütend ich über gewisse Vorgänge werde und das ist dann vielleicht auch die Triebfeder, warum man als politischer Kabarettist auf die Bühne geht. Ob es jetzt aktuell die Äußerungen von Herrn Erdogan sind, bezüglich des Anschlags in Neuseeland oder die völlig misslungene Pointe von Frau Kramp-Karrenbauer beim Karneval. Es gibt schon immer Dinge, die mich richtig wütend machen und es ist durchaus verblüffend, dass dieses Gefühl mit der Zeit nicht weggeht.

Von Dieselskandal bis Glyphosat

OP: Woher kommen die Ideen für Ihre Witze und Pointen?
Frowin: In meinem neuen Programm geht es viel um Lobbyismus, um Verstrickungen, Politik und Wirtschaft. Das mache ich zum Beispiel am Dieselskandal oder am Fall Glyphosat fest. Da versuche ich zuerst Strukturen aufzudecken. So zynisch wie das Kabarett, ist die Wirklichkeit alle Male. Das Kabarett kann gar nicht so zynisch sein, wie es Wirklichkeit und Politik sind. ­Eigentlich ist es ja wunderbar. Ich drehe den Spieß um und kann mein satirisches Feuer rauslassen.
OP: Welche Zuschauer spricht Ihr Programm besonders an?
Frowin: Auf den Ravensburger Spielen stand früher immer von 6 bis 99 Jahren. (lacht) Sechs ist vielleicht jetzt sehr jung. Ich mach die Erfahrung, dass es ein wirklich bunt gemischtes Publikum ist. Und dass gerade auch ein junges Publikum sehr interessiert ist an Informationen, die man im Kabarett durchaus liefern kann.
OP: Worauf freuen Sie sich in Marburg besonders?
Frowin: Ich freu mich als ­Allererstes, dass ich im neuen KFZ spiele. Das alte KFZ in der Schulstraße erinnert mich total an meine Anfänge. Und in der Stadthalle habe ich mit der Theater AG vom Philippinum gespielt. Von daher freue ich mich sehr, das neue KFZ kennenzulernen und vielleicht ein paar Bekannte zu treffen.
OP: Also haben Sie auch noch vor, hier in Marburg privat noch Freunde und Familie zu treffen?
Frowin: Meine Familie ist dieses Mal ausgerechnet nicht da. Und meistens hat man auf Tour wenig Zeit. Aber am Vorabend gastiere ich in Friedberg, deshalb bin ich schon in der Gegend. Aber klar, ich nutze den Aufenthalt immer für einen Gang in die Oberstadt und freue mich, einfach ein paar Stunden da zu sein.

KFZ

Am 30. März steht Michael Frowin ab 20 Uhr im KFZ auf der Bühne: Vorverkauf: 20 Euro (plus Gebühr), Abendkasse: 24 Euro, ermäßigt 15 Euro (plus Gebühr)

von Julia Carp