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Marburg Die Luft ist fast rein
Marburg Die Luft ist fast rein
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16:00 15.03.2022
Die Luftmessstation in der Gutenbergstraße nimmt die „Hintergrundbelastung der Stadt“ auf.
Die Luftmessstation in der Gutenbergstraße nimmt die „Hintergrundbelastung der Stadt“ auf. Quelle: Gianfranco Fain
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Marburg

„Im vergangenen Jahr wurden in Hessen erstmals die Grenzwerte für Stickstoffdioxid eingehalten“, sagte Umweltministerin Priska Hinz, als das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie die Stickstoffdioxid-Messwerte für das Jahr 2021 präsentierte. Das war noch im Jahr 2014 ganz anders. Im Jahr darauf vermeldete die OP: „Schlechte Luft in der Universitätsstraße: An kaum einem anderen Standort in Hessen ist die Schadstoffbelastung durch Stickstoffoxide und Kohlenmonoxid so hoch wie in Marburgs Stadtzentrum.“ Die Grenzwerte wurden damals allerdings nicht erreicht.

Der Jahresmittel-Grenzwert für Stickstoffoxid liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Dieser Wert wird in der Universitätsstadt Marburg seit dem Jahr 2017 nicht mehr überschritten, teilt Stefanie Ingwersen von der Pressestelle der Stadt auf Anfrage mit. Um die Qualität der Luft und deren Schadstoffwerte in der Universitätsstadt zu überwachen, betreibt das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) vier Luftmessstationen. Zwei in der Universitätsstraße und eine in der Bahnhofstraße erfassen die Emissionen durch die verkehrliche Belastung, die vierte in der Gutenbergstraße registriert die „Hintergrundbelastung der Stadt“.

Wenn Werte nicht eingehalten werden, drohen Fahrverbote

Werden diese Werte aber überschritten, drohen drastische Konsequenzen. Die Luftreinhaltepläne für Limburg und Frankfurt sehen zum Beispiel Fahrverbote für bestimmte Straßen vor, die dann in Kraft treten, wenn der Mittelwert der vergangenen zwölf Monate über 41 µg/m³ liegt. Am entscheidenden Messstandort in Limburg betrug die mittlere Konzentration im vergangenen Jahr 39,9 µg/m³, während an der Mainzer Landstraße in Frankfurt laut HLNUG mit 38,8 µg/m³ schon eine relativ deutliche Grenzwerteinhaltung zu verzeichnen war.

Auch im Luftreinhalteplan für das Gebiet Mittel- und Nordhessen aus dem Jahr 2016 sind Möglichkeiten aufgeführt, um die Messwerte zu senken. Einige werden laut Stefanie Ingwersen bereits angewandt oder sollen bald umgesetzt sein. Dazu gehören zum Beispiel, dass die Stadtverwaltung für das Zentrum die Umweltzone eingeführt hat, in der nur Fahrzeuge ab einem bestimmten Reinigungsgrad der Abgase verkehren dürfen. Weitere Ansatzpunkte wie das Einführen von Job-Tickets, dem Fördern des Kaufs von Elektrofahrrädern, das kostenlose Nutzen eines Fahrradverleihsystems, die Parkraumbewirtschaftung, das Aufstellen von Elektroladesäulen und die Installation von Mobilitätsstationen zum auch elektrischen Carsharing oder dem Fahrradverleih Nextbike trugen dazu bei, die Belastungen aus den verkehrlichen Emissionen deutlich zu reduzieren.

Weniger Luftbelastung durch Corona-Einschränkungen

Die Stadt wäre gut beraten, weitere Vorkehrungen zu treffen, um das Einhalten der Grenzwerte auch in Zukunft zu sichern. Dass dies nicht zwangsläufig geschieht, verdeutlicht eine Aussage des HLNUG-Präsidenten Professor Thomas Schmid zur Veröffentlichung der 2021er Zahlen: „Diese Entwicklung ist erfreulich – allerdings ist sie auch auf den geringeren Verkehr im Zuge der Corona-Restriktionen zurückzuführen. Ohne diese Corona-Effekte wären die NO2-Werte schon 2020 im Mittel um etwa 14 Prozent höher ausgefallen – das konnten wir anhand von Berechnungen nachweisen.“

Ministerin Hinz ergänzte: „Damit die Grenzwerteinhaltung sicher auch 2022 gelingt, appelliere ich an die Städte, ihre Mobilitätsangebote weiter zu verbessern.“ Die Bürger sollten aufs Fahrrad und die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen sowie die neuen Angebote der Städte nutzen und soweit möglich von Angeboten des mobilen Arbeitens Gebrauch machen.

Stickstoffdioxid-Werte

Die in Marburg registrierten NO2-Mittelwerte gingen an allen vier Messstationen im Vergleich von 2020 auf 2021 zurück:

Gutenbergstraße 18,9 auf 17,9 Mikrogramm pro Kubikmeter,

Bahnhofstraße 33,6 auf 30,8,

Universitätsstraße I 26,9 auf 25,2,

Universitätsstraße II 31,3 auf 29,1.

Von Gianfranco Fain