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Marburg Merkur und Venus am Morgenhimmel zu sehen
Marburg Merkur und Venus am Morgenhimmel zu sehen
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22:44 01.11.2020
Der Sternenhimmel über dem Landkreis im November. Quelle: Fotos: Reiner Boulnois;
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Marburg

Denn nachdem voriges Wochenende die Uhren um eine Stunde zurückgestellt wurden, kann die Beobachtung des Sternenhimmels in der Abenddämmerung schon vor 18 Uhr beginnen.

Da die Sonne die südlichsten Bereiche ihrer Jahresbahn durchläuft, verkürzt sich im Monatsverlauf die Tageslänge auf achteinhalb Stunden. Die Sonne befindet sich bis zum 23. November im Tierkreissternbild Waage, danach durchläuft sie eine Woche den Skorpion und wechselt am letzten Tag des Monats in den nicht zu den klassischen Tierkreissternbildern gezählten Schlangenträger.

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Im November durchläuft der Mond alle Phasen von der Vollmondnacht zu Monatsbeginn über Neumond zur Monatsmitte bis hin zum exakten Vollmondtermin am 30. An diesem Tag streift der Erdtrabant den Halbschatten der Erde. Da dies während des Tages geschieht, ist die geringe Abschattung der Mondoberfläche für uns nicht beobachtbar.

Die schmale abnehmende Mondsichel findet man in der Morgendämmerung des 12. November nahe der über dem Südosthorizont stehenden Venus. Am folgenden Morgen findet man den Mond zwischen Venus und dem dicht über dem Horizont stehenden Merkur. Nur bei sehr klarer Sicht ist am 14. November um etwa 7 Uhr die extrem schmale Mondsichel noch östlich von Merkur zu finden, wozu ein Fernglas helfen kann. Am 19. November passiert die dann zunehmende Mondsichel ab der Abenddämmerung die tief am Südwesthimmel sichtbaren auffälligen Riesenplaneten Jupiter und Saturn und bildet mit diesen ein Trio auffälliger Himmelsobjekte. In der Nacht vom 25. zum 26. November zieht der zunehmende Mond südlich am rötlichen Mars vorbei.

Im Monatsverlauf sind wieder einmal alle fünf hellen Planeten für das bloße Auge sichtbar. Merkur taucht ab der ersten Woche des Monats am Morgenhimmel auf und kann dann mehr als drei Wochen lang in der Morgendämmerung beobachtet werden.

Dagegen ist Venus immer noch sehr auffällig in ihrer Rolle als „Morgenstern“, die bis in den Januar andauern wird. Die Bedingungen zur Beobachtung beider Planeten zeigt die Grafik. Ihr kann man entnehmen, dass beide Himmelskörper unterschiedliche Helligkeiten (im Mittel ist Venus um das 20-Fache heller) erreichen.

Das liegt an den unterschiedlichen Planetengrößen, den Rückstrahleigenschaften einerseits der oberen Wolkenschichten bei Venus und andererseits der erheblich dunkleren festen Merkuroberfläche, den wechselnden Entfernungen beider von Sonne und Erde sowie den sich ändernden Anteilen der uns zugewandten, von der Sonne beleuchteten Planetenscheiben, was allerdings nur in Teleskopen beobachtet werden kann.

Dieser letzte Faktor ist für die Zunahme der Helligkeit Merkurs ausschlaggebend. Dass beide Planeten die Sonne innerhalb der Erdbahn umlaufen, lässt sich gut an den Positionsveränderungen innerhalb dieses Monats erkennen. Bei Merkur umfasst der betrachtete Zeitraum mehr als ein Viertel seiner Umlaufzeit (88 Tage) um die Sonne, deren Position unterhalb des Horizonts durch die Aufhellung ableitbar ist. Seine Bahn ist stark elliptisch, wodurch seine wahre Bewegung auffällig unterschiedlich ist: sehr viel rascher am Monatsanfang, wenn er der Sonne sehr viel näher steht.

Venus bis Januar sichtbar

Da er zudem zu diesem Zeitpunkt auch der Erde am nächsten steht, sind die Positionsänderungen zunächst am größten. Gegen Ende der Beobachtungsperiode verschwindet der lichtstärkere Merkur in der aufgehellten Morgendämmerung.

Für die hellere Venus ist aufgrund ihrer größeren Umlaufbahn eine größere Auslenkung möglich, sodass sie häufig am dunklen Himmel vor oder nach den Dämmerungen sichtbar ist. Allerdings zeigen ihre dargestellten Positionen, dass sie sich für irdische Beobachter ebenfalls langsam der Sonne nähert. Anfang 2021 wird auch sie in der Morgendämmerung überstrahlt werden. Der noch auffällige Mars ist am Nachthimmel in kleinen Teleskopen ein attraktives Beobachtungsobjekt.

Jupiter schnell unterwegs

Da die schneller um die Sonne laufende Erde sich rasch von unserem rötlichen äußeren Nachbarplaneten entfernt, verringern sich dessen Helligkeit sowie die Größe seiner Planetenscheibe. Dennoch sind jetzt noch viele Details auf seiner Oberfläche in Teleskopen zu erkennen. Dass sich Mars außerhalb der Erdbahn bewegt, ist daran zu erkennen, dass er nicht nur nahe der Dämmerungszeiten beobachtet werden kann.

Die beiden Riesenplaneten Jupiter und Saturn beenden allmählich ihre Beobachtungsperioden und sind in Teleskopen nach der AbenddämmErung kaum noch ansprechende Beobachtungsobjekte in Horizontnähe. Was aber nur alle 20 Jahre zu verfolgen ist, ist die rasche Annäherung von Jupiter, der der Sonne näher steht und sich daher schneller bewegt, an den Ringplaneten Saturn. Die sogenannte Große Konjunktion, der enge Überholvorgang, ist kurz vor Weihnachten in der Abenddämmerung zu sehen.

Die Milchstraße ist ohne überstrahlendes Mondlicht gut sichtbar und zieht sich vom Sternbild Adler über dem Westhorizont zur Cassiopeia (dem Himmels-W oder, je nach Blickrichtung, auch –M) im Zenit bis zum Osthorizont im Sternbild Fuhrmann. Tief über dem Südhorizont ist der helle Hauptstern Fomalhaut im Sternbild Südlicher Fisch zu erkennen.

Zudem ist bis zum Jahresende der Andromedanebel M 31, die Schwestergalaxie unserer Milchstraße in mehr als 2,5 Millionen Lichtjahren Entfernung, optimal zu beobachten. Sie kann schon relativ leicht mit bloßem Auge als verschwommener Nebelfleck erkannt werden. Weitere attraktive Beobachtungsobjekte sind das bekannte „Siebengestirn“ = Plejaden sowie der Doppelsternhaufen h und chi im Band der Milchstraße, schon in kleinsten optischen Geräten.

Von Reiner Boulnois