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Marburg Trainer „Im Mentalen steckt eine Macht“
Marburg Trainer „Im Mentalen steckt eine Macht“
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14:57 15.02.2020
Physiotherapeut und Mentaltrainer Tobias Fischer entwickelt mit seinen Klienten Strategien zur Selbsthilfe bei zu großem emotionalen Stress und Prüfungsangst. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Was Stress mit dem Körper macht, damit hat sich Tobias Fischer viele Jahre beschäftigt. Der Physiotherapeut hat jahrelang versucht, die Verspannungen von zähneknirschenden Patienten wegzumassieren. „Das nächtliche Zähneknirschen ist Stress- und Cor­tisolabbau. Dabei werden die Zähne mit einem Druck von bis zu 20 Kilogramm aufeinandergepresst. Das ist unglaublich!“, ist Tobias Fischer immer wieder erschrocken, was Stress und emotionaler Druck für Auswirkungen haben können. 

„Als Physiotherapeut kann ich gar nicht so viel massieren und einrenken wie ich den Patienten innerlich aufbauen könnte“, hat er festgestellt und sich spezialisiert. „Das vegetative Nervensystem kann ich nicht mit den Händen regulieren“, sagt er und ließ sich zum Mentaltrainer und Prüfungscoach ausbilden. In der Lahnstraße hat er sein „Institut für emotionale Regulation“ mit den Schwerpunkten Ängste und Burn-Out. Dabei ist Letzteres für ihn kein Resultat von Überarbeitung, sondern eher das Ergebnis der überbeanspruchten Menschenseele und zu vielem emotionalen Stress. 

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"Meistens krankt nur ein Teil und nicht das ganze Leben"

In nur zwei bis drei Sitzungen findet er heraus, ob sein Klient eher mit dem Kopf oder mit dem Herz oder mit dem Bauch Entscheidungen trifft. Für jeden Typ gibt es Hilfen in der Körpersprache, wie beispielsweise die Merkel-Raute, die eigentlich ein Speer ist und die Kanzlerin als Bauchmensch beschützt. Wenn die Raute flach gehalten wird, dann ist die Situation entspannt. Wird damit wie ein Speer auf das Gegenüber gezielt, dann ist das ­eine Schutzfunktion. 

Wie genau­ diese helfen können bei wichtigen ­Gesprächen, in Prüfungen­ oder auch im Alltag – all das erklärt der Mentaltrainer und Prüfungs­coach in den Sitzungen. Dabei betont er, dass er kein Psychotherapeut ist, sondern ein Trainer. „In meiner Arbeit geht es um Spür- und nicht um Denkprozesse“, erklärt er. „Es geht um die innere Haltung, um die emotionale Regulierung. Vieles läuft unterbewusst ab. Aber eins ist klar: im Mentalen steckt eine Macht.“ Nicht umsonst haben Profisportler seit vielen Jahren einen Mentaltrainer. 

Doch es geht nicht nur darum, sich in bestimmten Situationen besser fokussieren zu können. „Es geht auch darum, den eigenen Blickwinkel mal zu verändern, einen Perspektivwechsel vorzunehmen“, sagt Tobias Fischer. Denn oft werden Vorwürfe, Zwiespaltigkeit oder die Erwartungshaltung zur Belastung. Egal, ob bei einem selbst, in der Familie, im Job oder im Privatleben. „Meistens krankt nur ein Teil und nicht das ganze Leben. Wenn es im Job nicht läuft, dann vielleicht aber in der Familie. Und genau das finden wir heraus und schulen so die eigene Wachsamkeit.“

von Katja Peters

Steckbrief

Tobias Fischer beendete 1997 seine Ausbildung zum Masseur und medizinischem ­Bademeister. 2001 legte er das Examen zum Physiotherapeuten ab. Jährliche Weiterbildungen in allen Physiotherapie-Bereichen folgten. 2016 eröffnete er in Kirchhain seine eigene Praxis. Schon ein Jahr später begann seine Ausbildung zum Mentaltrainer und Prüfungs-coach, die er mit dem Zertifikat Prozess- und Embodimentfokussierter Psychologie (PEP) abschloss. Seit 2018 ist er Prüfungscoach für die Fachhochschule der Wirtschaft.

In der Suchthilfeeinrichtung „Die Fleckenbühler“ arbeitet er seit 2019 ehrenamtlich mit den Bewohnern als Mentaltrainer (Selbstwert-Training). 2020 gründete der gebürtige Berliner das Institut für emotionale Regulation in Marburg an der Lahnstraße mit den Schwerpunkten Ängste und Burn-Out. In nur drei Schritten wird ­herausgefunden, welcher Entscheidungstyp der Klient ist, auf welchem Teil der Persönlichkeit der Stress liegt und welche emotionalen Blockaden vorliegen. Beim Prüfungs-coaching und beim Mentaltraining kommen unter anderem PEP-Instrumente wie Klopftraining zum Einsatz. Weitere Informationen hier.

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