Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Mehr Verkehr auf der Stadtautobahn
Marburg Mehr Verkehr auf der Stadtautobahn
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:00 20.04.2018
Immer stärker belastet: die Stadtautobahn. Archivbild: Tobias Hirsch
Archivbild: Die Stadtautobahn wird immer stärker belastet. Quelle: Tobias Hirsch
Anzeige
Marburg

Al-Wazir spricht in einem Schreiben an die heimische Landtagsabgeordnete Angela Dorn (Bündnis 90/Die Grünen) von einer unterschiedlichen Rechtsauffassung zwischen den Verkehrsministerien in Berlin und Wiesbaden.
Danach sei der Erlass des hessischen Verkehrsministers vom Sommer 2016 außer Kraft gesetzt worden, der die Herabsetzung der Grenzwerte sowohl für die Verbesserung des passiven Lärmschutzes wie beim aktiven Lärmschutz um drei Dezibel angeordnet hatte.
Am Freitag nun setzen sich die Verkehrsminister von Bund und Ländern mit dieser Streitfrage­ auf Antrag von Hessen auseinander.

Al-Wazir argumentiert in ­einem Schreiben an seinen ­Berliner Amtskollegen Andreas­ Scheuer (CSU), das der OP vorliegt, mit den Ergebnissen der Lärm-Studie NORAH (Noise-­Related Annoyance, Cognition­ and Health, zu Deutsch etwa:­ „Zusammenhänge zwischen Lärm, Belästigung, Denkprozessen und Gesundheit“), die bisher umfangreichste Untersuchung zum Thema Lärmwirkung.

Bis zu 44.000 Fahrzeuge pro Tag

Die Ergebnisse wurden bereits im Oktober 2015 der Öffentlichkeit vorgestellt: Das ­Risiko für einen Herzinfarkt, ­einen Schlaganfall oder Herzinsuffizienz ist schon bei einem Lärmpegel von 50 Dezibel (A) deutlich erhöht und steigt mit zunehmendem Lärmpegel weiter an. Trotz der Anbringung von Flüsterasphalt auf der Straße zwischen Marburg-Mitte und Marburg-Süd und von Lärmschutzwänden hat sich die Belastung durch den Verkehr in den vergangenen Jahren wohl noch einmal deutlich erhöht.

Das legen jedenfalls die bisher unveröffentlichten Zahlen der letzten Verkehrszählung nahe, die Al-Wazir Angela Dorn auf deren Anfrage hin mitteilte: Danach ist die Zahl der Fahrzeuge zwischen Niederweimar und der Anschlussstelle Marburg-Süd zwischen 2010 und 2015 von 27.906 auf 34.394 gestiegen; zwischen den Anschlussstellen Süd und Mitte gibt es einen leichten Rückgang von 40.388 auf 40.161 Fahrzeugen; zwischen den Anschlussstellen Mitte und Nord stiegen die durchschnittlichen Fahrzeugzahlen pro Tag von 40.177 auf 44.195. Schließlich stieg auch die Fahrzeugzahl zwischen Marburg-Nord und der Abfahrt Wehrda/Cölbe von 36.652 auf 40.835.

Geschwindigkeitsbegrenzung für Lärmreduzierung

Das Land hat nun aufgrund dieser Zahlen neue Lärmberechnungen angestellt. Wie Al-Wazir in seinem Schreiben an die heimische Abgeordnete mitteilte, sind an der Cappeler Straße an sieben Mehrfamilienhäusern nachts Lärmemissionen von 62 Dezibel (A) gemessen wurden.
Dieser Lärmpegel könnte sich durch eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 60 Dezibel (A) reduzieren und damit auf die erlaubten Grenzwerte zurückführen.

Die Crux: Direkt neben der Stadtautobahn verläuft die Main-Weser-Bahn, die die Häuser in der Cappeler Straße deutlich mehr belastet, nämlich mit 70 Dezibel (A). Eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn brächte also wenig, argumentiert Al-Wazir. Eine einseitige Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf der Straße brächte aber eine kaum noch wahrnehmbare Entlastung, so der Verkehrsminister.

Dorn: Grenzwerte herabsetzen

Dorn sieht nun die Bundesregierung am Zug. Sie müsse „endlich die Grenzwerte für Tempolimits für die lärmgeplagten Anwohnerinnen und Anwohner herabsetzen“, fordert sie. Insbesondere müssten die topografischen Verhältnisse wie eine lärmverstärkende Trichterlage hier in Marburg stärker berücksichtigt werden. „Denn so gehen die Grenzwerte völlig an den Erfordernissen für echten Lärm- und Gesundheitsschutz vorbei“, sagte Dorn.

Sie forderte von dem heimischen Bundestagsabgeordneten und verkehrspolitischen Sprecher Sören Bartol, dass er sich dafür einsetzt, den Ländern mehr Möglichkeiten einzuräumen, Tempolimits an belasteten Autobahnen und Bundesstraßen festzulegen.

von Till Conrad