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Marburg Mehr Strom und mehr Wärme
Marburg Mehr Strom und mehr Wärme
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09:58 23.07.2021
Der Rohbau für das neue Blockheizkraftwerk am Ortenberg steht. Die Baustelle besichtigten (von links): Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Bernhard Müller, Andre Kesting (Teilprojektleiter Stadtwerke Marburg), Christina Hausmann (Pfeiffer & Schmidt Ingenieurgesellschaft mbH), Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, Jan Herpel (Projektleiter Stadtwerke Marburg), Stefan Mewes (GOTech Gebäudeoptimierung GmbH).
Der Rohbau für das neue Blockheizkraftwerk am Ortenberg steht. Die Baustelle besichtigten (von links): Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Bernhard Müller, Andre Kesting (Teilprojektleiter Stadtwerke Marburg), Christina Hausmann (Pfeiffer & Schmidt Ingenieurgesellschaft mbH), Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, Jan Herpel (Projektleiter Stadtwerke Marburg), Stefan Mewes (GOTech Gebäudeoptimierung GmbH). Quelle: Foto: Gianfranco Fain
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Marburg

Es wird eine technische Anlage auf „sehr, sehr gutem Niveau mit hoher Effizienz“, die derzeit in der Rudolf-Bultmann-Straße unweit des alten Lockschuppens entsteht. Rund 2,1 Millionen Euro investieren die Marburger Stadtwerke dort in ein drittes Blockheizkraftwerk. Gestern präsentierten Vertreter der am Bau beteiligten Behörden und Unternehmen den Stand der Arbeiten.

Zu sehen sind bisher nur die Bodenplatte und die hohen Betonwände; die vorangegangenen Arbeiten am Ortenberg hingen mit dem vom Land Hessen im Jahr 2015 übernommenen Heizkraftwerk zusammen. Schon beim Kauf stand fest, dass die Stadtwerke noch einiges in das Sanieren investieren müssen. Rund 4,5 Millionen Euro wurden es, bevor in den Jahren 2017 und 2018 zwei Blockheizkraftwerke an die Netze gingen, erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Bernhard Müller. Positiver Nebeneffekt: Seitdem verringerte sich der Ausstoß an Kohlendioxid jährlich um 5 500 Tonnen. Zugleich treiben die Stadtwerke das „Verdichten“, also den Ausbau des Fernwärmenetzes in der Gutenbergstraße, der Biegen- und Deutschhausstraße sowie am Rosenpark voran.

Spies: Wichtiger Beitrag, um CO2-Ausstoß zu reduzieren

Dieses Verdichten führe auch zu einer geringeren Ausstoßmenge an Kohlendioxid, nämlich 1 200 Tonnen pro Jahr, ergänzt Projektleiter Jan Herpel. Dazu trägt auch der Einsatz von sogenannten SCR-Katalysatoren bei, die ähnlich wie bei Dieselmotoren das Ad blue Harnstoff einspritzen, um den Stickstoffgehalt deutlich zu reduzieren. Zudem werden auch die Fernwärmepumpen erneuert, um einen effizienteren Betrieb zu erreichen. Das neue Kraftwerk kann mit seiner Leistung von einem Megawatt weitere 2 000 Haushalte mit Strom und 350 zusätzlich mit Wärme versorgen. Baubeginn war im Mai, Ende dieses Jahres soll das Blockheizkraftwerk anlaufen.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bezeichnete die Blockheizkraftwerke als „wichtigen Beitrag, um den Ausstoß an Kohlendioxid deutlich zu reduzieren“. Sie seien wesentlich, um die bemerkenswerten Projekte der Stadt zur Klimapolitik voranzutreiben. Dazu tragen die Stadtwerke als städtischer Dienstleister bei, fügte deren Aufsichtsratsvorsitzender an. „Wir brauchen intelligente Lösungen auf dem langen Weg zur Klimaneutralität“, fügte Spies an. Auf diesem langen, mühsamen Weg, den der Oberbürgermeister mit einem Marathon vergleicht, brauche es zwischendurch solche kleinen Etappenziele des Fortschritts. Schließlich habe man hier eine andere Dimension der Verantwortung als an anderen Orten, betonte der Oberbürgermeister mit Verweis auf die Umweltkatastrophen, deren Ursache auf den Klimawandel zurückgeführt werden.

Blockheizkraftwerke

Die Marburger Stadtwerke produzieren im Blockheizkraftwerk (BHKW) Ortenberg mit Erdgas Strom sowie Wärme und versorgen damit die Kernstadt. Das neue BHKW hat eine Leistung von einem Megawatt und versorgt damit mehr als 2 000 Haushalte mit Strom und 350 mit Wärme. Zwei weitere BHKWs im Stadtteil Stadtwald werden mit Biogas aus der Anlage in Cyriaxweimar betrieben und versorgen damit nahezu den gesamten Stadtteil. Weiterer kleinere Anlagen versorgen Teile Marburgs sowie des Landkreises.
Die Wärme gelangt mittels heißem Wasser über Rohrleitungen in die Gebäude, wo sie für Heizung und Warmwasser verwendet wird.

Durch das gleichzeitige Nutzen von elektrischer Energie und Wärme erreichen BHKW gegenüber herkömmlichen Kraftwerken eine höhere Effizienz von bis zu 90 Prozent.

Von Gianfranco Fain

22.07.2021
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