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Marburg Mehr Raum zum Radfahren
Marburg Mehr Raum zum Radfahren
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07:57 24.11.2021
Fahrradfahrer Christian Zerban fährt mit Hund Fidel im Lastenrad durch die Uferstraße in Marburg.
Fahrradfahrer Christian Zerban fährt mit Hund Fidel im Lastenrad durch die Uferstraße in Marburg. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Wem gehört die Straße? Den Autos, mag man denken. Mehr und mehr Autofahrer steigen aber um auf das Rad, um das Klima zu schützen. Wenn ein Berufspendler täglich fünf Kilometer mit dem Rad statt dem Auto zur Arbeit und zurück fährt, werden so laut Umweltbundesamt pro Jahr 350 Kilogramm Kohlendioxid-Emissionen eingespart.

In Städten wie Marburg bietet der Umstieg ein besonders großes Potenzial, da oft kurze Strecken zurückgelegt werden. Solche Wege können bequem per Rad bewältigt werden. So weit die Theorie. Was in Marburg aber über viele Jahre vernachlässigt wurde, war der Ausbau des Radwegenetzes.

„In der Innenstadt ist der Verkehrsraum sehr begrenzt. Weil aber immer mehr Menschen auf das Rad umsteigen, braucht es Wege für sie. Wir können direkt in der Kernstadt aber nicht viel mehr Platz für neue Radwege schaffen – deswegen müssen wir den vorhandenen Verkehrsraum fair aufteilen“, sagt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies.

Vor vier Jahren kam dazu der Anstoß aus den städtischen Gremien, das Radwegekonzept für die Universitätsstadt neu zu denken. Ein Radverkehrsentwicklungsplan wurde beschlossen und bildet die Grundlage für den Aus- und Neubau des Radverkehrs.

Neue Fahrradzonen entstanden

Im vergangenen Jahr hat die Stadt damit begonnen, mehr Raum für Radfahrer zu schaffen. Die Gesamtkosten für die Projekte belaufen sich auf rund 570.000 Euro.

„Die Stadt Marburg hat in diesem und im vergangenen Jahr an vielen Stellen in der Stadt mit Farbe, Schildern und kleineren Umbaumaßnahmen in kurzer Zeit viele Verbesserungen für den Radverkehr geschaffen und es so attraktiver und sicherer gemacht, mit dem Rad Wege durch die Stadt zurückzulegen“, sagt Spies.

Veränderungen gibt es in einem Teilbereich der Neuen Kasseler Straße zwischen Zimmermannstraße und Schlosserstraße sowie in der Großseelheimer Straße zwischen Zeppelinstraße und dem Ortsausgang in Richtung Lahnberge und in der Gutenbergstraße von der Schulstraße in Richtung Universitätsstraße.

Stellplätze am Bahnhof vermehrt

Außerdem sind neue Fahrradzonen im Campusviertel in dem Bereich Wolffstraße / Uferstraße samt einmündender Straßen entstanden. Die Gutenbergstraße zwischen Universitäts- und Schulstraße wurde für den Radverkehr in Gegenrichtung geöffnet und eine Ampel wurde aufgestellt. Zudem gibt es neuerdings Rechtsabbieger-Grünpfeile am Wilhelmsplatz und an der Leopold-Lucas-Straße. Auch sind Stellflächen für Lastenräder entstanden – gleich in drei Varianten.

In dem laufenden Jahr wurden weitere Radverkehrsprojekte abgeschlossen: Die Frauenbergstraße zwischen Südbahnhof und Cappeler Straße erhielt eine neue Markierung. Ebenso in der Ketzerbach, in der die bisherige Radverkehrsanlage nicht mehr den geltenden Vorschriften entsprach. Der Knotenpunkt Uferstraße/verlängerte Deutschhausstraße wurde umgebaut, damit Fußgänger geschützt sind und es bessere Sichtverhältnisse gibt.

Damit die Räder auch korrekt abgestellt werden können, wurde die Anzahl der sogenannten Anlehnbügel auf der Nordseite des Bahnhofsvorplatzes um 26 Stellplätze erweitert. Bei der Ampel in der Schwanallee / Leopold-Lucas-Straße in Verbindung mit der Ampel in der Wilhelmstraße gibt es nun eine eigene Phase für die Fußgänger. Der Knotenpunkt Schwanallee / Frankfurter Straße wurde um Fahrradsignale ergänzt

Wenn der Bau schnell vorangeht, können Radfahrer bald einen Wirtschaftsweg zwischen Bauerbach und Ginseldorf auf rund 800 Metern nutzen und kommen so sicher von einem Stadtteil in den nächsten.

Radanbindung an Pharmastandort geplant

Am Firmaneiplatz in der Innenstadt ist etwas Entscheidendes für den Radverkehr geplant. Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, gehört die Firmaneistraße ausschließlich den Radfahrern. Aber noch muss der Jubel etwas verhalten ausfallen, denn zunächst sind nur Markierungsarbeiten geplant. Erst wenn die Förderzusage ins Rathaus flattert, folgt der Komplettausbau. Doch Spies’ Vorhaben ist eindeutig: „Wir setzen auch 2022 den Radverkehrsplan weiter um und arbeiten an stetigen Verbesserungen für den Radverkehr“, sagt Spies.

Als wichtigen Baustein für die Mobilitätswende nennt Spies die Radwegeanbindung des Pharmastandorts in Michelbach. „Sowohl wir als auch Hessen Mobil planen intensiv den Bau von Radwegen, die wir aufeinander abstimmen. Hunderte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus den benachbarten Ortsteilen steigen sicherlich aufs Rad um, wenn wir attraktive Wege für sie schaffen“, sagt Spies. Das Ziel ist es, die Planungen intensiv voranzutreiben.

Von Silke Pfeifer-Sternke

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