Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Mehr Ordnungspolizei an Problempunkten
Marburg Mehr Ordnungspolizei an Problempunkten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 17.06.2018
Schlägereien und Saufgelage: Die Lahnterrassen, vor denen in dieser Woche noch das Hessische Landestheater spielt, stehen seit ­langem im Fokus der in der Stadt schwelenden Sicherheitsdiskussion. Quelle: Thorsten Richter (Archiv)
Marburg

Drei Stunden länger als bisher werden Ordnungspolizisten zwischen Friedrichsplatz, Northampton Park, Lahnterrassen und Altem Botanischen Garten patroullieren. Von Montag bis Samstag solle die Präsenz der Sicherheitskräfte bis mindestens 1 Uhr nachts ausgeweitet werden. Das kündigte Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) an. „In der warmen Jahreszeit, in der sich viele Menschen gerne auch im Freien aufhalten, wird die Ordnungsbehörde auch nach 22 Uhr gebraucht“, sagt er.

Im Mittelpunkt stünden demnach die Einhaltung und Kontrolle von Lärm- und Jugendschutz sowie des Ordnungsrechtes. Konkret: mögliche Ruhestörungen, Alkoholkonsum oder Müllentsorgung auf öffentlichen Flächen. Auch auf die ­Außenbestuhlung von Gaststätten, deren Schließung solle laut Stadtverwaltung ab sofort verstärkt geachtet werden.

Organisiertes Verbrechen in Marburg

Nach Jahren relativer Ruhe nehmen die Probleme in dem Bereich zwischen Erlenring und Hauptbahnhof seit 2015 wieder zu – wobei Ruhestörungen und Vermüllung noch die harmloseren Delikte sind. Vor allem Drogenverkauf, Drogenkonsum, Diebstähle und Schlägereien häuften sich nach Beobachtungen von Innenstadtbewohnern in dem Gebiet zuletzt.

Wie es aus Sicherheitskreisen gegenüber der OP heißt, soll sich in den vergangenen Monaten eine organisierte Verbrecherstruktur, Bandenkriminalität in der Universitätsstadt ausgebreitet haben.  

Hellere Lampen sollen Straftaten vorbeugen

Forderungen von Bürgern und Kommunalpolitikern, mehr Ordnungspolizisten einzustellen, eine abendliche Wachstation an den Lahnterrassen einzurichten, Überwachungskameras zu installieren oder das Ordnungsamt zu einer Stadtpolizei – einer Behörde, deren Mitarbeiter auch an Waffen ausgebildet sind, Pistolen tragen und benutzen dürfen – umzubauen, sind vom ­Magistrat zuletzt abgelehnt worden.

Vor der nun angekündigten Streifen-Ausdehnung sind hellere Lampen in die Laternen entlang des Lahnufers eingebaut worden, um das Gebiet besser zu beleuchten. Ziel: eine Verbrechens-Vorbeugung.

Kriminalstatistik

Die Zahl der Straftaten in Marburg ist drei Jahre in Folge gestiegen. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Polizei rund 100 Fälle mehr als in 2016. Das geht aus der Kriminalstatistik (PKS) 2017, welcher die Zahl aller erstatteten Anzeigen zugrunde liegt, hervor. Die Vorfälle im Bereich Lahnterrassen und Pilgrimstein sind demnach in die Höhe geschossen, von 317 im Jahr 2013 auf zuletzt 511 Straftaten – allerdings machen Diebstähle den mit Abstand größten Anteil aus. Auffällig: In 2016 und 2017 ist die Zahl der Körperverletzungen (69 beziehungsweise 60) in der Gegend beinahe doppelt so hoch wie in den Vorjahren.

von Björn Wisker