Mehr Bäume für Marburg: Initiative will öffentliche Flächen bepflanzen.
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Marburg Initiative will mehr Bäume für Marburg
Marburg Initiative will mehr Bäume für Marburg
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20:58 23.01.2021
An der Richtsberg-Gesamtschule waren sie bereits aktiv: Inge Koch (links) und Silka Guternacht von der Initiative "Mehr Bäume für Marburg" suchen weitere Flächen zum Bepflanzen.
An der Richtsberg-Gesamtschule waren sie bereits aktiv: Inge Koch (links) und Silka Guternacht von der Initiative "Mehr Bäume für Marburg" suchen weitere Flächen zum Bepflanzen. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Marburg ohne Bäume? Kaum vorstellbar. Egal ob die Zierkirschen-Allee in der Stresemannstraße, die mächtigen Eichen im Schlosspark oder die oft unbeachteten „Randbäumchen“ an Fuß- und Radwegen. Bäume verschönern Straßenzüge, verbessern das Stadtklima und machen Marburg lebenswert. Damit die Stadt noch ein bisschen lebenswerter wird, haben Inge Koch und Silka Guternacht die Initiative „Mehr Bäume für Marburg“ ins Leben gerufen. Ihr Ziel: Auf öffentlichen, ungenutzten Flächen heimische Bäume und Sträucher anpflanzen. „Dadurch soll das Kleinklima verbessert und auch ein Beitrag zum Klimaschutz gleistet werden. Denn Bäume speichern CO2 und bieten Tieren Lebensräume und Erholungsräume für Menschen“, sagt Silka Guternacht.

Seit der Gründung der Initiative, kurz vor Beginn der Corona-Pandemie und trotz der damit verbundenen Einschränkungen, ist schon viel passiert: Gemeinsam mit der GeWoBau Marburg (Gemeinnützige Wohnungsbau GmbH) wurden im November auf Freiflächen zwischen den Wohnblocks in der Kantstraße sechs Apfelbäume und 30 Beerensträucher gepflanzt. Gefördert wurde das Projekt durch das „Bürger*innen Budget für Nachhaltigkeit“ des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Die Pflanzung übernahmen Schüler der Richtsberg-Gesamtschule und Mitarbeiter der Wohnungsbaugesellschaft. „Unser Wunsch ist, dass sich die Anwohner in Zukunft bei der Pflege und Ernte einbringen. Das Obst aus dem Garten zu ernten ist ebenfalls ein kleiner Beitrag zum Klimaschutz, da ja Transportwege wegfallen“, sagt Guternacht und ergänzt, dass eine gemeinschaftliche Baumbewirtschaftung auch der Förderung von nachbarschaftlichen Beziehungen diene. Bis die Anwohner in der Kantstraße sich mit ihren neuen „Nachbarn“ angefreundet haben, zieht Inge Koch noch mit der Gartenschere um die Häuser. „Apfelbäume müssen regelmäßig geschnitten werden“, sagt sie.

„Schöne Pausenäpfel“ stehen seit Dezember auch auf dem Gelände der Richtsberg-Gesamtschule. Die drei Hochstämme sollen – wenn sie in wenigen Jahren Früchte tragen – nicht nur den Schulhof verschönern, Sauerstoff produzieren und Kohlendioxid binden, sondern auch als Pausen-Snack für Schüler dienen. „Die Schüler der Richtsbergschule sind mit viel Engagement bei der Sache“, lobt Guternacht, „aber wir dürfen den Klimaschutz nicht nur den Jugendlichen überlassen“, betont sie. Die Initiative soll nicht nur helfen, das Klima zu schützen und die Nachbarschaft zu stärken, sondern auch das Miteinander unter den Generationen fördern, indem man gemeinsam pflanzt und bewirtschaftet.

Die beiden Frauen sind ständig auf der Suche nach neuen Mitstreitern, Baumpaten und Pflanzhelfern. „Das Schwierigste ist aber, an Flächen zu kommen“, bedauert Guternacht. Nicht jede Fläche eignet sich für die Initiative. Dem Klima sei es zwar egal, wo die Bäume stehen, „aber einen Privatgarten wollen wir nicht bepflanzen“, sagt Koch.

Bäume in Marburg

15 300 Bäume sind im Baumkataster der Stadt Marburg verzeichnet. 5 700 davon stehen entlang von Straßen, Fuß- und Radwegen. Die anderen verteilen sich auf Parks, Friedhöfen, Spielplätzen, Schulen, Kindergärten und nicht zuletzt den 22 Kilometern Waldrändern rund um Marburg. 51 unterschiedliche Baumarten sind im Stadtgebiet erfasst.

Ahorne, gefolgt von Linden und Eichen, haben den größten Anteil. Im Südviertel hat jeder Straßenzug seine eigene Baumart.

Von Tobias Hirsch