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Marburg Beratungsbedarf gibt es schon in Grundschulen
Marburg Beratungsbedarf gibt es schon in Grundschulen
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12:00 18.09.2020
Ein Selfie mit der besten Freundin: Das passt perfekt auf Instagram. Quelle: Christin Klose/dpa-tmn
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Marburg

Wie nutzen junge Menschen die Angebote des Internets, wie sicher sind sie im Umgang mit potenziellen Gefahren im Web, was macht Medienkompetenz aus? Damit befasst sich mittlerweile immer stärker die Jugendförderung des Landkreises, die künftig stärker in den Schulen präsent sein will.

Kurse für Eltern oder Jugendliche gibt es regelmäßig, am Samstag findet etwa der Workshop „Das perfekte Selfie“ statt. Dabei geht es um die beliebte Form der Selbstdarstellung per Foto, das häufig auch online gepostet wird, daher bisweilen besonders intensiv vorbereitet wird, eben um perfekt zu werden oder zumindest zu wirken. Die Jugendförderung wolle jungen Mädchen ab zwölf Jahren dazu Tipps geben, wie das funktionieren kann – das aber nicht, um das trendigste Bild für den nächsten Internet-Hype zu erzeugen, sondern vordergründig, um auf potenzielle Fallstricke im Web aufmerksam zu machen. Von der Trend-App „TikTok“ über Fake-Bilder, geschönte Vorstellungen vom Leben als Influencer bis eben zum unbedacht veröffentlichten Selfie: „Wenn ich etwas poste, will ich dann wirklich, dass gleich jeder mein Zimmer oder Wohnhaus sieht oder was meine privaten Gedanken sind?“, umschreibt Jugendbildungsreferent Holger Marks eine der zentralen Fragen. Auch technische Möglichkeiten, online eine Scheinwelt abzubilden, die andere mit falschen Versprechungen verlockt, sei ebenso Thema wie Cybergrooming, also das harmlose Annähern per Web mit dem eigentlichen Ziel, sexuelle Kontakte aufzubauen.

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Warum werden in diesem Fall nur Mädchen angesprochen? „Mädchen sind deutlich stärker in den Sozialen Netzwerken aktiv als Jungs – wir wollen für sie außerdem einen geschützten Raum bieten, um über alle Themen offen sprechen zu können“, erklärt Nancy Bartholomes, Fachdienstleiterin der Jugendförderung. Generell gehe es um einen kompetenten Umgang mit dem Internet und in sozialen Netzwerken, darum, auszuprobieren, ohne zu bewerten, gleichzeitig aber auch die eigenen Posts zu reflektieren, andere und sich selbst zu hinterfragen.

Workshop ist ein Präventionsangebot

Der Workshop sei eines von verschiedenen Präventionsangeboten, mit denen die Jugendförderung in lockerer Runde gezielt junge Menschen ansprechen wolle, wozu sie ab dem nächsten Jahr auch verstärkt Schulbesuche in Klassen unternehmen will. Denn der Beratungsbedarf sei klar da, bei Eltern, Lehrern, Jugendlichen und schon bei Kindern. Eine geschulte Medienkompetenz werde heute immer früher nötig, längst auch in der Grundschule. Dort spätestens in der vierten Klasse, wenn die elterliche Entscheidung ansteht, wann das Kind das erste eigene Smartphone bekommt. „Die Frage stellen sich viele und immer früher, es gibt eine Verjüngung“, sagt Bartholomes.

Wenn es soweit ist, stehe den Kindern die weite Welt des Internets offen, das bietet unendlich viele Möglichkeiten, könne aber auch überfordern, da brauche es Kompetenzen im Umgang mit dem, was passieren kann. Beispiel: Wie geht ein Kind damit um, wenn der erste Kettenbrief erscheint, dessen Verfasser droht, bei jenen „mal vorbeizukommen“, die den Text nicht sofort weitersenden? Da könne Unsicherheit entstehen, bei Kindern wie bei Eltern. Ein Tipp: „Man sollte das Kind mit den verschiedenen Medien nicht alleine lassen, es begleiten, aber wertfrei an die Sache herangehen“, rät Bartholomes.

Man soll informiert sein und mit den Kindern über Medienkonsum sprechen.

  • Weitere Infos zum Angebot und bei Beratungsbedarf beim Fachdienst Jugendförderung unter jugendfoerderung@marburg-biedenkopf.de.

von Ina Tannert