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Marburg Maskenpflicht in Schulen: Eltern-Gruppe protestiert
Marburg Maskenpflicht in Schulen: Eltern-Gruppe protestiert
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13:58 03.11.2020
Eine Eltern-Initiative aus Marburg und Umgebung fordert die Abschaffung der Maskenpflicht im Schulunterricht. Sie haben der Landkreis-Spitze mehr als 100 Protest-Unterschriften übergeben Quelle: Björn Wisker
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Marburg

Ein Mann mit Maske steht mitten in der weit verstreuten Menschentraube vor dem Kreishaus. Gerade hat er in seiner Funktion in der Landkreisverwaltung einen Protestbrief entgegengenommen, dem ihm Vertreter einer 100-köpfigen Eltern-Initiative aus Marburg und Umgebung übergeben haben. Sie wenden sich mit einer Unterschriftenliste gegen die jüngste Allgemeinverfügung des Landkreises, die Maskenpflicht im Schulunterricht festschreibt.

„So kann das mit Corona doch nicht weitergehen. Dass Maßnahmen ohne Evidenz getroffen werden. Es befremdet mich, dass Schüler die ganze Zeit Mund-Nasen-Schutz tragen müssen, obwohl nicht mal erwiesen ist, dass von ihnen erhöhte Ansteckungsgefahren ausgehen“, sagt Beatrice Runkel im OP-Gespräch.

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Es gebe eine „steigende Unverhältnismäßigkeit der beschlossenen Maßnahmen“, heißt es von Maxie Henrich. Speziell die immer umfassender werdende Maskenpflicht, vor allem in der Schule und während des Unterrichts, sei „unverantwortlich und gesundheitsschädigend“ für die Kinder und Jugendlichen – die Demonstranten berichten etwa von Atemproblemen, Kopfweh, Müdigkeit. Die Protestgruppe verweist auf den bis heute fehlenden Nachweis, dass Kinder besonders ansteckend seien und das Problem der CO2-Rückführung in Mund-Nasen-Bedeckungen, weshalb ja selbst der Bundestag dazu rate, Mund-Nasen-Bedeckungen zeitweise abzunehmen.

Zachow zu Maskenpflicht: „Ziel ist es, Bildung möglich zu machen“

„Alleine die Konzentrationsschwierigkeiten vieler Schüler beim Lernen, dazu die Wesensveränderungen von kleinen Kindern im Laufe der letzten Monate – das kann man doch so nicht laufen lassen“, sagt eine 65-jährige Großmutter. Es sei daher, so Heinrich stellvertretend für die Eltern-Initiative, „in keiner Weise nachvollziehbar und zutiefst erschütternd“, wie sich die Kreisverwaltung zu der Maskenpflicht im Unterricht, also zu „verantwortungslosen und menschenschädigenden Entscheidungen haben hinreißen lassen“. Die Elterngruppe fordert, dass „Entscheidungen sowie Maßnahmen auf der Basis von nachgewiesenen Fakten und unter Berücksichtigung der Gesetzgebung, nicht auf Verordnungen zu treffen“.

Der Mann mit der Maske inmitten der Protestgruppe, die ihre Kritik vorträgt, ist Marian Zachow (CDU), Erster Kreisbeigeordneter. Er ist maßgeblich verantwortlich für die geltende Allgemeinverfügung, die Maskenpflicht ab Klasse 5 auch im Schulunterricht festschreibt. „Ein zentrales Ziel ist es, unter den gegebenen Bedingungen zum Gesundheitsschutz, Bildung möglich zu machen, Schulschließungen zu verhindern“, sagt er im Gespräch mit den Eltern. Dazu brauche es Masken, da diese eben doch erwiesenermaßen „einen gewissen Schutz bieten“; es gebe zudem Ausnahmeregeln für gesundheitsgefährdete Schüler.

Eltern-Initiative beklagt „Demokratie-Defizit“

Man wisse im Landkreis Marburg-Biedenkopf um abweichende Forschermeinungen, aber wegen des Pandemie-Tempos sei man „nicht in der Lage, eine finale wissenschaftliche Klärung abzuwarten“. Vielmehr müsse man – allein aus Gründen der Prävention – „alle Maßnahmen treffen, die geeignet sind, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen“. Dabei verweist Zachow eher auf die Inzidenz im Landkreis, die hessenweit mit am höchsten ist.

Der Kreis stütze sich bei allen Entscheidungen auf Zahlen und Vorgaben des Robert-Koch-Instituts. Die jüngsten Maßnahmen orientierten sich am Eskalationskonzept des Landes Hessen – dies sei eine „rechtsverbindliche Weisung“ der Landes- an die Kommunalebene.

Die Eltern geben sich mit der Verantwortungsfrage im OP-Gespräch nicht zufrieden. „Die Fronten sind total verhärtet. Es gibt Eltern wie diese Gruppe hier, und es gibt eben andere Eltern, die nach Maskenpflicht auch in Grundschulen schreien. Die Corona-Debatte wird aber nicht breit und offen ausgetragen und ausgehandelt. Es wird entschieden, verordnet und durchgezogen“, sagt Jürgen Wagner. Er spricht von einem „Demokratie-Defizit“, das man zumindest auf Landkreis-Ebene auflösen müsse – und sei es als Anstoß aus Mittelhessen für eine bundesweite Diskussion, auch der verschiedenen Wissenschafts-Lager über den Umgang mit dem Corona-Virus.

Von Björn Wisker

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